Zehn Fakten rund um das Stillen

In diesem Artikel möchte ich über zehn Fakten rund um das Stillen schreiben. Generelle Fragen wie „Stillen ja oder nein?“ aber auch über die Dauer der Stillzeit sind fast täglich Bestandteil meiner Beratungen. Darum habe ich mir überlegt, nochmal einen allgemeinen Überblick zu geben. Weiterführende Artikel zum Stillen von mir werden verlinkt.

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Die Fähigkeit zum Stillen ist angeboren,. Dennoch muss Stillen erst erlernt werden – von Mutter und Baby.1

1. Das Kolostrum

Das Kolostrum ist die sogenannte Neugeborenenmilch (wird oft auch als Vormilch bezeichnet). Es enthält mindestens 700 Bakterienarten, welche wichtig für die Darmbesiedlung und die Immunmodulation sind. Auch Mütter, welche direkt nach der Geburt abstillen wollen, sollten ihrem Baby das Kolostrum geben. Es wirkt wie eine erste natürliche „Impfung“. Das Kolostrum ist leicht verdaulich, stabilisiert den Blutzuckerspiegel und fördert die Ausscheidung des Mekoniums.

2. Stillen ist eine angeborene Fähigkeit

Jedes Kind bringt die Voraussetzungen zum stillen mit, dennoch muss es zunächst gelernt werden. Nach der Geburt muss das Baby die Koordination von Stillen – Atmen – Schlucken verinnerlichen und das kostet relativ viel Kraft.

3. Bekommt mein Baby genügend Milch?

In vielen Krankenhäusern wird den Müttern häufig sehr schnell empfohlen zuzufüttern. Dies natürlich mit einer Flasche. Gerade zu Beginn ist das Stillen sehr störanfällig und das Zufüttern ist nicht selten der Anfang vom Ende. Denn: Durch den mangelnden Bedarf nach Muttermilch wird auch nicht mehr so häufig angelegt, was wiederum dazu führt, dass die Milchmenge immer weniger wird. Außerdem kann es zur Saugverwirrung kommen – das Baby geht nicht mehr richtig an die Brust. Häufig wird dann abgestillt, wobei das nicht sein müsste. In den ersten 6 Lebenswochen sollte auf künstliche Sauger (Flasche, Schnuller und auch Brusthütchen) komplett verzichtet werden. Diese können sich sehr negativ auf die Stillbeziehung auswirken. Ausführlich habe ich über dieses Thema hier2 geschrieben.

4. „Stillen ist anstrengender als die Flasche“

Stimmt, aber nur zum Teil. Denn: Aus der Flasche zu trinken ist für den kindlichen Stoffwechsel stressiger als das Stillen. Auch die Sauerstoffsättigung ist schlechter als beim Stillen. Für die Entwicklung der Mundmuskulatur ist das Stillen optimal. Das Stillen kostet zwar viel Kraft und macht den Säugling müder, aber für die kindliche Entwicklung ist es gesünder.

5. Was ist eigentlich „Stillen nach Bedarf?“

Stillen nach Bedarf bedeutet, dass das Kind immer angelegt wird, wenn es „sich meldet“. Das sind in 24 Stunden mindestens 8 bis 12 Mal, in Zeiten von Entwicklungsschüben durchaus auch öfter. Viele Säuglinge wollen ab Spätnachmittags nur noch an der Brust sein und stillen dann über viele Stunden. Stillen ist viel mehr als nur eine reine Nahrungsaufnahme. Wir geben unserem Kind darüber auch Geborgenheit, Nähe, Wärme und Sicherheit. Beim Stillen nach Bedarf wird die Stilldauer nicht durch die Mutter begrenzt, sondern es wird solange gestillt, bis das Baby von sich aus die Brustwarze loslässt.

6. „Die Brust ist kein Beruhigungssauger“

Doch, genau das ist die Brust! Die Brust ist das Original, der Schnuller die Kopie. Jahrtausende wurden die Babys und Kleinkinder von ihren Müttern gestillt – offensichtlich ein funktionierendes System, sonst wäre die Menschheit mittlerweile ausgestorben. An der Brust spüren Babys die Nähe ihrer Mama, hören ihren Herzschlag und das Nuckeln wirkt beruhigend auf das Baby.

7. Stillen stärkt die Bindungsentwicklung zwischen Mutter und Kind

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Stillen ist vielmehr als nur Nahrungsaufnahme. Es stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind, gibt dem Baby Nähe, Geborgenheit und Wärme.3

Vorneweg: Auch nicht-gestillte Kinder entwickeln sichere Bindungen an ihre Mama, vorausgesetzt sie reagiert feinfühlig und adäquat auf die Bedürfnisse des Säuglings. Dennoch wird der Bindungsaufbau erleichtert, denn durch die körperliche Nähe wird Oxytocin gebildet, das sogenannte Bindungshormon. Außerdem sinkt durch das Oxytocin auch das Risiko für die Wochenbettdepression.

8. Abstillen nach sechs Monaten?

Nein, das ist überhaupt nicht nötig. Hauptnahrungsmittel im ersten Lebensjahr ist Milch. Wenn wir vorher abstillen muss das Baby in jedem Fall mit Formulamilch zugefüttert werden. Auch im zweiten Lebensjahr brauchen die Kinder noch 300 bis 500ml Milch pro Tag (entweder durch Pre oder andere Milchprodukte). Diese Menge kann man aber natürlich auch einfach weiter über Muttermilch dem Kind geben. Und selbst nach dem zweiten Geburtstag muss nicht abgestillt werden, vorausgesetzt Mutter und Kind sind mit der Stillbeziehung zufrieden. Das natürliche Abstillalter von Menschenkindern liegt zwischen 2,5 und 7 (!) Jahren. Ich habe hier4 bereits ausführlich darüber geschrieben.

9. Kann ich mein Kind durch das Stillen verwöhnen?

Wir können unsere Kinder nicht mit Liebe und Nähe verwöhnen. Diese Frage ist eigentlich keine reine Stillfrage, sondern hat viel mit unserer generellen Haltung unseren Kindern gegenüber zu tun. Alles, was wir unseren Kindern in den ersten Lebensjahren an Liebe, Geborgenheit und Sicherheit geben, wird sie für das Leben stärken. Dazu gehört auch das Stillen, denn es befriedigt viele Bedürfnisse gleichzeitig, nicht nur das nach Nahrung. Zum Thema Verwöhnen habe ich hier5 ausführlich geschrieben.

10. Fazit zum Schluss

Stillen ist etwas vollkommen normales und natürliches. Bevor es die Industrienahrung gab wurde ausnahmslos jedes Kind gestillt – ansonsten wäre es ziemlich sicher gestorben. Auch wenn wir heute das Glück haben, dass es Säuglingsnahrung zu kaufen gibt, das Stillen ist dennoch das Original. In unserer Gesellschaft scheint das immer mehr in Vergessenheit zu geraten – da werden stillende Mütter angefeindet, rausgeschmissen und als pervers bezeichnet. Das ist traurig und beunruhigend zugleich. Jede Mama, die stillen möchte, sollte dies tun – und zwar ohne sich dafür zu schämen, sich auf eine Toilette zurück ziehen zu müssen oder für das nächste halbe Jahr an ihr Wohnzimmer gefesselt zu sein. Stillende Mamas gehören in die Mitte unserer Gesellschaft – denn sie geben ihren Kindern so viel mit ihrer Muttermilch!

In diesem Sinne wünsche ich jeder stillenden Mama Unterstützung und Begleitung für eine zufriedene Stillbeziehung!

Eure Kira

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Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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