Zähneputzen beim Kind – Ganz ohne Gewalt

Zähneputzen beim Kleinkind, Machtmissbrauch, Gewalt am Kind, Recht auf gewaltfreie Erziehung

Zähneputzen beim Kind – Geht auch ohne Gewalt, psychischen Druck und Machtmissbrauch 1

Die Landeszahnärztekammer Thüringen hat im Jahr 2014 ein Video 2 veröffentlicht, in dem es um das Zähneputzen beim Kind geht. Das Video ist der schockierende Beweis dafür, dass auch öffentlichen Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland noch nicht klar zu sein scheint, dass Kinder gemäß §1631 Abs. 2 BGB3 das Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. Und das bereits seit dem 08.11.2000. Dennoch wird in dem Video dieser Institution unsicheren Eltern empfohlen, dass Kinder beim Zähneputzen festgehalten werden sollen – auch dann, wenn sie heftig weinen und sich körperlich gegen den Eingriff wehren.

Festhalten gegen den Willen des Kindes ist Gewalt

Ein Kind gegen seinen Willen festzuhalten ist Gewalt – auch wenn die Eltern eine vermeintlich gute Absicht verfolgen. Uns ist es wichtig, dass unsere Kinder gut gepflegte Zähne haben, unsere Angst vor Karies ist groß. Dennoch rechtfertigt diese Angst dieses Vorgehen nicht. Wir müssen endlich begreifen, dass wir als Eltern nicht das Recht haben, die körperliche Unversehrtheit unseres Kindes über die psychische Gesundheit zu stellen. Beides ist gleichermaßen wichtig und es ist an der Zeit zu begreifen, dass unsere Kinder eigenständige Menschen sind, die ein Recht haben über ihren Körper selbst zu entscheiden.

Das bedeutet nicht, dass wir ihnen nicht erklären können, dass wir uns Sorgen um ihre Zahngesundheit machen. Natürlich hat ein Kind noch nicht den Weitblick wie wir Erwachsenen. In keinster Weise lässt sich damit aber Gewalt am Kind argumentieren.

„Nein“ heißt „Nein“!

Gerade in letzter Zeit ist dieser Ausspruch zunehmend populär. Wir sollten ihn auch bei unseren Kindern respektieren. „Nein“ heißt „Nein“! Im Hinblick auf die psychische Entwicklung finde ich es unerlässlich, darauf hinzuweisen. Denn wie sollen Kinder lernen, dass ihr „Nein“ etwas bedeutet und respektiert wird, wenn selbst die eigenen Eltern es immer und immer wieder übergehen? Wie sollen Kinder lernen, für ihr „Nein“ einzustehen, wenn keiner es beachtet? Wie sollen Kinder lernen, dass ein „Nein“ wirklich „Nein“ heißt (und nicht vielleicht doch „Ja“) wenn kein Mensch dieses „Nein“ ernst nimmt? Gerade für Mädchen finde ich es ungemein wichtig, dass ihr „Nein“ im (körperlichen) Kontakt mit den Eltern respektiert wird. Wie sollen sie sonst später „Nein“ sagen können, wenn sie etwas nicht eigentlich nicht möchten. Ihr „Nein“ wurde ja nie ernst genommen…!

Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Gut gemeint ist nicht immer auch gut gemacht. Das Kind beim Zähneputzen feste zu halten, gegen seinen Willen in seinem Mund herumzustochern und den Kopf zu fixieren ist leider nichts anderes als körperliche und psychische Gewalt. Egal, ob es gut gemeint ist oder nicht. Es gibt sicherlich tausend Wege, seinem Kind die Zähne zu putzen.4 Diese hier genutzte Strategie ist ganz sicherlich kein Königsweg. Flexibilität, Kreativität und Humor sind hier gefragt. Wir können das Putzen immer wieder anbieten, verschiedene Bürsten benutzen, an verschiedenen Orten putzen. Die Möglichkeiten sind unendlich – wenn wir uns drauf einlassen und uns endlich bewusst wird, dass Festhalten, Fixieren, im Mund stochern Gewalt ist – egal ob wir es aus vermeintlich gutem Grund tun oder nicht!

Bitte um Entfernung des Videos und Stellungnahme

Hiermit fordere ich die Landeszahnärztekammer Thüringen auf, das Video umgehend aus dem Netz zu entfernen und bitte um eine Stellungnahme zu der dort propagierten Methode. Viele Eltern sind im Umgang mit ihren Kindern verunsichert. Es ist absolut nicht hilfreich, wenn öffentliche Institutionen solche Methoden als „einen guten Weg“ verbreiten. Unsere Gesellschaft sollte sich weiterentwickeln und nicht in althergebrachten Erziehungsmethoden fest stecken bleiben.

Es ist unsere Pflicht, unsere Kinder auf ihrem Weg in das Erwachsenenleben zu begleiten und ihnen beizustehen. Sie brauchen unseren Schutz, unsere Liebe und unsere Wertschätzung. Sie brauchen sicher keine angstmachenden Methoden, die sie in ihrer Integrität und körperlichen Unversehrtheit massiv verletzen. Jedes Kind hat es verdient als das gesehen zu werden, was es ist: Ein Mensch!

In diesem Sinne hoffe ich, dass wir uns gesellschaftlich schnell weiterentwickeln und endlich begreifen, dass Frieden in jeder einzelnen Familie beginnt! Wenn hier schon Angst, Gewalt und Machtmissbrauch an der Tagesordnung sind, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, dass der Weltfrieden in weiter Ferne bleiben wird!

Eure Kira

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Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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