Wie kann ich liebevoll nein sagen ?

Wie kann ich liebevoll nein sagen, ohne die Integrität meines Kindes zu verletzen? – Der neue Artikel aus der Rubrik „Kurz gefragt“. Ich danke euch für die zahlreichen Zusendungen eurer Themenwünsche und bitte euch daher um etwas Geduld, ich bemühe mich so viele Fragen wie möglich zu beantworten! Hast du auch eine Frage, die ich in der Rubrik „Kurz gefragt“ in einem ausführlichen Artikel beantworten soll? Dann reiche hier deinen Wunsch ein!

Ich habe eine drei Jährige Tochter, die recht häufig Dinge möchte, die ich gerade nicht will. Wie kann ich ihr liebevoll nein sagen, ohne ihre Integrität zu verletzen und ohne mich selbst zu verlassen und gleichzeitig meine Bedürfnisse zu achten?

Liebevoll Nein sagen, Vertrauen, Verständnis

Liebevoll Nein sagen bedeutet, mein Kind durch seinen Frust und Schmerz zu begleiten

Nicht selten stecken wir in diesem Dilemma: Unser Kind möchte etwas (oder auch nicht) und wir wollen das Gegenteil davon. Liebevoll nein sagen bedeutet, dass wir zunächst einmal unsere eigenen Bedürfnisse erspüren müssen. Wenn wir dazu keinen Zugang haben, wird es schwierig, unser „Nein“ authentisch rüber zu bringen. Ich habe dazu bereits vor einigen Tagen einen Artikel verfasst: Drei Tipps die eigenen Bedürfnisse zu erspüren1. Dies ist aus meiner Sicht die Grundlage dafür, dass wir unseren Kindern authentisch begegnen können. Nur wenn wir in einem Konflikt wissen, was wir wollen, können wir dazu auch stehen und den Weg gehen.

Liebevoll nein sagen? Geht das überhaupt?

Ich behaupte, ja! Es bedeutet aber auch, dass wir uns bereits vorher Gedanken dazu machen, ob wir „Nein“ sagen wollen und ob wir tatsächlich bereit sind, mit der Reaktion unseres Kindes zu leben. Wenn ich erst „Nein“ sage und dann doch „Ja“ sobald das Kind auf dem Boden liegt, mache ich mich unglaubwürdig. Was natürlich wiederum nicht heißt, dass wir unsere Entscheidung auch mal überdenken können und dann doch zu einem „Ja“ finden dürfen. Allerdings sollte es nicht die Regel sein.

Die zwei-Jährige Lena will morgens um viertel nach 7 Nudeln essen. Die Mutter ist noch müde und hat keine Lust dazu. Sie sagt zu Lena: „Ich koche dir gerne heute Mittag Nudeln, aber jetzt gerade habe ich Hunger auf Frühstück und ich bin zu müde zum Kochen.“

Die Mutter hat in dieser Situation für sich entschieden, dass sie um diese Uhrzeit an diesem Morgen keine Lust hat, Nudeln zu kochen. Wenn Lena nun weint und sich auf dem Boden schmeißt, dann ist das so. Sie ist nun gefragt, ihr Kind dahingehend zu begleiten und Verständnis für seinen Frust aufzubringen. Es ist das eine, und völlig legitim, für sich selbst diese Entscheidung zu treffen. Allerdings können wir in solchen Situationen immer auch damit rechnen, dass unser Kind uns nicht fröhlich zustimmen wird, sondern dass es das blöd findet und dazu hat es ebenso ein Recht, wie wir zum „Nein“ sagen!

Wie kann ich mein Kind in einem solchen Moment begleiten?

Indem wir ihm signalisieren, dass wir da sind und seinen Frust verstehen. Wir brauchen uns nicht ausgiebig zu erklären, das überfordert ein so kleines Kind eher. Aber wir können natürlich seine Wut und seinen Ärger spiegeln, in dem wir beispielsweise sagen: „Du bist so wütend, nicht wahr? Du willst so gerne Nudeln essen! Ich kann dich so gut verstehen. Es ist wirklich ärgerlich, wenn Mama für dich entscheidet? Du willst das selbst entscheiden, oder?“ Auf diese Art und Weise zeigen wir dem Kind Verständnis für seine aktuelle Situation und Gefühlslage. Es lernt, dass es in Ordnung ist, wenn es frustriert ist. Es wird trotzdem geliebt und bekommt nicht das Gefühl, falsch zu sein.

Durch das Spiegeln finden sehr viele Kinder relativ schnell wieder aus ihrer Wut heraus. Sie fühlen sich angenommen und gewertschätzt. Auch wenn sie in dieser Situation nicht bekommen, was sie so sehr wollten, spüren sie, dass sie so sein dürfen und das Mama oder Papa Verständnis dafür haben. Es macht natürlich einen riesigen Unterschied, ob wir sagen: „Ich verstehe dich“ oder ob wir sagen: „Hör sofort auf mit dem Theater, es gibt jetzt keine Nudeln. Was dir immer einfällt!“

Tatsächlich geht es um unserer innere Haltung zu unserem Kind. Wir können den Konflikt auf die eine oder andere Art und Weise lösen – für unser Kind macht es allerdings einen riesigen Unterschied! Auch wenn in beiden Situationen das Ende gleich bleibt – keine Nudeln – so ist es doch ein gravierender Unterschied, in welcher Weise wir unserem Kind begegnen. Wenn wir liebevoll nein sagen stärkt das unsere Beziehung zum Kind – die andere Variante schwächt sie! Unsere Kinder lernen am Vorbild, also auch, wie ihre Eltern zu ihren eigenen Bedürfnissen stehen. Es ist von daher wirklich wichtig, dass wir für uns selbst einstehen, denn wenn wir es nicht tun und vorleben, werden unsere Kinder es später auch nicht können. Bedürfnisorientierung bedeutet nicht, sich selbst völlig aufzugeben. Aber es bedeutet schon, dass wir unsere Kinder mit ihren Bedürfnissen und Wünschen ernst nehmen und respektieren. Beziehung ist ein permanentes Aushandeln und miteinander Schwingen. Nur wenn wir miteinander in Kontakt sind, können wir wirkliche Beziehung leben.

In diesem Sinne viel Spaß bei der Kommunikation mit euren Kindern 🙂

Eure Kira

P.S.: Fällt es dir manchmal schwer, zu erkennen, was dein Kind gerade braucht? Warum es jetzt schon wieder schreiend am Boden liegt? Hast du manchmal das Gefühl, du findest nicht die richtigen Worte? Dann kontaktiere mich und wir vereinbaren ein kostenloses Erstgespräch!2.

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Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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