Was müssen Kinder müssen?

Als Resonanz auf meine Artikel lese ich häufig, dass ein Kind gewisse Dinge eben einfach lernen muss, denn sonst wird es später nicht in unserer Gesellschaft zurechtkommen. Diese Argumente beginnen beim Jacke anziehen – schließlich wissen wir Eltern besser, dass es draußen nass, kalt oder was auch immer sonst ist. Die Kinder müssen Regeln lernen. Zunächst einmal innerhalb der Familie und später dann auch außerhalb. Es ist wichtig, dass sie Grenzen erfahren, schließlich ist das Leben kein Ponyhof und spätestens in der Schule müssen sie sich eben anpassen und einfügen können.

Was Kinder müssen…

Kinder müssen viele Regeln beachten

Kinder müssen sich im Alltag an sehr viele Regeln halten – es bleibt wenig Raum für eigene Entfaltung1

Kinder müssen sich anziehen lassen, besonders bei terminlichem Druck und das regelmäßige Zähneputzen ist eben elterliche Verantwortung.

Kinder müssen lernen „bitte“ und „danke“ zu sagen, sie müssen lernen pünktlich zu sein und vor allen Dingen müssen Sie höflich sein. Sie müssen lernen, was Ordnung ist und sich an Vereinbarungen zu halten. Sie müssen ihre Hausaufgaben gewissenhaft erledigen und fleißig sein. Sie müssen lieb und freundlich sein, dürfen nicht laut sein oder im Regen hüpfen, weil der nächste Termin schon wieder drückt.

Sie müssen aufessen, sitzen bleiben, an der Hand gehen und auf uns Erwachsenen hören. Sie müssen freundlich zu anderen Kindern sein, am besten immer gut drauf und ausgeglichen sein.

Die Schwierigkeit an dem „du musst“…

Wenn ich sage: „Ich muss arbeiten gehen, damit ich Geld verdiene“ oder „Ich muss den Einkauf noch erledigen, damit mein Mann sich heute Abend freut“ tun wir diese Dinge aus einem Pflichtgefühl heraus. Die Freiwilligkeit und die Freude fehlen dabei irgendwie. Wenn ich stattdessen sage: „Ich will arbeiten gehen, um Geld zu verdienen“ oder „Ich will den Einkauf noch erledigen, damit ich meinem Mann eine Freude machen kann“ übernehme ich vielmehr die Verantwortung für diese Dinge. Es ist ein riesiger Unterschied, ob ich etwas aus dem Zwang des müssens heraus tue oder weil ich es wirklich tun will!

Wenn wir unseren Kindern permanent vorleben, dass sie etwas tun müssen, um etwas erreichen zu können, dann verlieren sie den Zugang zu ihren eigenen Wünschen, Zielen und Fähigkeiten. Wir geben permanent von außen vor, was aus unserer Sicht wesentlich für dieses Kind ist. Wir vergessen dabei jedoch völlig, unser Kind zu fragen, ob es das überhaupt tun will!

Was brauchen Kinder wirklich?

Während ich gerade niedergeschrieben habe, was Kinder alles im Alltag tun müssen, bin ich erschrocken über die hohen Anforderungen, die da an unsere Kinder gestellt werden. Ich frage mich, wo da noch die Zeit für Kindheit bleibt? Zeit, in der sie einfach sie selbst sein können. Zeit, in der sie sich frei bewegen dürfen ohne von außen in eine von uns vorgegebene Richtung bewegt zu werden. Unsere Erwartungen sind so immens hoch, der Leistungsdruck steigt immer mehr an. Wir stehen unter einem gesellschaftlichen Druck, der es uns schwer macht, unser Kind noch im Blick zu behalten.

Wann ist Zeit dazu, einfach mal inne zu halten, den gesellschaftlichen Druck und unsere Sorgen loszulassen? Wo bleibt das Vertrauen in unsere Kinder? Sie werden als vollwertige kleine Menschen geboren – was sie wirklich brauchen ist Zeit.

        Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Diese alte Weisheit hat es mir sehr angetan. Ich denke, dass wir Eltern manchmal vergessen, was wirklich wesentlich ist:

  • Zeit miteinander zu verbringen
  • Beziehungen
  • Gemeinsam Lachen
  • Gemeinsame Unternehmungen
  • Einander zuhören
  • Achtsamkeit

Wenn ich lese, was Kinder alles müssen, dann denke ich, dass andere, viel wesentlichere Attribute, auf der Strecke bleiben.

Rückbesinnung und Entschleunigung

Kinder müssen gar nichts

Kinder brauchen Zeit und Beziehungen, um gesund wachsen zu können2

Auf welche Attribute kommt es vielleicht mehr an? Meiner Auffassung nach zum einen auf eine Rückbesinnung auf die wesentlichen Dinge im Leben. Und auf Entschleunigung. Wir sollten unseren Kindern zugestehen, dass sie in ihrem ganz eigenen Tempo wachsen und gedeihen. Sie brauchen Erwachsene, die sie begleiten und ihnen den Umgang mit Mitmenschen vorleben. Im Miteinander erlernen Sie ganz natürlich, die Grenzen anderer zu wahren und zu respektieren.

Wir brauchen sie nicht dazu anhalten – es geschieht ganz von selbst!
Wir haben so viele Ängste und Sorgen, dass unsere Kinder im System untergehen könnten und wir manipulieren ständig an ihnen herum, damit sie gesellschaftsfähig werden. Kurzfristig wird das vielleicht auch funktionieren, aber die Bindung und Beziehung bleibt dabei zwangsläufig auf der Strecke.

Warum beginnen wir nicht, unseren Kindern zuzuhören? Und ich meine wirklich zuhören! Achtsam und ohne bereits ein Ziel im Kopf zu haben. Ohne Veränderungswunsch!

Unser Kind annehmen wie es ist – das ist sicherlich nicht immer einfach!

Aber darin – und zwar nur darin! – sehe ich die elterliche Verantwortung. Und der Rest kommt von ganz alleine!

Ich würde mich freuen, wenn dieser Artikel zum Umdenken anregt und falls du dazu Unterstützung benötigst, kontaktiere mich und wir vereinbaren ein kostenloses Erstgespräch!3.

In diesem Sinne wünsche ich euch und euren Familien ein schönes Wochenende!

Eure Kira!

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Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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