Fünf Gründe warum Kinder hauen

Wenn Kinder hauen hat das immer einen guten Grund! Mein neuer Artikel widmet sich der Frage, warum Kinder in einem bestimmten Alter (ab etwa 18 Monate bis etwa 3 Jahre) Konflikte oftmals durch Körperlichkeiten lösen. Immer wieder erreichen mich diesbezüglich (verzweifelte) Anfragen, warum Kinder hauen, schubsen und beißen. Nicht selten stehen wir als Eltern relativ hilflos daneben, wissen nicht, was wir tun sollen und fühlen uns peinlich berührt.

Wenn Kinder Hauen, Schubsen, Beißen

Wenn Kinder hauen, dann hat das immer einen guten Grund. Wir sollten immer auf das Bedürfnis hinter dem kindlichen Verhalten schauen!1

Ich habe bereits in meinem Artikel „Hinter jedem kindlichen Verhalten steckt ein Bedürfnis2 ausgeführt, dass wir dazu neigen, das kindliche Verhalten in Kategorien einzuordnen. Braves Verhalten ist demnach „gut“ und schlechtes Verhalten „falsch“. Dieses kategorische Denken hält uns jedoch sehr eng in unseren gewohnten Denkmustern und gewährt kaum Flexibilität.

Wenn unsere Kinder hauen, dann sollten wir genau hinschauen und uns fragen, warum unser Kind dies tut. Im folgenden nenne ich euch fünf Gründe, die aus meiner Sicht maßgeblich für das kindliche hauen, schubsen und beißen sind.

Dem Kind fehlen die sprachlichen Möglichkeiten

Bei vielen Kleinkindern kann man beobachten, dass das Hauen eine Form der Kontaktaufnahme ist. Dem Kind fehlen noch die sprachlichen Möglichkeiten und es bedeutet „Hallo“ oder „Ich möchte gerne mit dir spielen“. Die Kinder sind in dieser Situation häufig überfordert, sie möchten eigentlich das andere Kind kennen lernen, schaffen es aber noch nicht, dies auszudrücken. Für Außenstehende wirkt dieses Verhalten dann oft aggressiv.

Wenn dein Kind zur Kontaktaufnahme häufiger hauend auf andere Kinder zugeht, dann kannst du ihm helfen, indem du es begleitest anstatt es zu bestrafen. Dazu kannst du beispielsweise seine Absicht verbalisieren: „Oh, du möchtest dem Mädchen Hallo sagen. Schau mal, du kannst zum Hallo sagen auch winken.“ Das erfordert natürlich, dass du vorausschauend bist und solche Situationen im besten Falle vorher erkennst. In diesen Phasen kann es hilfreich sein, dass du immer nah dran bist, um gegebenenfalls rechtzeitig und sanft einzugreifen.

Dem Kind fehlt die emotionale Reife seinen Frust auszudrücken

Der zweite, häufige Grund dafür, dass Kinder hauen liegt darin begründet, dass sie ihren Frust noch nicht anders ausdrücken können. Auch hier fehlen noch die kommunikativen Fähigkeiten um „Halt“ „Das ist mir zu eng“ „Ich war zuerst hier“ oder „Ich möchte das alleine machen“ zu sagen. Die Stresstoleranz ist noch nicht genügend ausgreift, so dass die Emotionen schnell Überhand nehmen. Was passiert? Das Kind schubst oder haut das andere Kind weg. Hinter dem kindlichen Verhalten liegt ein Bedürfnis – nach mehr Raum, Individualität, Selbstwirksamkeit. Unser schubsendes, hauendes Kind setzt sich für seine Interessen ein und achtet auf seine eigenen Bedürfnisse. Natürlich darf dabei kein anderes Kind zu Schaden kommen, das ist selbstverständlich. Das bedeutet, unsere elterliche Aufgabe liegt darin, beide Kinder zu schützen und vorausschauend zu handeln!

Kinder lernen den Umgang mit Konflikten am Vorbild. Das bedeutet, dass sie wir sie durch unsere Begleitung, das Vorleben, wie Konflikte gelöst werden können und unser Verständnis darin bestmöglich unterstützen. 

Wenn Kinder hauen haben sie immer einen guten Grund – Die Autonomiephase!

Kinder im Alter von anderthalb bis drei Jahren befinden sich mitten in der Autonomiephase. Sie möchten zunehmend selbst entscheiden und Dinge alleine machen. Manche Kinder beginnen dann, wie wild um sich zu schlagen, nach ihren Eltern zu treten, zu beißen und sich gegen jede Berührung zu wehren. Um dem kindlichen Verhalten entspannt zu begegnen geht es in erster Linie um eine Haltungsänderung unserem Kind gegenüber. Ja, diese Phase ist anstrengend und sie fordert uns Eltern viel ab! Aber wir sollten dennoch einige wesentliche Punkte berücksichtigen. Darum zu wissen, kann uns den Alltag und den Umgang mit unserem Kind sehr erleichtern:

  • Kinder sind nicht „bockig“, „zickig“ oder „trotzig“ um uns zu ärgern, sondern weil es zunehmend selbst tun wollen!
  • Kinder hauen, weil sie noch keine andere Möglichkeit haben, ihrem Frust Ausdruck zu verleihen.
  • Dein Kind ist in diesem Moment in Not, es braucht deine Begleitung und dein Verständnis.
  • Schütze dich selbst und kleinere Geschwister, indem du das Verhalten umlenkst (hauen auf ein Kissen, die Couch oder mit einem Stock auf die Wiese schlagen).
  • Verbalisiere und spigel die Wut deines Kindes („Du bist so ärgerlich, weil du das unbedingt alleine machen möchtest und es nicht so klappt, wie du es willst!“)
  • Setze eine klare Grenze („Ich will nicht, dass du mich haust. Das tut mir weh. Aber mich interessiert, was du gerade brauchst. Möchtest du in den Arm genommen werden?“)

Das Kind schützt seine Integrität

Der Mensch ist von Natur aus ein sehr soziales Wesen. Kinder wollen zum Familienverbund dazugehören, das bedeutet sie sind im hohen Maße zur Kooperation bereit. Sie wollen gemeinsam mit ihren Eltern etwas bewirken, mit ihnen in Beziehung sein und natürlich hat jedes Kind den Wunsch nach einem harmonischen Familienleben. Wenn Kinder „auffällig“ werden, dann ist dies immer wieder eine Einladung auf die Bedürfnisse hinter dem kindlichen Verhalten zu schauen. Kinder, die entweder überfordert sind oder deren Integrität häufig verletzt worden ist („Das kannst du noch nicht“; „Kannst du nicht endlich mal auf mich hören“; „Jetzt sei nicht schon wieder so zickig“) sind nicht mehr in der Lage zu kooperieren. Sie zeigen deutlich, dass ihre Bedürfnisse nach Wertschätzung, Liebe und Geborgenheit nicht genährt sind.

Für uns Eltern bedeutet das, ein (für uns) „auffälliges“ Verhalten immer wieder zu hinterfragen und unser eigenes Handeln im Umgang mit dem Kind zu reflektieren. Wir tragen die Verantwortung für die Beziehung zu unserem Kind. Wenn wir es in seinem Sein nicht wertschätzen können, dann stören wir die Beziehung zu ihm.

Kinder lernen am Vorbild

Wenn Kinder hauen, schubsen, beißen und es über das „normale Maß“ der Autonomiephase hinaus geht kann auch ein Blick in das Familiensystem hilfreich sein. Kinder erlernen ihr soziales Verhalten in erster Linie durch das Nachahmen ihrer Eltern. Wenn die Eltern aufgrund eigener Erfahrungen nicht in der Lage sind Konflikte zu lösen, kann das Kind keinen konstruktiven Umgang am Vorbild erlernen. Eigene Gewalterfahrungen oder Gewalt an der Mutter oder den Geschwisterkindern kann sich auf die Entwicklung des Kindes sehr negativ auswirken.

Sollte dies die Ursache für das kindliche Hauen sein, dann benötigt die Familie dringend (familientherapeutische) Unterstützung und Hilfe!

Fazit

Wenn Kinder hauen, schubsen, beißen

Konflikte zwischen Kindern sind normal und gehören zur Entwicklung dazu! Wir können begleiten, verbalisieren und spiegeln – dadurch helfen wir ihnen, die Gefühle zuzuordnen und zu regulieren!3

Wir können unseren Kindern helfen, die eigenen Gefühle zu regulieren, indem wir sie liebevoll und wertschätzend begleiten. Bestrafungen, Konsequenzen und Auszeiten sind absolut nicht hilfreich und zeigen dem Kind nur, dass es in seinem Sein falsch und nicht gewollt ist. Es gibt Phasen, die sind stressig mit kleinen Kindern. Wenn wir als Eltern spüren, dass wir überfordert sind, sollten wir uns Hilfe suchen. Unsere Kinder hauen nicht, weil sie böse sind oder uns ärgern wollen. Sie zeigen damit, dass sie noch nicht in der Lage sind, die Emotionen anders auszudrücken. Sie benötigen unsere Begleitung, damit sie den konstruktiven Umgang mit Konflikten erlernen können. Indem wir ihre Gefühle spiegeln und verbalisieren helfen wir ihnen, diese zuzuordnen.

Unsere Kinder wollen immer in Verbindung mit uns sein – sie brauchen uns zum Überleben. Und wir Eltern tragen dafür die Verantwortung!

Eure Kira

P.S.: Fühlst du dich überfordert, weil dein Kind mitten in der Autonomiephase steckt? Weißt du nicht, wie du mit den kindlichen Verhaltensweisen umgehen sollst? Wünschst du dir einen wertschätzenden Umgang mit deinem Kind, weißt aber nicht, wie ihr in Verbindung kommen könnt? Dann kontaktiere mich und wir vereinbaren ein kostenloses Erstgespräch!4.

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Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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