Vertrauen ins Kind

Selbstvertrauen, Vertrauen ins Kind, Beziehung

Nur wenn wir Vertrauen ins Kind haben, kann es sich frei entfalten und Selbstvertrauen gewinnen1

Ein tiefes Vertrauen ins Kind und in uns selbst zu haben ist vielen von uns fremd. Wenn ich meinen Klienten sage „Hab Vertrauen in dein Kind, es wird sich nach seinem inneren Plan entwickeln“, dann wissen sie oft nicht wovon ich da eigentlich spreche. Nicht selten sagen sie dann so etwas wie: „Vertrauen ist ja gut und schön, aber er/sie muss doch jetzt mal lernen, dass das so nicht geht.“ Es scheint mir manchmal fast so, als würde mein Gesprächspartner in dem Moment nicht wissen, was ich meine, wenn ich von Vertrauen ins Kind spreche.

Was ist eigentlich Vertrauen?

Vertrauen, so wie ich es verstehe, ist eine tiefe subjektive Überzeugung in die Wahrheit und Richtigkeit von Menschen, in ihre Handlungen, Aussagen und Einsichten oder in mich selbst (Selbstvertrauen). Dazu gehört natürlich auch die Überzeugung darüber, dass ein anderer die Möglichkeit bzw. die Fähigkeit zu einer Handlung hat.

Vertrauen ins Kind?

Wenn wir nicht im Vertrauen sind, dann machen wir uns meistens Sorgen. In Bezug auf das Kind bedeutet das häufig, dass wir in irgend einer Weise glauben, unser Kind würde sich nicht „regelrecht“ – das heißt unseren Erwartungen entsprechend – entwickeln. Wir sind angstgeprägt und denken, dass wir die kindliche Entwicklung von außen beeinflussen könnten. (Lies dazu auch „Von der Erziehung zur Beziehung„)2 Doch was entsteht, wenn Vertrauen fehlt? In erster Linie Kampf. Wir sind so sehr davon überzeugt, dass wir besser wissen, was gut für unser Kind ist, dass wir völlig vergessen zu fragen, was unser Kind eigentlich möchte.

Wir wollen alle nur das Beste für unser Kind, aber auf der Basis von Angst, Sorge und Erwartungen kann niemals eine wirkliche Beziehung entstehen. Vielmehr erfahren unsere Kinder ein massives Ungleichgewicht – Die Eltern als die starken, das Kind als der schwache Gegenpart.

Wir sollten uns bewusst machen, dass Druck immer Gegendruck hervorruft. Wenn wir Erwachsenen kämpfen, dann kämpfen unsere Kinder mit uns mit. Sind wir unentspannt, sind es unsere Kinder in der Regel ebenfalls. (Lies dazu auch: „Warum wir nicht autoritär zu sein brauchen„)3  Sie wollen kooperieren, aber sie können es nicht, weil wir ihnen nicht die Möglichkeit dazu lassen. Wir sollten uns bewusst machen, dass Vertrauen ins Kind zu haben in erster Linie eines bedeutet: Loslassen!

Loslassen? Wie sollen wir unsere Kinder denn loslassen? Es geht da nicht so sehr um das Loslassen unserer Kinder an sich, sondern vielmehr unsere eigenen, tiefen Überzeugungen und auch Ängste loszulassen. Wenn wir unserer Angst und Sorge um unser Kind zu viel Raum geben, dann blockieren sowohl wir, als auch unser Kind. Wir nehmen unserem Kind damit die Möglichkeit, in seinen eigenen Fluss zu finden, seine eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten herauszufinden. Wenn wir schlotternd vor Angst neben unserem Baum erklimmenden Kind stehen, dann provozieren wir den Sturz selbst mit – denn unsere Angst und Unsicherheit überträgt sich auf unser Kind. Ebenso verhält es sich, wenn unsere Kinder beginnen Laufen zu lernen. Wie schnell rufen wir „Vorsicht, lauf langsam, sonst fällst du!“ und wie oft passiert eben genau das in dieser Situation? Alles, wohin wir unsere Aufmerksamkeit hinlenken, bekommt sehr viel Energie. Wenn wir ins Vertrauen gehen, dann können unsere Kinder sich sehr viel freier und selbständiger entwickeln.

Erst wenn wir aufhören mit unseren Kindern in einen Kampf zu gehen, unsere Befindlichkeiten zurückstellen und unsere Launen nicht an unseren Kindern auslassen kann eine wirklich tiefe und tragfähige Beziehung entstehen.

Was bringen Kinder von Natur aus mit?

Vertrauen, Bindung, Beziehung

Vertrauen ins Kind – Kinder bringen von Natur aus eine Vielzahl an Fähigkeiten und Interessen mit

Kinder sind von Geburt an unfassbar wissbegierig. Sie wollen die Welt entdecken, erleben und bestaunen. Sie wollen in Kontakt sein, mit ihren Eltern und anderen nahen Bezugspersonen. Sie möchten sich selbst – im Kontext zur Mutter und dem Vater – begreifen. Sie wollen auf Bäume klettern, mit Tieren spielen und Farben, Zahlen und Buchstaben kennen lernen. Sie wollen durch Bäche waten, an Blumen riechen und im Sandkasten spielen. Sie wollen sich streiten und vertragen, kuscheln und Distanz erfahren. Sie verfügen über unterschiedlichste Fertigkeiten und Fähigkeiten – kein Kind ist wie das andere. Allerdings sind sie vor allen Dingen eines: Menschen! Vollwertige kleine Menschen, die unsere Begleitung brauchen. Und unser Vertrauen! Bestärkungen und Ermutigungen lassen sie über sich hinaus wachsen. Permanente Angst, Sorgen und übertriebene Erwartungen hingegen schwächen das kindliche Selbstvertrauen!

Was bedeutet das für uns als Eltern?

Wir sollten uns lösen von den Gedanken, dass unsere Kinder irgendetwas „nun endlich mal lernen müssen“. (Lies dazu auch: „Was müssen Kinder müssen?„) 4  Wir tun ihnen mit dieser Haltung keinen Gefallen, sondern schwächen sowohl die Beziehung zu unserem Kind als auch sein Vertrauen in sich selbst. Wir sind die Erwachsenen und es liegt in unserer Verantwortung, unser Handeln bewusst zu reflektieren. Wie können davon ausgehen, dass unsere Kinder alles mitbringen, was sie zum Leben in unserer Gesellschaft benötigen. Sie müssen nicht noch wer werden, sie sind bereits wer!

Unsere Kinder haben es verdient, dass wir ihnen vertrauen und sie in ihrem Sein und Tun bestärken. Vertrauen ins Kind zu haben bedeutet, dass wir uns auf unsere Kinder einlassen, uns von unseren Ängsten lösen und sie in ihrem Tun bestärken und ihnen Dinge zutrauen. Auch wenn wir Angst haben, wenn unser Kind das erste Mal alleine zum 500 Meter entfernten Einkaufsladen geht, tun wir gut daran, es unserem Kind nicht zu zeigen. Wir stärken sein Selbstvertrauen, wenn wir ihm zeigen, dass wir ihm das zutrauen.

Ebenso verhält es sich zum Beispiel beim Thema Trockenwerden. Wenn das Kind nicht spätestens mit drei trocken ist, werden wir unruhig und sind besorgt, dass es das niemals schaffen wird. Wir vergessen dabei jedoch, dass es sich beim Trockenwerden um einen Reifungsprozess handelt, der absolut individuell verläuft. Wir tun nicht gut daran, unser Kind mit anderen zu vergleichen.

Vertrauen ins Kind – das ist unsere tägliche elterliche Aufgabe. Immer wieder können wir uns darauf besinnen, uns zurücknehmen, unsere Erwartungen überdenken und hinterfragen. Es bedeutet tägliche Arbeit an uns selbst – für eine wirklich tiefe Beziehung zu unserem Kind!

In diesem Sinne alles Liebe

Eure Kira

P.S.: Fällt es dir manchmal schwer, Vertrauen ins Kind zu haben? Fehlt dir der Zugang zu deinem Kind? Plagen dich Ängste und Sorgen, ob es sich auch gut entwickelt? Dann kontaktiere mich und wir vereinbaren ein kostenloses Erstgespräch!5.

Oder fühlst du dich häufiger überfordert und gestresst im Umgang mit deinem Kind? Dann lade dir den kostenlosen Ratgeber „Fünf einfache Schritte für weniger Stress und Überforderung mit deinem Kind6 runter.

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Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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1 Kommetar Ein "Vertrauen ins Kind"

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Vera
Gast

Danke für diesen Artikel!
Ich denke, es gibt nichts Besseres, was wir unseren Kindern schenken können als Zutrauen – und zwar noch bevor sie etwas geschafft, geleistet oder uns bewiesen haben!
Alles Liebe, Vera

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