Hilfe, ich fühle mich unter Druck gesetzt

Hilfe, ich fühle mich in der Kindererziehung ständig unter Druck – Der neue Artikel aus der Rubrik „Kurz gefragt“. Ich danke euch für die zahlreichen Zusendungen eurer Themenwünsche und bitte euch daher um etwas Geduld, ich bemühe mich so viele Fragen wie möglich zu beantworten! Hast du auch eine Frage, die ich in der Rubrik „Kurz gefragt“ in einem ausführlichen Artikel beantworten soll? Dann reiche hier deinen Wunsch ein!

Liebe Kira, ich habe heute wieder eine Frage an dich. Ich bedanke mich schon mal für dieses hilfreiche Angebot „kurz gefragt“ 😀: Ich war letztens mit meinen drei Kindern (4, 4, 6) bei meinem Vater zu Besuch. Wir besuchen ihn nur selten, weil er weiter weg wohnt. Seine Wohnung ist nicht „kindergerecht“ eingerichtet, denn die Kinder dürfen nur wenig anfassen, weil es sonst kaputt gehen könnte. Der Satz des Wochenendes war “ Nicht anfassen, das ist kein Spielzeug!“ Leider konnte ich diesem Wunsch meines Vaters nicht genügend umsetzen, weil ich meine Kinder nicht ständig davon abhalten konnte und ich es auch nicht immer so notwendig fand und es mich sehr viel Kraft kostet gegen die Entdeckernatur der Kinder zu arbeiten. Mein Vater hat dann meine Art der „Erziehung“ und damit verbunden meine Fähigkeiten in Frage gestellt, was mich verletzt hat. Wie gehe ich damit um, dass andere Menschen eine andere Erwartung haben, wie ich meine Kinder erziehen müsste. Ich meine damit im Speziellen Menschen, mit denen ich eine engere Beziehung habe und denen ich es auch welchen Gründen auch immer Recht machen möchte. Das setzt mich total unter Druck und deshalb reagiere ich in diesen Situationen meist unenspannt und nicht mehr authentisch meinen Kindern gegenüber. Ein weiteres Beispiel dafür ist das Ankommen im Kindergarten, das bei meinen drei Kindern etwas turbulenter ist. Einige Erzieherinnen ermahnen meine Kinder dann vor meinen Augen und ich fühle ich dann so, als wenn ich nicht in der Lage bin diese Anforderung des Kindergartens mit meinen Kindern umzusetzen und dann setze ich mich und dann gleichzeitig meine Kinder unter Druck. Es tut mir Leid, dass meine Frage etwas länger ausgefallen ist. Ich hoffe, du kannst mein Anliegen verstehen. Ich danke dir herzlich für deine Gedanken.

Ich fühle mich unter Druck gesetzt
Unter Druck

Wir geraten schnell unter Druck, wenn die Erwartungen von Außen mit den Bedürfnissen unserer Kinder kollidieren

Dies ist eine interessante und spannende Frage. Ich denke, viele von uns kennen das Gefühl, wenn wir mit unseren Kindern irgendwo zu Besuch sind und regelrecht spüren, dass es dem Gastgeber nicht recht ist, wie die Kinder sich in der „neuen“ Umgebung bewegen. Es ist mir unangenehm, ich fühle mich in diesen Situationen auch sehr unter Druck und sage plötzlich oft  „nein“ und werde irgendwie unentspannt. Das überträgt sich natürlich automatisch auch auf das Kind. Ich spüre eine innere Zerrissenheit – auf der einen Seite möchte ich meinem Kind ermöglichen, sich frei zu bewegen und auf der anderen Seite respektiere ich natürlich auch, dass es für den Gastgeber Stress bedeutet. Gerade bei älteren Personen ist das sicherlich nicht selten so, dass sie einfach Angst um ihre Möbel und Dekoartikel haben.

Es ist ein Dilemma, denn natürlich hat die Person, bei der wir zu Besuch sind, das Recht darauf, dass ihre Sachen heil bleiben und das kann sie auch ruhig artikulieren. Hier prallen dann in dem Falle einfach zwei völlig unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander – einmal das Erkundungsbedürfnis des Kindes und dann das Bedürfnis nach Unversehrtheit der gastgebenden Person. Das ist tatsächlich ein Dilemma, allerdings sehe ich hier auch nur eine Möglichkeit, solche Situationen elegant zu umgehen – nämlich sie zu vermeiden!

Veränderung der Perspektive

Warum nicht den Opa in ein schönes Café einladen, in dem Kinder gerne gesehen sind oder ihn abholen und zu sich selbst einladen. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, gemeinsam in den Zoo zu gehen oder auf den Spielplatz? Gemeinsame Unternehmungen stärken nicht nur die Beziehung zwischen den Kindern und dem Großvater, sondern sie entspannen auch die Situation im Haus des Großvaters. Wir sollten uns das Leben so einfach wie möglich machen. Und natürlich handelt es sich dabei um eine Phase, die irgendwann auch wieder vorüber geht.

Wir sollten in jedem Fall damit aufhören, die Lösung darin zu finden, dass wir das Verhalten unserer Kinder verändern. Es ist ein natürliches, kindliches Bedürnis des Kindes, die (neue, fremde) Umgebung zu erkunden, zu erforschen, zu berühren. Was wir aber verändern können, ist unsere Sicht, die Perspektive, wie wir auf die Situation blicken. Wir sind die Erwachsenen und es ist unsere Aufgabe, die Situation so zu gestalten, dass sie für alle angenehm ist.

Gewaltfreie Kommunikation als Lösungsmöglichkeit

Ein anderer Fall sind die damit verbundenen Anschuldigungen durch den Vater. Hier könnte die gewaltfreie Kommunikation eine Möglichkeit sein, sich respektvoll aber klar abzugrenzen. Das könnte dann beispielsweise folgendermaßen aussehen:

„Wenn ich höre, dass du meine Fähigkeit die Kinder zu erziehen in Frage stellst (hier vorsichtig: Es sollte eine reine Beobachtung sein, keine Bewertung oder Interpretation!), bin ich (das Gefühl) traurig, verunsichert, hilflos, unter Druck…, weil mir (das Bedürfnis) Respekt, Harmonie, Wertschätzung/Würdigung… wichtig ist. Können wir bitte in Ruhe darüber reden, was dich an meiner Kindererziehung irritiert und warum das so ist (die Bitte)?“

Auf diese Art und Weise reagieren wir nicht direkt und starten einen Gegenangriff, sondern zeigen Interesse an den Gedanken des Gegenübers ohne uns aber in eine Ecke drängen zu lassen. Gleichzeitig sind wir in Verbindung mit unseren Gefühlen und Bedürfnissen und machen unserem Gegenüber klar, dass uns das Gesagte verunsichert und traurig macht.

Den Druck machen wir uns oft selbst

Letztendlich gilt für viele Konflikte, dass wir uns einen großen Teil des Drucks selbst machen. Wir geben unsere Eigenverantwortung ab und machen uns selbst zum Opfer. Wir verlassen unsere innere Mitte und uns selbst, denn wir verlieren den Kontakt zu unserer inneren Überzeugung.    Aber nicht nur das, wir verlieren dadurch auch den Kontakt zu unserem Kind, wir sind nicht mehr authentisch. Der innere Druck entsteht aus einer  Interpretation darüber, was wir meinen, dass ein anderer erwartet. Dies gilt auch für die Situation im Kindergarten. Wir glauben zu wissen, was ein anderer (die Erzieherin) von uns erwartet und das setzt uns unter Druck.

Es gibt hier zwei Möglichkeiten. Entweder übergebe ich die Verantwortung beim Eintreffen direkt an die Erzieherin ab oder aber ich übernehme sie selbst, bis die Kinder klar übergeben sind. In einem Gespräch mit der Bezugserzieherin der Kinder könnte dies klar besprochen werden, wie die Verantwortung verteilt ist und erst mit Abgabe dieser, obliegt es dann den Erzieherinnen auf die Kinder einzuwirken. Es geht hierbei klar festzulegen, wann wer welche Kompetenzen hat. Das kann den Druck, den wir uns in solchen Situationen selbst machen, schnell auflösen.

Ich hoffe, die Antwort war hilfreich für viele Mamas und Papas, die sich durch äußere Gegebenheiten schnell gestresst und unter Druck gesetzt fühlen.

In diesem Sinne herzliche Grüsse und ein sonniges Wochenende

eure Kira!

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Quellen

  1. Kostenloser Ratgeber: Fünf einfache Schritte für weniger Stress und Überforderung mit deinem Kind
Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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