Stillen – Hilfe, wird mein Baby satt?

Stillen, Anlegen, Nahrung, Baby, Säugling

Die Nachfrage regelt beim Stillen das Angebot. Zufüttern kann negative Auswirkungen auf die Milchproduktion haben!1

Immer wieder erreichen mich Anfragen rund um das Stillen. Eine ganz häufige Sorge vieler Mamas ist die, dass das Baby nicht satt wird. Schon im Krankenhaus wird vielen Mamas geraten, das Baby zuzufüttern – was viele nicht wissen: Dies ist nicht selten der Anfang vom Ende.

Warum Zufüttern kontraproduktiv ist

In den ersten drei bis fünf Tagen nach der Geburt produziert die mütterliche Brust das Kolostrum – die Neugeborenenmilch. Sie ist maßgeschneidert auf die Bedürfnisse des Babys. Aufgrund ihrer Zusammensetzung gilt sie als die „erste Impfung“ für Neugeborene. Sie enthält mindestens 700 verschiedene Bakterien, wodurch  der Aufbau des Immunsystems unterstützt wird. Gerade in den ersten Tagen ist der Magen des Neugeborenen noch sehr klein. Es braucht immer wieder kleine Mahlzeiten. Das Kolostrum ist leicht verdaulich, stabilisiert den Blutzuckerspiegel und fördert die Ausscheidung des Mekoniums.

Neben den positiven Aspekten des Kolostrums kommt hinzu, dass das Stillen zunächst von Mutter und Baby gelernt werden muss. Zwar bringen wir alle Voraussetzungen zum Stillen mit, aber es erfordert dennoch etwas Übung. Die Muttermilch wird nach Bedarf produziert. Das bedeutet, dass das Angebot durch die Nachfrage des Babys geregelt wird!

Wird nun bereits im Krankenhaus dieses sensible System durch Zufütterung gestört, kann es passieren, dass tatsächlich nicht genügend Milch produziert wird. Ein Teufelskreislauf entsteht, aus dem viele Mütter kaum mehr rauskommen. Es wird nach jeder Stillmahlzeit noch ein Fläschchen gegeben, das Baby schläft länger, es saugt weniger an der Brust – und dann wird die Milch immer weniger.

Stillen – wie kann ich die Milchproduktion in Gang bringen?

Zunächst gilt: Vertraut euch und eurem Baby. Lasst das Fläschchen weg! Wenn tatsächlich zugefüttert werden muss, dann nutzt bitte Alternativen (einen kleinen Becher, einen Fingerfeeder oder eine Spritze). Fragt explizit danach im Krankenhaus! Dadurch vermeidet ihr eine Saugverwirrung, die durch die (frühe) Fläschchengabe leider häufig entsteht. Bei reif geborenen und gesunden Säuglingen braucht es grundsätzlich keinerlei Zufütterung. Diese ist nur notwendig, wenn das Baby tatsächlich nicht zunimmt und/oder sogar abnimmt. Allerdings ist die Abnahme um bis zu 10% des Geburtsgewichts normal. Die meisten Babys haben innerhalb von sieben Tagen ihr Geburtsgewicht wieder erreicht. Spätestens nach 14 Tagen sollte dies unbedingt der Fall sein!

Die Milchproduktion kann angeregt werden durch:

  • Ständiger Hautkontakt nach der Geburt, mindestens eine Stunde oder bis nach dem ersten Stillen (U1 kann bei der Mutter am Körper durchgeführt werden)
  • Anlegen, anlegen, anlegen! Stillen nach Bedarf unterstützt die Milchproduktion, denn: Angebot wird durch Nachfrage geregelt!)
  • Nächtliches Stillen nach Bedarf
  • Hautkontakt im Wochenbett (am besten ganz entspannt im Bett nackt kuscheln!)
  • Ruhe und Entspannung für die Mutter
  • Wärme
  • Korrektes Anlegen (ggf. eine Stillberaterin kontaktieren)

Was tun bei Kaiserschnitt?

Manchmal ist ein Kaiserschnitt nötig und es kommt zu einer Trennung von Mutter und Kind. Auch hier gibt es Möglichkeiten, den Stillbeginn bestmöglich zu gestalten. In vielen Krankenhäusern sind die Routinen eher stillunfreundlich. Es gibt jedoch „babyfreundliche Krankenhäuser2, die es sich zur Aufgabe machen, die erste Zeit mit Säugling so bedürfnisorientiert wie möglich zu gestalten. Eine Standardanfoderung des BFHI ist es, dass es auch bei Kaiserschnitten zum andauernden Hautkontakt (mindestens eine Stunde oder bis nach dem ersten Stillen) noch im OP kommt. Dies ist möglich und jede werdende Mama sollte das wissen!

Der Hautkontakt nach dem Kaiserschnitt ist wichtig für das erste Bonding zwischen Mutter und Kind sowie für den bestmöglichen Stillbeginn. Beim Kind kommt es dadurch zur wichtigen Keimübertragung, außerdem stabilisieren sich so Kreislauf und Temperatur des Säuglings leichter. Handhabung auf der Wochenstation nach einem Kaiserschnitt:

  • 24-Stunden-Rooming-In (möglichst keine Trennung von Mutter und Kind!)
  • Bedding-In (gemeinsam schlafen!)
  • Viel Hautkontakt (Baby kann am Brustkorb der Mutter lecken ->Keimübertragung – Aufbau des gesunden Immunsystems!)
  • gute Stillunterstützung (Stillberaterin!)

Und wenn mein Baby älter ist…

ClusterFeeding, Stillen, Nahrung, Kuscheln, Weinen

Beim Clusterfeeding regt das Baby die Milchproduktion an, um seinen wachsenden Bedarf weiterhin zu decken3

Viele Mamas sind sehr verunsichert, wenn ihr Baby ständig an die Brust will. „Der kann doch nicht schon wieder Hunger haben…“ denken dann viele. Schnell kommen auch Ratschläge von Verwandten, dass man ja „nicht immer sofort die Brust geben kann, nur weil das Baby gerade mal kräht.“ Anstatt die ohnehin verunsicherte Mama beim Stillen zu bestärken wird noch zusätzlich Druck ausgeübt. Das Baby weint viel, es wirkt unzufrieden und dann wird nicht selten zur Flasche gegriffen.

Dabei ist das kindliche Verhalten vollkommen natürlich und wichtig. Das sogenannte Clusterfeeding kommt besonders während Wachstumsschüben vor. Durch das ständige Nuckeln wird die Milchproduktion angeregt und das Baby passt die Milchmenge an seinen steigenden Bedarf an. Meistens ist nach wenigen Tagen die Milchmenge an den Bedarf des Kindes angepasst und das Clusterfeeding lässt wieder nach.

Wenn du dich fragst, ob dein Baby satt wird, kannst du folgendes überprüfen:

  • Stillen nach Bedarf (mindestens 8 bis 12 Mal in 24 Stunden)
  • Sechs nasse Windeln in 24 Stunden
  • Dein Baby sollte pro Woche zwischen 170 bis 320 Gramm zunehmen (hierbei gilt es jedoch immer den Verlauf zu beobachten und nicht den Einzelwert!)

Weitere wichtige Infos rund um das Stillen

Beim Stillen gilt allgemein: Weniger ist mehr! Verzichtet auf alle möglichen Stillhilfsmittel, wie Stillhütchen, Stillkissen und anderes. Diese sind meistens wenig hilfreich und können gerade am Anfang des sensiblen Stillbeginn eher behindern.

Wichtig ist, dass ihr euch beim Stillen entspannt und es euch bequem macht. Kuschelt mit eurem Baby, genießt die gemeinsame Zeit und die Nähe. Die Zeit, in der euch euer Baby so sehr braucht ist nur sehr kurz.

Durch die Muttermilch bekommt dein Baby in den ersten sechs Lebensmonaten alles was es braucht. Es braucht auch im Sommer kein zusätzliches Wasser oder Tee! (Lies dazu auch: Mit Babys im Sommer – Darauf solltest du achten)4

Sei nicht besorgt, dass du dein Baby überfütterst oder verwöhnst durch das Stillen. Beides ist nicht der Fall!

Wenn der Stillstart schwierig verläuft, holt euch unbedingt Unterstützung! Viele Hebammen und auch die Schwestern im Krankenhaus sind im Bereich Stillen nicht geschult. Ausgebildete Stillberaterinnen können euch bestmöglich unterstützen und begleiten.

Das Stillen ist das Natürlichste der Welt. Wir sind Säugetiere und ohne das Stillen würde es die Menschheit nicht geben. Von daher: Stillt eure Babys und steht dazu! Es ist an der Zeit, dass das Stillen wieder in die Öffentlichkeit gerückt wird als das, was es ist: Das Füttern unserer Babys und Kleinkinder. Und darüber hinaus auch noch Nähe, Wärme und Geborgenheit.

In diesem Sinne

eure Kira

P.S.: Hast du Fragen rund um das Stillen? Dann kontaktiere mich und wir vereinbaren ein kostenloses Erstgespräch!5.

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Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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Natascha Makoschey
Gast
Liebe Kira, ich hätte nicht gedacht, dass ich auch als nun ausgebildete Stillbegleiterin im Krankenhaus so oft an meine Grenzen stoße und so oft zufüttern muss (natürlich Becherfeeding) oder Brusthütchen verwenden muss. Mehr und mehr bin ich der Ansicht, dass der Stillstart ganz so einfach, wie gelehrt wird, nicht ist. Und natürlich ist es auch die Krankenhausathmosphäre, die häufig nicht zu einem gelungenen Stillstart beiträgt. 3-Bett-Zimmer sind hier nicht hilfreich und die wenigen Familienzimmer definitiv nicht ausreichend. Ebenfalls hilft die hohe Kaiserschnittrate nicht und die immer höhere Anzahl von Frauen, die einen Gestationsdiabetes haben. Oft muss ich schon nach den… Weiterlesen...
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