Mein Baby schreien lassen? – Bitte nicht!!!

„Soll ich mein Baby schreien lassen ?“- Diese Frage stellen sich viele Eltern? Gestern erschien bei T-Online dieser Artikel:

Eltern sollen Babys nicht einfach schreien lassen…1

In diesem Artikel wird zunächst beschrieben, dass Babys immer einen Grund haben, wenn sie weinen und dies nicht tun um ihre Eltern zu ärgern oder zu scheuchen. Soweit bin ich absolut bei Ulric Ritzer-Sachs von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Auch wird in dem Artikel beschrieben, dass positive Bindungserfahrungen ganz wichtig für kleine Kinder sind. Stimmt auch!

Baby schreien lassen - Nur durch Körpernähe und Trost kann ein Baby seinen Stress beruhigen

Soll ich mein Baby schreien lassen? Nein, bitte nicht! Babys benötigen Körpernähe und Beruhigung durch eine Bindungsperson. Nur so kann es seinen Stress regulieren!2

Aber: Dann kommt die Empfehlung sein Kind nicht sofort hochzunehmen, wenn es weint, weil dies auch zu Stress bei Eltern und Kind führen könne. Stattdessen solle man zunächst für drei Minuten an die Wiege herantreten, das Kind anschauen und leise ansprechen jedoch nicht berühren. Beruhigt sich das Kind aufgrund der leisen Ansprache nicht, solle man nun beginnen das Kind für weitere drei Minuten zu berühren und zu streicheln und erst wenn das auch nichts bringt solle man nun das Kind nach sechs Minuten hochheben! Das Kind lerne so ein vertrautes Beruhigungsritual, wenn die Eltern es nur regelmäßig so machen und es funktioniere dann besonders gut.

Dein Baby schreien lassen – Drei Gründe, warum dieses Vorgehen nicht empfehlenswert ist:

  1. Kleine Babys haben eine sehr geringe Stress-Toleranz-Grenze – Das bedeutet, dass Kinder sehr schnell in großen Stress geraten können, wenn dieser nicht von außen reguliert wird. Kinder haben keine große Stress-Toleranz-Grenze. Bereits bei etwas Stress beginnen sie zu weinen.Säuglinge und Kleinkinder sind noch nicht in der Lage sich selbst zu regulieren. Am besten kann Stress durch körperliche Nähe zu den nahen Bindungspersonen reguliert werden.
  2. Durch großen Stress steigt der Cortisol-Wert massiv an – Wenn Kinder sich in das Schreien reinsteigern, was bei Babys und Kleinkindern sehr schnell passieren kann, steigt der Cortisol-Wert (das ist das Stresshormon) im gesamten Körper an. Das Bindungsbedürfnis ist maximal aktiviert, die Herzfrequenz geht hoch. Kinder die sich angeblich wieder beruhigen und einschlafen haben auch weiter einen hohen Cortisolwert und eine hohe Herzfrequenz. Das Kind hat sich nicht beruhigt, sondern resigniert.
  3. Für den sicheren Bindungsaufbau brauchen Kinder vor allem körperliche Nähe – Wie gerade bereits kurz erwähnt, kann Stress am besten durch körperliche Nähe beruhigt werden. Diese führt dazu, dass die Herzfrequenz wieder runter geht, das Bindungshormon Oxytocin wird ausgeschüttet und das Kind kann sich durch die sanfte Stimme und die körperliche Nähe zur Mama wieder beruhigen. Am Anfang ist es sicherlich nicht immer gleich ersichtlich, was das Baby gerade benötigt. Aber jeder Elternteil wächst da sehr schnell rein und weiß dann instinktiv, was das Kind gerade braucht.

Fazit

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass dieser Handlungsvorschlag der Bundeskonferenz für Erziehunsgberatung tatsächlich eher schädigend und nicht bindungsfördernd ist. Ein Baby schreien lassen, wenn es Hunger hat und es zunächst noch sechs Minuten warten zu lassen ist geradezu fahrlässig, unnötig stressig für das Kind und aus diesem Grund vollkommen überflüssig. Es ist wohl eher deutsche Tradition, alles an irgendwelchen Zeitplänen zu orientieren anstatt schlichtweg auf den eigenen mütterlichen Instinkt zu hören. Das Baby schreien lassen geht gar nicht, auch nicht für sechs Minuten!

Wenn eine Mutter sich ihrem schreienden Kind ruhig und liebevoll nährt, überprüft was gerade sein Bedürfnis ist, dieses erkennt und beantwortet, dann wird sich das Kind in den aller meisten Fällen bereits VOR Ablauf der empfohlenen sechs Minuten wieder beruhigt haben.

Liebe Eltern, bitte reagiert immer prompt auf die Signale eurer Kinder. Es ist einfach unnötiger Stress, der nicht dazu beiträgt, dass das Kind sich gesund entwickeln kann.

Alles Liebe, eure Kira!

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Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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2 Kommentare Ein "Mein Baby schreien lassen? – Bitte nicht!!!"

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Rebecca
Gast
Liebe Kira! Ich teile absolut Deine Auffassung. Nun habe ich einen 16-monatigen Sohn und eine neugeborene Tochter und bin alleinerziehend. Ich trage die Kleine fast immer an mir/im Tragetuch, stille beide, wir schlafen im Familienbett (was einfach nur fantastisch ist, wirklich) etc. Aber ab und zu muss ich mich auch mal nur dem Grossen widtmen. Manchmal ist es schwer, ihn anzuziehen/baden/wickeln/abzuhalten/zu umarmen mit der Kleinen vor dem Bauch. Und ab und zu muss ich mich auch mal waschen und anziehen, auch wenn ich das auf ein absolutes Minimum von ganz wenigen Minuten reduziert habe. Es gibt Momente, da geht das… Weiterlesen...
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[…] lasst euer Baby niemals schreien, damit es lernt, sich selbst zu beruhigen. Ich habe bereits hier4 (Soll ich mein Baby schreien lassen) ausführlich beschrieben, warum Babys sich nicht selbst […]

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