Schlaftraining mit einem Baby? – Lieber nicht!

Auch heute gibt es immer noch genügend (sogenannte) Experten, die verunsicherten Eltern empfehlen mit ihrem Baby ein Schlaftraining durchzuführen. Bücher wie „Jedes Kind kann schlafen lernen“ werden in den Eltern-Kind-Kursen empfohlen und es gibt genügend Menschen, die denken, dass ein Baby tatsächlich schlafen lernen muss. Doch was steckt hinter diesen Empfehlungen? Und ist ein Schlaftraining wirklich empfehlenswert?

Das Schlaftraining

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Das Schlaftraining – Das Kind verspürt Todesangst. Es lernt: „Ich bin es nicht wert, dass man sich um mich kümmert.“1

Viele Eltern fühlen sich durch das regelmäßige, nächtliche Aufwachen in der ersten Zeit mit Baby an irgend einem Punkt erschöpft, müde und ausgelaugt. Jede Mama kennt das: Die erste Zeit mit Baby ist anstrengend und kräftezehrend. Dieser kleine Mensch braucht uns so sehr zum Überleben – und das eben auch Nachts.

Zu Beginn haben die Kleinen noch keinen Tag-Nacht-Rhytmus. Sie schlafen zwar zwischen 16 bis 18 Stunden, aber dieser Schlaf ist nicht nur auf die Nacht beschränkt. Dadurch kann es gerade in der Anfangszeit auch immer wieder zu Wachzeiten Nachts kommen.

Beim Schlaftraining wird nun empfohlen, das Baby „kontrolliert“ weinen zu lassen. Das bedeutet: Das Baby wird hingelegt, die Eltern verlassen den Raum. Beginnt es zu weinen, kommen sie zurück, streicheln es, nehmen es allerdings nicht hoch. Mit jedem Tag wird die Dauer, bis die Eltern wieder zum Kind reingehen, nachdem es begonnen hat zu weinen, etwas verlängert. Am ersten Abend sofort, am zweiten Abend nach 3 Minuten, am dritten Abend nach 5 Minuten, dann nach 7 Minuten und später erst nach 10 Minuten. Nach einigen Tagen (bis wenigen Wochen) soll das Kind dann gelernt haben, alleine einzuschlafen – auch dann, wenn es nachts nochmal aufwachen sollte.

Klingt prima? Nun, für die Eltern vielleicht noch – für das Baby aber sicherlich nicht!

Warum Schlaftrainings?

Zum einen sollen Babys bereits frühzeitig lernen, alleine einzuschlafen und vor allen Dingen durchzuschlafen. Ich weiß noch, wie ich von verschiedenen Personen (mein Sohn war etwa 3 Monate alt!) gefragt wurde: „Und, schläft er schon durch?“ Die allgemeine, gesellschaftliche Erwartung scheint zu sein, das Babys es in diesem Alter können müssten. Nun, um die Frage zu beantworten: Tat er nicht – und macht er auch mit 3, 5 Jahren noch nicht immer! Ist mein Kind nun falsch? Stimmt etwas nicht mit ihm, weil er Nachts nicht durchschläft, meine Nähe sucht und gerne mit mir kuschelt? Und ja, mein Kind schläft sogar immer noch bei uns im Ehebett.

„Na, den bekommt ihr ja nie mehr da raus….“

„Der wird aber verwöhnt…“

„Na, da könnt ihr ja gar keinen Sex mehr haben…“

Diese und andere Sätze habe ich schon zu hören bekommen, weil wir bisher kein Schlaftraining mit unserem Kind durchgeführt haben, es bei uns schlafen lassen und einfach vertrauen, dass alles zu seiner Zeit kommt. Und ja, ich bin mir sehr sicher, dass er nicht mit 18 noch mit seiner Freundin bei uns in der Bettritze liegen wird…!

Was bewegt Eltern zu einem Schlaftraining?

Ich denke, die Gründe sind vielseitig. Zum einen ist da der große Wunsch, endlich mal wieder durchzuschlafen. Schlafentzug ist eine Foltermethode und nach einigen Nächten mit schreiendem Säugling geht man schon mal am Krückstock. Auch wir hatten solche Nächte – und ja, sie fordern einem alles ab. Ich erinnere mich gut, wie ich meinen Sohn nachts totmüde im Tragetuch durch die Wohnung getragen habe und sobald ich auch nur wagte mich hinzusetzen, schreckte er hoch und schrie wieder…! Das sind die Momente, in denen wir uns wünschen, dass ein Schlaftraining uns helfen kann, wieder normale Nächte zu haben. Aber die einfache Lösung ist in diesem Fall leider keine gute.

Dann ist da die Angst vor dem Verwöhnen 2, die immer noch in vielen Köpfen spukt. Wir sollten uns allerdings eines bewusst machen: Wir können unser Baby niemals mit Liebe, Nähe und Geborgenheit verwöhnen. Unsere Babys brauchen uns, damit sie sich zu gesunden Erwachsenen entwickeln können. Sie brauchen körperliche Nähe, dadurch können sie sich am besten beruhigen – und das funktioniert eben auch nachts hervorragend.

Warum lieber kein Schlatraining?

„Schreien lassen stärkt nicht, weder die Lunge, noch die Eltern-Kind-Bindung und erst recht nicht das Selbstwertgefühl deines Kindes“

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Babys brauchen Liebe, Nähe und Geborgenheit – auch nachts! Nur so können sie eine gesunde Bindung zu ihren Eltern entwickeln! 3

Viele Experten fühlen sich dadurch bestätigt, dass das Baby an irgend einem Punkt aufhört zu weinen und vermeintlich schläft. Allerdings hat das Baby nicht gelernt, wie selbständiges Einschlafen funktioniert, sondern es hat resigniert! Ein Baby, das schreien gelassen wird, lernt nur eines: „Ich bin es nicht wert, dass man sich um mich kümmert.“ Babys, die schreien gelassen werden, haben Todesangst. Sie fühlen sich vollkommen verlassen. Sie wissen nicht, dass Mama und Papa vor der Türe stehen und dem Schreien lauschen. Dass sie auf die Uhr schauen und die Minuten zählen, bis sie wieder rein dürfen. Ein Säugling spürt nur: „Ich bin in Not und es hilft mir keiner!“

Gerade in den ersten Jahren bildet sich das Fundament der menschlichen Psyche aus. Unsere Erfahrungen, die wir in dieser Zeit machen, sind prägend. Existentiell notwendig sind Bindungserfahrungen und dass die nahen Bindungspersonen feinfühlig auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen. Für ein Baby oder Kleinkind ist es nicht zu verstehen, warum Mama tagsüber zugewandt und liebevoll ist und nachts eben nicht.

Auch das Urvertrauen bildet sich in dieser Zeit aus. Das Baby lernt seine Eltern als emotional zuverlässige Menschen kennen, auf die es sich verlassen kann – oder eben nicht.

Was spricht für das gemeinsame Schlafen (Co-Sleeping)?

Nun, es ist einfach so viel entspannter, sein Baby bei sich schlafen zu lassen, nachts (im Normalfall) nicht aufstehen zu müssen, im Liegen zu stillen und zu kuscheln. Gordon (2002) 4 beschreibt mehrere Vorteile des Co-Sleepings:

  • In einer sicheren Schlafumgebung (lies dazu auch: Das Familienbett: 13 Tipps für sicheren Schlaf)5 schläft das Kind sehr viel sicherer als wenn es im Raum nebenan alleine liegt. Sollte das Kind in eine Notsituation (Stichwort Plötzlicher Kindstod) kommen, bemerkt die Mutter dies im Familienbett sehr viel schneller als wenn das Kind im Nebenraum schläft.
  • Babys, die im Familienbett schlafen, weinen weniger, als solche die alleine schlafen
  • Kinder, die bei ihren Eltern schlafen durften, sind als Erwachsene unabhängiger und können sich besser an gesellschaftliche Bedingungen anpassen.
  • Und auch auf das Sexleben wirkt sich das Familienbett in keiner Weise negativ aus 😉

Und außerdem: Die meisten Erwachsenen schlafen sehr gerne mit ihren Partnern zusammen in einem Bett – Warum erwarten wir von unseren Kindern, dass sie alleine schlafen müssen?

Genießt die Zeit mit euren Kleinen – füllt sie mit Liebe, Geborgenheit und körperlicher Nähe. Das ist das, was wir ihnen heute mitgeben können und wovon sie das gesamte Leben profitieren werden.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine wunderbare Zeit mit euren Kindern!

Eure Kira

P.S.: Hast du Fragen zum sicheren Schlaf im Familienbett? Bist du dir unsicher, ob dein Baby bei dir schlafen soll oder doch lieber in seinem eigenen Bett? Dann kontaktiere mich und wir vereinbaren ein kostenloses Erstgespräch!6.

Oder fühlst du dich häufiger überfordert und gestresst im Umgang mit deinem Kind? Dann lade dir den kostenlosen Ratgeber „Fünf einfache Schritte für weniger Stress und Überforderung mit deinem Kind7 runter.

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Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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