Quengelnde Kinder in den Griff bekommen?

Müssen wir quengelnde Kinder in den Griff bekommen? Auf der Seite Frauenzimmer.de ist vor einigen Tagen der Artikel „So bekommen Sie quengelnde Kinder in den Griff“ erschienen. Mich macht zum einen die Überschrift stutzig und zum anderen auch das Ergebnis der Umfrage. Auf die Frage, ob man Kinder auch mal quengeln lassen sollten antworten über 62 Prozent „Ja, sie müssen lernen, dass sich nicht jeder nach ihnen richten kann“ und 37 Prozent „Nein, diesen Frust müssen sie nicht erleben“. Meine Gedanken zu dem Artikel möchte ich an dieser Stelle gerne näher ausführen.

Quengeln, Begleitung, Achtsamkeit, Wertschätzung

Quengelnde Kinder brauchen vor allen Dingen liebevolle Begleitung und Wertschätzung1

Kinder quengeln, weil sie frustriert sind

In dem Artikel wird durchaus richtig beschrieben, dass Kinder (unter anderem) darum quengeln, weil sie frustriert sind. Dieser Frust entsteht insbesondere dadurch, dass sie immer wieder an ihre eigenen Grenzen stoßen. Dinge funktionieren nicht so, wie sie es wollen und das frustriert – irgendwie nachvollziehbar, oder?

Es werden nun verschiedenen Lösungswege beschrieben, mit denen wir „die Kleinen bei Laune halten können“. So wird empfohlen klare Ansagen zu machen und dem Kind nicht zu viele Entscheidungsmöglichkeiten zu lassen. Es wird empfohlen „schöne Worte“ zu wählen, wenn etwas nicht geklappt hat. Außerdem könne mit der Sprache auch motivierend auf das Kind eingewirkt werden.

Quengelnde Kinder in den Griff bekommen…?

Was mir bei diesem Artikel vollkommen fehlt ist die Ebene der Beziehung. Da wird von „In den Griff bekommen“ und das Kind „motivieren“ geschrieben. Für mich klingt es mehr nach Hundeerziehung als nach einer Herzensbeziehung zu unseren Kindern. Ich lese dort, und das obwohl die Tipps an sich gar nicht mal so schlecht sind, sehr viel Distanz heraus.

Ja, quengelnde Kinder können anstrengend für uns sein – natürlich! Jede Mama kennt solche Tage, an denen sie froh ist, wenn endlich der Abend kommt. Aber: Unsere Kinder quengeln nicht, um uns zu ärgern oder uns zu nerven. Sie quengeln – und das wird in dem Artikel ja auch beschrieben – weil sie frustriert sind. Ist es sinnvoll, diesem Frust mit Konsequenz und Kontrolle zu begegnen? Müssen wir das Kind in den Griff bekommen, damit es uns nicht mehr nervt? Oder damit andere nicht mehr genervt von ihm sind? Oder ist es nicht viel sinniger, den Frust des Kindes anzunehmen und es zu begleiten?

Liebevolle Begleitung statt Quengeln lassen?

Es gibt manchmal Phasen im Leben, in denen wir einfach nicht mehr können. Die Akkus sind leer und daraus entstehen dann Konflikte mit unseren Kindern. Wir können nicht mehr zugewandt, empathisch und liebevoll sein. Dann ist es wichtig, dass wir auf uns achten, uns eine Auszeit nehmen und wieder Kraft tanken. Es ist unsere elterliche Verantwortung dafür zu sorgen, dass es uns! gut geht. Denn nur dann geht es auch unseren Kindern gut.

Der oben genannte Artikel richtet sich aber nicht an Eltern, die in einem chronischen Erschöpfungszustand feste hängen. Der Artikel ist an jene Eltern gerichtet, die hin und wieder genervt sind von ihren quengelnden Kindern. Und an diese richtet sich auch mein Artikel. Natürlich haben wir alle mal einen schlechten Tag, auch unsere Kinder. Es gibt anstrengende Phasen, in denen sie es wirklich schwer haben (Lies dazu: Der weiche Blick auf unsere Kinder)2, weil so viel Entwicklung geschieht.

Aus diesem Grund finde ich es um so wesentlicher, auf den erlebten Frust der Kinder liebevoll einzugehen. Wir sollten uns immer wieder bewusst machen: Mein Kind hat es gerade schwer und es benötigt meine Unterstützung! Durch liebevolle Begleitung und das Spiegeln der kindlichen Gefühle können wir unser Kind darin unterstützen seinen Frust zu regulieren.

Körperliche Nähe hilft, den Frust zu regulieren

Je kleiner unser Kind ist, desto mehr benötigt es die Regulation von Außen, um seine Gefühle zu regulieren. Diese Co-Regulation gelingt am besten durch körperliche Nähe. Außerdem ist es immer hilfreich, das Gefühl des Kindes zu benennen: „Oh, du hast solch einen Hunger.“ Oder: „Du bist so frustriert, dass der Turm umgefallen ist.“ Dadurch stellen Kinder ziemlich schnell eine Verbindung zwischen dem Gefühl und der Sprache her. Das Kind lernt: So fühlt sich Hunger an bzw. so fühlt sich Frust an. Mit zunehmender sprachlicher Kompetenz können die Kinder dann sehr klar äußern, was gerade in ihnen vor geht und Gefühle klar benennen.

Kindliche Gefühle ernst nehmen

Wenn wir die Gefühle des Kindes auf diese Weise begleiten, dann spürt es, dass es ernst genommen wird.Es lernt etwas sehr wesentliches, nämlich, dass es wertvoll für uns ist. Das Kind ist es WERT, dass wir uns um seine Bedürfnisse und Gefühle kümmern. Es ist unsere Haltung, die den Unterschied macht. Wir brauchen unsere Kinder nicht abzuhärten und auf die „schlimme Welt“ vorzubereiten. Die Bindungsforschung zeigt deutlich: Wenn wir die Bedürfnisse unseres Kindes stillen, zuverlässige Bezugsperson sind und feinfühlig auf die Gefühlsäußerungen unserer Kinder eingehen, dann bildet sich ein Fundament aus. Dieses Fundament ist die psychische Stabilität, die unsere Kinder durch das Leben tragen sollte. Und das ist alles, was unsere Kinder brauchen. Wir müssen nicht extra gemein sein, sie absichtlich warten lassen oder Grenzen setzen, „damit sie das endlich mal lernen.“ Es reicht vollkommen, in Beziehung zu sein.

Es gibt immer mal Situationen, in denen wir nicht sofort reagieren können (wenn wir zur Toilette müssen, oder die Nudeln abgießen…). Was aber immer möglich ist, ist in Kontakt zu sein. Wir können mit unserem Kind sprechen, ihm sagen, dass wir es hören und dann so schnell wie möglich reagieren.

Miteinander Spaß haben…

Habt Spaß mit euren Kindern, genießt das Zusammensein und steigt aus aus dem Machtkampf3. Quengelnde Kinder wollen gehört werden. Sie brauchen eure Liebe, eure Begleitung und euer Verständnis. Das gelingt uns mal mehr, mal weniger. Aber löst euch von dem Gedanken, wir müssten unsere Kinder im Griff haben. Sie sind eigenständige kleine Menschen. Sie brauchen uns, damit sie wachsen können. Und wir Eltern entscheiden darüber, wie ihre Kindheit ist. Wenn wir miteinander lachen und Freude haben, dann kann sich viel auflösen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine wundervolle Zeit mit euren Kindern.

Eure Kira

P.S.: Bist du manchmal genervt von deinem Kind und weißt nicht, wie du reagieren sollst? Dann kontaktiere mich jetzt für ein kostenloses Erstgespräch!4.

Oder fühlst du dich häufiger überfordert und gestresst im Umgang mit deinem Kind? Dann lade dir den kostenlosen Ratgeber „Fünf einfache Schritte für weniger Stress und Überforderung mit deinem Kind5 runter.

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Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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