Kurz gefragt: Manipuliert mich mein Kind?

Manipuliert mich mein Kind – Der neue Artikel aus der Rubrik „Kurz gefragt“. Ich danke euch für die zahlreichen Zusendungen eurer Themenwünsche und bitte euch daher um etwas Geduld, ich bemühe mich so viele Fragen wie möglich zu beantworten! Hast du auch eine Frage, die ich in der Rubrik „Kurz gefragt“ in einem ausführlichen Artikel beantworten soll? Dann reiche hier deinen Wunsch ein!

Mein Sohn, 2,5 Jahre alt, schlägt immer wieder nach mir. Wenn ich zu etwas „Nein“ sage, dann wird er meistens wütend und schmeißt sich auf den Boden. Oftmals bekommt er dann doch, was er wollte, weil ich das schlecht aushalten kann.  Meine Familie meint, ich sei viel zu inkonsequent. Hilfe, manipuliert mich mein Kind?

Manipuliert mich mein Kind

Manipuliert mich mein Kind , wenn es wütend ist und seinen Willen durchsetzen will?1

Viele Eltern kennen das Gefühl der Hilflosigkeit und Verzweiflung, wenn sie kaum mehr zu ihrem Kind durchdringen. In der obigen Frage sind gleich mehrere Aspekte miteinander verknüpft, so dass ich das im Folgenden gerne „aufdröseln“ möchte.

Manipuliert mich mein Kind ?

Zunächst ist es wichtig, auf das Alter des Kindes zu schauen. Er ist gerade einmal 2,5 Jahre alt und befindet sich somit Mitten in der Autonomiephase. Ich habe bereits einen ausführlichen Artikel zu Wutanfällen bei Kindern2 verfasst und kann es an dieser Stelle nur wiederholen: Kinder in diesem Alter sind – aufgrund der Entwicklung des Gehirns – nicht in der Lage uns strategisch zu manipulieren. Sie reagieren noch völlig aus dem Bauch heraus und werden von ihren Gefühlen, die sie selbst noch nicht so besonders gut regulieren können, überrannt. Außerdem kommt hinzu, dass sie in diesem Alter beginnen, sich von der Mutter und dem Vater zu lösen – das Kind erkennt nun, dass es ein „Ich“ hat und getrennt ist von seiner Mutter. Kinder entdecken zudem in diesem Alter ihren eigenen Willen – das ist jedoch nichts negatives, sondern etwas sehr Gutes! Oder wollen wir Kinder, die allem zustimmen ohne die eigenen Bedürfnisse zu beachten?

Wenn ich als Mutter oder Vater nun entscheide, dass mein Kind nicht den fünften Kinderriegel an diesem Tag bekommen soll – dann muss ich damit rechnen, dass das auf wenig Begeisterung stoßen wird. Warum sollte unser Kind auch sagen: „Ok, Mama! Hast ja auch recht, ist ohnehin viel zu ungesund.“? Vielmehr werde ich damit rechnen müssen, dass meine Entscheidung über seinen Kopf hinweg eben auf wenig Gegenliebe stoßen wird. Stell dir vor, du möchtest unbedingt ein neues Handy, oder eine neue Tasche oder was auch immer. Irgendwas, was du total gerne haben möchtest. Und dann kommt jemand und sagt „Nein, das gibt es jetzt nicht!“. Wie fühlst du dich in diesem Moment? Ich nehme an, da ist ein Gefühl der Enttäuschung und Frustration. Vielleicht auch das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden? Nun, genau so fühlen sich unsere Kinder auch. Mit dem Unterschied, dass wir Erwachsen sind und mittlerweile gelernt haben, mit unseren Emotionen anders umzugehen. Wir können sie besser regulieren! Das schaffen kleine Kinder aber noch nicht, sie sind dazu noch nicht in der Lage. Und aus diesem Grund finden wir unser Kind dann am Boden wieder, verzweifelt weinend, frustriert und wütend. Was braucht dein Kind in dieser Situation? Es braucht Begleitung, Einfühlung und Verständnis!

Manipuliert mich mein Kind ? Nein, dein Kind will dich nicht manipulieren! Es braucht dich, damit du ihm Orientierung gibst und vor allen Dingen das Gefühl, trotzdem geliebt und in seinem Verhalten nicht bewertet zu werden.

Bin ich zu inkonsequent?

Konsequentes Verhalten unseren Kindern gegenüber wird ja immer wieder von allen Seiten gefordert. Was steckt dahinter? Mit Sicherheit Angst, dass die Erziehung unserer Kinder aus dem Ruder laufen könnte. Ebenso häufig fällt in diesem Zusammenhang auch der  Satz „Kinder brauchen Grenzen“, dazu folgt demnächst ein eigener Artikel. Aber was hat es mit dieser Konsequenz eigentlich auf sich? Ist es konsequent, wenn mein Kind etwas gegen meinen Willen macht und ich ihm dann abends das Fernsehen verbiete? Oder ist Konsequenz, wenn ich etwas verbiete und dann auch standhaft bleibe?

Letztendlich geht es – aus meiner Sicht – immer darum, mit meinem Kind in Kontakt zu gehen. Oftmals ist ein „Nein“ sehr schnell ausgesprochen. Wenn wir dann nochmal intensiver drüber nachdenken, dann kommen wir häufig zu dem Schluss, dass ein „Ja“ vielleicht doch möglich wäre. Ist es an dieser Stelle nun inkonsequent, unsere erste Antwort zu revidieren und doch „Ja“ zu sagen? Oder ist es nicht vielmehr in unserer Verantwortung, erst einmal kurz nachzudenken, bevor wir unser „Nein“ aussprechen? Darin liegt meiner Meinung nach die Krux: Wir sollten uns vorher überlegen, ob wir unser „Nein“ tatsächlich ernst meinen und die Folgen dann auch mittragen. Im oben genannten Beispiel mit dem Kinderriegel heißt das, dass ich „Nein“ sage (aus welchen Gründen auch immer) und dann auch für mein Kind da bin und es begleite in seiner Frustration und Enttäuschung. In diesem Moment stehe ich zu mir und meinem „Nein“, verlange aber gleichzeitig nicht von meinem Kind, dass es mir zustimmt, sondern fühle mich in seine Emotionen ein. Das ist der Moment, in dem wir in Beziehung zu unseren Kindern treten.

Manipuliert mich mein Kind?

Manipuliert mich mein Kind und muss ich konsequent sein?3

Es geht bei Konsequenz also in erster Linie immer darum, in uns reinzuspüren und mit unseren Bedürfnissen abzustimmen, was gerade möglich ist und was nicht. Ich glaube jedoch nicht daran, dass es beziehungsfördernd ist, hartnäckig auf einem einmal ausgesprochenen „Nein“ zu beharren und dieses auf „Teufel komm raus“ durchzusetzen. Wir leben in Beziehungen, die im besten Falle schwingen sollten. Das bedeutet, wir sind in Kontakt mit unseren eigenen Bedürfnissen und denen unseres Kindes.

Hilfe, mein Kind schlägt mich!

Kinder können in ihrer Wut, Frustration und Enttäuschung oftmals nicht anders handeln, als körperlich zu werden. Die Kleinen haben noch nicht die Möglichkeit ihrem Frust und der Trauer verbal Ausdruck zu verleihen. Diese Momente lassen Eltern oft verzweifeln, sie fühlen sich wirklich hilflos und manche werden auch selbst wütend. Das ist verständlich, denn häufig sind für uns Erwachsenen diese Wutanfälle überhaupt nicht nachvollziehbar. Was wir uns aber immer wieder in den Kopf rufen sollten ist das Folgende: Kinder haben für ihr Verhalten immer einen (guten) Grund! Momente, in denen Kinder nach uns schlagen oder treten können wir lösen, in dem wir beispielsweise das Folgende sagen: „Ich will nicht, dass du mich schlägst/ trittst. Ich sehe deine Wut und ich spüre deine Hilflosigkeit. Um mich zu schützen gehe ich ein paar Meter von dir weg. Ich bin aber hier und wenn du meine Nähe brauchst, dann komm gerne zu mir!“ In diesem Moment leben wir unserem Kind etwas sehr Wesentliches vor:

  1. Wir grenzen uns klar gegen körperliche Gewalt ab und achten auf unser Bedürfnis nach Unversehrtheit!
  2. Wir bleiben in Beziehung!
  3. Wir bewerten das kindliche Verhalten nicht!

Statt unser Kind also zum „ausbocken“ von uns wegzuschicken bleiben wir in Beziehung und achten dennoch unsere Bedürfnisse. Wir signalisieren unserem Kind, dass wir es bedingungslos lieben und da sind, auch wenn es in großer emotionaler Not ist. Wir verlangen in diesem Moment nicht „Jetzt sofort mit diesem unmöglichen Verhalten aufzuhören“, sondern begleiten es durch die Gefühle hindurch. Und vor allen Dingen: Wir bieten körperliche Nähe und Trost an, sobald das Kind dafür bereit ist. Wenn du dich also wieder „Manipuliert mich mein Kind“ fragst, dann rufe dir in Erinnerung, dass dein Kleinkind dazu noch nicht in der Lage ist. Es braucht deine Nähe und es lernt im Kontakt mit dir, wie es seine Gefühle besser regulieren kann. Indem du dein Kind begleitest, spiegelst und ihm den Umgang mit Gefühlen vorlebst, wird es genau die Dinge lernen, die es für das Leben in unserer Gesellschaft benötigt! Lies dazu auch meinen Artikel von der Erziehung zur Beziehung.4

Ich weiß, dass einige nun wieder einwenden werden, dass das im Alltag – aus was für Gründen auch immer – nicht umsetzbar ist. Ich denke, wenn ich etwas verändern möchte, dann ist es möglich! Ansonsten finde ich immer Gründe, warum es gerade nicht geht! Bei meinen Artikeln handelt es sich immer um Anregungen, die jeder für sich umsetzen kann, aber niemals muss. Es ist eine neue Form des Umgangs mit unseren Kindern – eine neue Haltung ihnen gegenüber.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen sonnigen Tag und alles Liebe,

eure Kira!

P.S.: Falls ihr ähnliche Schwierigkeiten mit euren Kindern habt und nicht weiter wisst, ladet euch gerne HIER meinen kostenlosen Ratgeber „Fünf einfache Schritte für weniger Stress und Überforderung im Umgang mit deinem Kind5 runter. Viel Spaß beim Lesen 🙂

Oder kontaktiert mich für ein kostenloses Coaching-Erstgespräch. 6 Hier können wir genau besprechen, wie wir eure ganz individuelle Situation verändern können, so dass ihr alle wieder mehr Spaß und Freude am Familienalltag habt. Ich freue mich auf euch!

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Empfohlene Literatur

Von der Erziehung zur Einfühlung

Mit Kindern wachsen

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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Veronika Malic
Gast
Es ist interessant. Viele Ansätze benutze ich. Ich lasse meine 22 Monate alte Tochter ruhig mal nach mir schlagen. Zuerst bin ich ihr wesentlich körperüberlegen. Sie kann mich nicht ernsthaft verletzen. Und für mich ist die Botschaft aus ihrem Verhalten einfach, dass sie ganz wütend is und nicht weiß, wohin damit. Und für mich ist es ganz in Ordnung, das mal aufzufangen. Ich habe sie auf dem Arm und Wut verschwindet in der Regel ganz schnell. Es ist ein Privileg, dass sie mit mir so kommuniziert. Es geht vorbei. Ich möchte auch ihr Kissen zum Ausweinen später sein. Ich glaube… Weiterlesen...
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