Kurz gefragt: Habe ich genügend Muttermilch?

Muttermilch

Durch Muttermilch wird die Mutter-Kind-Bindung gestärkt1

Dieses Mal hat mich folgende Frage zum Stillen erreicht: Habe ich genügend Muttermilch? – Der neue Artikel aus der Rubrik „Kurz gefragt“. Ich danke euch für die zahlreichen Zusendungen eurer Themenwünsche und bitte euch daher um etwas Geduld, ich bemühe mich so viele Fragen wie möglich zu beantworten! Hast du auch eine Frage, die ich in der Rubrik „Kurz gefragt“ in einem ausführlichen Artikel beantworten soll? Dann reiche hier deinen Wunsch ein!

Mein Baby ist knapp drei Wochen alt und er schreit ganz häufig beim Stillen. Ich habe oft den Eindruck, dass er nicht satt wird, er hängt nur an der Brust. Habe ich vielleicht nicht genügend Muttermilch? Er wirkt so unzufrieden. Ich bin verzweifelt und frage mich, ob ich zufüttern soll? Oder kann ich die Milchmenge irgendwie steigern?

Diese Frage lässt sich auf die Entfernung natürlich nicht wirklich beantworten. Aus diesem Grund rate ich zunächst dringend dazu, eine Stillberaterin zu kontaktieren, die vor Ort auf euch schauen kann! Dennoch kann ich natürlich Anhaltspunkte geben.

Das Baby ist in diesem speziellen Fall noch sehr klein, da ist eine gute Beobachtung schon sehr wichtig! Allerdings rate ich dringend davon ab, vorschnell zuzufüttern. Wenn das Fläschchen erst einmal gegeben worden ist, ist das Abstillen in den meisten Fällen leider nicht mehr fern.

„Mein Baby schreit beim Stillen“

hungerzeichen

Frühe Hungerzeichen: Gib deinem Baby bereits bei den ersten Hungerzeichen deine Muttermilch! 2

Wichtig ist, dass die frühen Hungerzeichen erkannt werden. Hat dein Baby sich erst einmal so richtig in Rage geschrien, kann es gut sein, dass es zu aufgeregt ist, um ordentlich an die Brust zu gehen. Die Abbildung zeigt, woran wir die frühen Hungerzeichen unseres Babys erkennen. Bereits hier ist der richtige Moment, um es anzulegen. Befinden wir uns bereits in der mittleren oder gar in der späten Phase, kann es tatsächlich sein, dass unser Kind sich nicht mehr anlegen lässt, weil es zunächst erst wieder beruhigt werden muss.

Wenn das Kind beim Stillen schreit, heißt das keinesfalls, dass es seine Mutter ablehnt oder das es die Milch nicht mag. Es kann jedoch sein, dass die Milch – weil die Mutter vielleicht etwas gegessen hat, das sich auf den Geschmack der Muttermilch auswirkt – anders schmeckt als gewohnt und das Baby dadurch irritiert ist. Das Essen von Süßspeisen kann hier recht schnell Abhilfe schaffen (beispielsweise ein Joghurt oder einen Milchreis).

Wenn Babys vor dem Anlegen bereits stark geweint haben, kann es passieren, dass viel Luft im Bauch ist – diese führt wiederum zu Bauchschmerzen, die sehr unangenehm sein können. Das Baby schreit also vor Schmerzen immer mehr, wodurch das Bauchweh natürlich nicht weniger wird. Hier kann ein Kirschkernkissen helfen. Auch der Fliegergriff, ein warmes Bad oder eine Bauchmassage mit Fenchel-Kümmel-Öl3 können hier Entspannung bringen.

Manchmal ist es auch einfach so, dass die Babys ihren Frust und Kummer ausweinen müssen. Vielleicht waren Schwangerschaft und Geburt stressig und das Baby benötigt nun vor allen Dingen entspannte und feinfühlige Erwachsene, die es beim „Ausweinen“ begleiten und ihm Halt geben.

„Habe ich zu wenig Muttermilch?“

An dieser Stelle gibt es einige Dinge, die einfach wichtig sind zu wissen, um das beurteilen zu können. Ein Baby sollte in den ersten zwei Lebensmonaten zwischen 170g und 320g  pro Woche zunehmen. Weniger als 110g sollten es nicht sein. Nimmt das Baby nur langsam, aber stetig zu, kann man in Begleitung einer guten Stillberaterin Ruhe bewahren und gegebenenfalls abwarten. Ist jedoch kein Wachstum zu verzeichnen oder nimmt das Baby sogar ab, sollte umgehend!!! ein Arzt aufgesucht werden. Bitte beachtet jedoch, dass die Gewichtszunahme bei Stillkindern anders ist, als bei Kindern, die Flaschennahrung erhalten. Von der WHO gibt es für Stillkinder andere Wachstumskurven, als die in deinem U-Heft (diese sind Wachstumskurven von Flaschenkindern!). Du kannst dir unter den beiden folgenden Links die Wachstumskurven der WHO für Stillkinder runterladen und in dein U-Heft einfügen. Dann hat dein Arzt die korrekten Kurven bei der nächsten U-Untersuchung direkt vorliegen.

WHO: Wachstumskurve für gestillte Jungen

WHO: Wachstumskurve für gestillte Mädchen

Sechs Aspekte, an denen ich erkenne, dass genug Muttermilch da ist:
  1. Das Baby hat sechs bis acht nasse Windeln am Tag und mindestens drei Mal Stuhlgang pro Tag (weich, sämig, gelb).
  2. Das Baby nimmt gut zu.
  3. Das Baby ist aktiv.
  4. Es hat elastische Haut.
  5. Die Schleimhäute sind feucht.
  6. Fontanelle muss eben sein, sie darf nicht einsinken.
Sechs Aspekte für zu wenig Milch:
  1. Kind ist apathisch oder weint unablässig.
  2. Der Muskeltonus ist schlaff.
  3. weniger als sechs nasse Windeln.
  4. Der Urin ist dunkelgelb.
  5. Nur selten Stuhlgang.
  6. Weniger als acht Stillmahlzeiten (acht bis zwölf in 24 Stunden sollten es sein!)

Sollten einige dieser sechs Aspekte zutreffen, suche bitte umgehend einen Arzt auf! In diesem Fall ist das wichtigste, dass dein Baby Nahrung bekommt. Wenn es möglich ist, sollte die Zufütterung jedoch über einen Becher oder per Löffel erfolgen, damit es nicht zu einer Saugverwirrung kommt.

„Er hängt nur an der Brust“

Es gibt Phasen, in denen ein Baby sehr viel stillen möchte. Das wird Clusterfeeding genannt und meistens hat das Baby in dieser Zeit einen Wachstumsschub. Das Baby stillt in dieser Zeit so viel, weil es die Milchmenge steigern will. Das passiert rein instinktiv und ist wichtig, damit es genügend Milch erhält. In diesen Phasen ist es wichtig, dass ihr euch Ruhe gönnt und du deinem Kind das gibst, was es gerade am meisten braucht: Ganz viel Mama und Muttermilch! Genieß die Nähe und kuschelt in dieser Zeit viel miteinander.

„Wie kann ich die Milchmenge steigern?“

Muttermilch wird durch viele Nähe zwischen Mutter und Kind produziert

Muttermilch – Durch häufiges und korrektes Anlegen wird die reichliche Milchbildung angeregt4

Die Milchmenge wird besonders durch häufiges und korrektes Anlegen gesteigert! Hierbei spielt auch das Stillen nach Bedarf5 eine große Rolle. Das gilt besonders für die Phasen des Clusterfeedings, von der ich gerade geschrieben habe! Bitte vergesst Ratschläge wie „Still dein Baby maximal alle zwei Stunden, denn es bekommt Verdauungsprobleme, wenn neue Milch auf alte Milch stößt“ und legt euer Kind immer dann an, wenn es das Bedürfnis danach hat. Stillen nach Bedarf heißt, dass ich das Baby so lange angelegt lasse, bis es sich von selbst gelöst hat oder es eingeschlafen ist.

Auch das nächtliche Stillen ist für die Steigerung der Milchmenge unglaublich wichtig, denn nachts wird mehr Prolaktin gebildet, welches wiederum extrem wichtig für die reichliche Milchbildung ist!

Auch das korrekte Anlegen ist wirklich wichtig, damit die Milchbildung in Gang kommt. Bitte unbedingt eine fachkundige Hebamme oder besser noch eine Stillberaterin drauf schauen lassen!

Achte bitte unbedingt auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr. Nicht selten vergessen wir Mamas uns um uns selbst zu kümmern, wenn wir ein kleines Baby zu versorgen haben. Allerdings brauchen wir die Flüssigkeit dringend, um Muttermilch bilden zu können. Also: Jeden Tag mindestens 2,5 Liter Wasser trinken!

Bitte keine enge Kleidung (eng sitzender BH!) an den Brüsten tragen. Diese können die Milchproduktion ebenfalls hemmen.

Im Wochenbett gilt außerdem: Ganz viel (nackt) kuscheln! Dadurch werden Oxytocin und Prolaktin gebildet. Beide Hormone sind sehr wesentlich für eine funktionierende Stillbeziehung. Oxytocin führt dazu, dass der Milchspendereflex ausgelöst wird. Das passiert jedoch nur, wenn Mutter und Kind sich nah und beide entspannt sind. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass insbesondere in der ersten Zeit ganz viel Ruhe gegeben ist, damit sich die Stillbeziehung entwickeln kann. Stress kann sich hemmend auf die Milchbildung auswirken.

Mit dem Baby im Familienbett schlafen6 fördert sowohl die Mutter-Kind-Bindung als auch die Milchmenge, denn das Baby wird häufiger und länger gestillt.

Wechselstillen (regelmäßig die Brustseite wechseln) regt ebenfalls die Milchbildung an. Ältere Kinder, die noch gestillt werden, wechseln instinktiv regelmäßig die Seite.

Außerdem:

Bis sich eure Stillbeziehung richtig gefestigt hat, solltest du bitte verzichten auf: Schnuller, Fläschchen (Saugverwirrung!), Brusthütchen, Stillkissen (können das korrekte Anlegen verhindern!).

Wenn dein Baby sehr viel weint beim Stillen, kann sich auch ein Besuch beim Osteopathen lohnen. Manchmal hat das Kind Blockaden von der Geburt, die es beim Anlegen stören und ihm weh tun.

Dieser Artikel dient lediglich einer Übersicht zu der Frage, woran du erkennen kannst, ob du genügend Muttermilch für dein Baby hast. Im Zweifel rate ich dringend, einen Arzt aufzusuchen. Wenn das Baby nicht genügend zunimmt, muss geschaut werden, woran das liegt. Das kann tatsächlich am falschen Anlegen liegen, es können aber auch andere Ursachen dahinter stecken. Diese sollten unbedingt abgeklärt werden. Das eigene Baby stillen zu können ist vielen Mamas ein großes Bedürfnis. Allerdings darf es auch nicht zu einem Dogma werden und natürlich geht die Gesundheit des Kindes immer vor! Muttermilch ist die beste Nahrung für unsere Babys, aber manchmal brauchen wir Unterstützung, damit das Stillen richtig klappt! Diese sollten wir uns im Zweifel dann auch holen – Sonst ist die Stillbeziehung vielleicht beendet, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Wenn ihr Unterstützung beim Stillen benötigt, könnt ihr mich gerne auch telefonisch erreichen. Kontaktiert mich gerne!

Außerdem möchte ich auch an dieser Stelle nochmal auf meinen kostenlosen Ratgeber „Fünf einfache Schritte für weniger Stress und Überforderung im Umgang mit deinem Kind7 hinweisen. Das macht besonders dann Sinn, wenn wir gerade ein weiteres Mal entbunden haben und uns mit dem älteren Kind schnell überfordert fühlen. Gerne könnt ihr mich in diesem Fall auch für ein kostenloses Coaching-Erstgespräch8 kontaktieren. Ich freue mich auf euch!

Bis dahin wünsche ich euch alles Liebe und eine wundervolle Stillbeziehung mit eurem Baby oder Kleinkind9,

eure Kira 🙂

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Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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6 Kommentare Ein "Kurz gefragt: Habe ich genügend Muttermilch?"

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Kathrin
Gast
„…frage deine Hebamme oder besser noch eine Stillberaterin…“ da blutet mein Hebammenherz, denn ich sehe es als eine meine originären Tätigkeit an, Mütter bei der Ernährung ihres Kindes zu unterstützen. Das heißt, ich unterstütze Sie dabei, den für Sie und ihr Kind richtigen Weg zu finden und nicht dogmatisch das Still-ABC zur lernen. Ja, vieles ist normal (clusterfeeding, häufiges nächtliches Anlegen,…) aber vieles ist auch sehr anstrengend und nicht für jede Mutter zu leisten. Jede Frau sollte über die Normalität dieser Dinge informiert werden – bei Bedarf! Aber Sie muss auch dabei unterstützt werden ihren eigenen Weg gehen zu dürfen… Weiterlesen...
Thomas Graf
Gast

„An dieser Stelle gibt es einige Dinge, die einfach wichtig sind zu wissen, um das beurteilen zu können. Ein Baby sollte in den ersten zwei Lebensmonaten zwischen 170g und 320g zunehmen. Weniger als 110g sollten es nicht sein. “
Vielleicht sollte noch gesagt werden, dass das wohl Angaben für eine Wöchentliche Zunahme sein sollen.
Wir haben die Abgaben btw bei unseren Zwillingen unterboten und beim Großen mit mehr als 500gr/Woche deutlich überboten 😉

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