Kurz gefragt: Abendliches Weinen

Abendliches Weinen – Der neue Artikel aus der Rubrik „Kurz gefragt“. Ich danke euch für die zahlreichen Zusendungen eurer Themenwünsche und bitte euch daher um etwas Geduld, ich bemühe mich so viele Fragen wie möglich zu beantworten! Hast du auch eine Frage, die ich in der Rubrik „Kurz gefragt“ in einem ausführlichen Artikel beantworten soll? Dann reiche hier deinen Wunsch ein!

Abendliches Weinen? Was kann ich tun? Ausweinen lassen im Arm?

Abendliches Weinen - Junge Mutter und weinendes Baby

Abendliches Weinen – Junge Mutter begleitet ihr Baby einfühlsam1

Abendliches Weinen – Viele Eltern kennen das Phänomen und einige sind schon fast dran verzweifelt.  Immer wieder – meistens zu einer ähnlichen Zeit – beginnt das Baby plötzlich, sich regelrecht einzuschreien. Die Windel ist frisch, es hat gerade gestillt oder das Fläschchen bekommen, es wird auf dem Arm getragen und Mama (oder Papa) wiegt es hin und her. Und trotzdem… es will sich einfach nicht beruhigen. Wir Eltern neigen dann schnell dazu, an uns selbst zu zweifeln. Wir möchten so gerne, dass es unserem Baby gut geht. Wenn wir es nicht beruhigen können, dann hadern wir mit uns selbst und misstrauen unseren mütterlichen (oder väterlichen) Qualitäten.

Abendliches Weinen – Was hat es damit auf sich?

Es gibt unterschiedliche Erklärungsansätze für abendliches Weinen. Viele Babys sind von den Eindrücken des Tages überreizt und können diese nur durch das Schreien verarbeiten. Je kleiner der Säugling ist, desto schneller kann es zu einer solchen Überreizung kommen.

Eine weitere Erklärung für abendliches Weinen kann zudem auch sein, dass die Babys einfach absolut müde sind, aber es schlichtweg nicht schaffen los zulassen. Ganz häufig wird das abendliche Weinen als Bauchweh interpretiert, was jedoch in den allermeisten Fällen nicht zutrifft. Vielmehr führt das anhaltende Weinen überhaupt erst zu Bauchkrämpfen und Blähungen.

Das Weinen benutzen Babys, um auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Sie können noch nicht sprechen und haben keine andere Möglichkeit uns mitzuteilen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Die Befriedigung der Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Müdigkeit, frieren oder zu heiß, das Wechseln einer nassen Windel oder nach Nähe oder Beschäftigung (spielen) können sie nur durch Weinen einfordern.

Wenn man nun nach dem Grund für das abendliche Weinen sucht, dann wird man schnell feststellen, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass eins oder mehrere dieser Bedürfnisse jeden Abend zur selben Zeit so unglaublich drängen. Demnach ist es eher wahrscheinlich, dass die Babys keinen echten Grund für abendliches Weinen haben. Das heißt jedoch natürlich nicht, dass wir sie damit allein lassen sollten (Lies auch hier: Soll ich mein Baby schreien lassen? Bitte nicht!)2, sondern vielmehr, dass sie unsere Begleitung brauchen, auch wenn wir nicht immer sofort helfen können. Abendliches Weinen kommt bei kleinen Säuglingen in den ersten drei Lebensmonaten relativ häufig vor. Tägliches Weinen bis 1,5 Stunden sind noch im Normalbereich. Von einem Schreibaby spricht man erst, wenn das Baby an mindestens drei Tagen pro Woche für drei Stunden oder mehr schreit.

Abendliches Weinen – Was kann ich tun?

Das Allerwichtigste zuerst: Akzeptieren, dass es gerade so ist und du nichts tun kannst, außer dein Baby auf dem Arm zu halten, leise mit ihm zu sprechen und einfach da zu sein. Es gibt Situationen, in denen können wir nur annehmen, was gerade ist. Wenn wir damit in einen Kampf gehen, wütend werden oder in Selbstzweifel verfallen, verschlimmert sich die Situation nur noch. Denn der eigene innere Druck überträgt sich natürlich auf das Kind.

Wenn ein Partner da ist und das Baby es zulässt, dann wechselt euch ab. Solltest du tatsächlich wütend werden, dann hole dir bitte Unterstützung – entweder im Familienkreis oder auch professionell.

Bitte bedenke: Dein Kind möchte dich nicht manipulieren, es ist dazu noch nicht in der Lage. Es braucht deine feinfühlige Unterstützung und Begleitung.

Wenn du ein Tragetuch oder eine Tragehilfe hast, dann trage dein Kind am besten nah bei dir. Auch das wirkt beruhigend und vor allen Dingen kann es sich besser von Außenreizen abschotten. Du kannst auch nochmal einen kleinen Spaziergang im Tuch oder in der Trage machen. Auf viele Babys wirken die Bewegung und die frische Luft beruhigend, so dass sie loslassen können.

Auch das Pucken in einem engen SwaddleMe für Neugeborene kann dem Baby helfen, sich zu beruhigen. Im Pucksack wird die Enge im Uterus nachgeahmt und die Babys fühlen sich dadurch sicher und geborgen.

Als mein Sohn damals so klein war, half bei uns der Fön. Einmal schrie er einen Abend so stark, da stellten wir uns sogar vor die Dunstabzugshaube. Die hat ihn nach etwa dreißig-minütigem Dauergeschrei beruhigt – was waren wir erleichtert!

Es ist nicht leicht, das Schreien des Babys über einen längeren Zeitraum auszuhalten. Wir möchten, dass es zufrieden ist, aber manchmal „brauchen“ sie das abendliche Schreien, um sich entspannen zu können. Das hat absolut nicht mit deinen mütterlichen (väterlichen) Qualitäten zu tun. Du bist eine tolle Mutter bzw. ein toller Vater!

Was du in dieser Situation tun kannst? Begleite dein Kind feinfühlig und empathisch. Mach dir bewusst, dass es gerade keinen Mangel hat, den du beheben könntest und akzeptiere die Situation so, wie sie ist. Besonders in den ersten drei Lebensmonaten kommt es bei vielen Babys regelmäßig zum abendlichen Weinen –  bei etwa 85% der Babys hört es nach dem dritten Lebensmonat aber wieder auf. Letztendlich ist es eine Phase, die vorüber geht. Dafür kommen dann Neue 🙂

In diesem Sinne, alles Liebe

Eure Kira!

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Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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3 Kommentare Ein "Kurz gefragt: Abendliches Weinen"

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Tanja
Gast
Hallo Kira! Deine Artikel sind großartig! Sie haben mir schon viel geholfen. Mein Kleiner, 5 Monate, weint allerdings fast immer, wenn er müde wird. Nicht nur abends. Da dann häufig noch länger. Aber schon morgens das erste Mal nach dem Aufstehen, wenn er müde wird, weint er. Und dann geht das den ganzen Tag so weiter. Ich weiß, dass ich es einfach begleiten muss, aber manchmal würde ich einfach nur gern den Grund wissen. Wenn man ihm zuschaut, denkt man, einschlafen tut weh. Er zieht sich an den Ohren und kratzt sich im Gesicht. Irgendwann beruhigt er sich, nimmt den… Weiterlesen...
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