Krippen und Kindergärten – Qualität mangelhaft?

In den letzten Jahren kam es zu einem massiven Ausbau von Krippen und Kindergärten in Deutschland. Ich bin gerade auf diesen Artikel in der Zeit Online1 gestoßen und bin zutiefst entsetzt über die – zum Teil – wirklich mangelhafte Qualität in den Einrichtungen.

Wir befinden uns zurzeit selbst in der Kindergarten-Eingewöhnung und es ist für alle Beteiligten eine große Umstellung. Nach drei Jahren gemeinsamer Zeit ist dies der erste große Schritt in die Ablösung. Es ist ein Meilenstein, der verbunden ist mit Freude, aber auch Sorgen. Denn: Ich vertraue der Einrichtung mein Wichtigstes an!

Krippen und Kindergärten

Kinder brauchen in Krippen und Kindergärten vor allen Dingen zuverlässige Bezugspersonen, die emotional verfügbar sind.2

Wenn ich dann lese, dass es Einrichtungen gibt, in denen ein Kind innerhalb von fünf Tagen nicht ein einziges Mal (!!!) direkt angesprochen wird oder dass Kinder an einem ganzen Kita-Tag kein einziges Lächeln von der Erzieherin erhalten – dann bin ich wirklich zutiefst entsetzt. Ganz davon abgesehen, dass ein grobes Anfassen oder Anschreien natürlich absolut inakzeptabel ist!

Bildung statt Bindung?

Es macht deutlich, wie sehr die Bildung im Fokus der heutigen Zeit liegt – was jedoch vollkommen vergessen wird ist, dass es ohne BINDUNG keine Bildung geben kann. Seit es in den Krippen und Kindergärten einen Bildungsauftrag gibt, scheint in manchen Einrichtungen der alleinige Fokus darauf zu liegen. Dann werden zwar Projekte durchgeführt, aber die Bedürfnisse des Kindes nicht mehr wahrgenommen.

Dabei benötigen Kinder in den ersten Lebensjahren vor allen Dingen zuverlässige und emotional anwesende Betreuungspersonen. Wenn sie in einer Einrichtung betreut werden, dann ist die Bezugserzieherin diese wichtige Person für das Kind.  Und eine sichere Bindung kann nur dann entstehen, wenn die Erzieherin sich um eine Beziehung mit dem Kind bemüht.

Kindeswohlgefährdung in Krippen und Kindergärten?

Frau Becker-Stoll sagt in dem Interview mit der Zeit:

Wir haben immer noch keinen gesellschaftlichen Konsens darüber, was für Kinder in den ersten Lebensjahren wichtig ist. Damit meine ich die Beziehungen, die sie erfahren, und nicht die Experimente, die sie mit drei oder vier Jahren machen. Der überzogene Bildungsanspruch führt dazu, dass wir zu wenig über die Art des Aufwachsens reden. Noch immer werden Kinder zum Essen und Schlafen gezwungen oder zur Strafe auf einen „heißen Stuhl“ gesetzt – es gibt Eltern, die das mittragen, weil ihre Kinder „nicht verzärtelt werden“ sollen. Es gibt Einrichtungen, die noch nicht einmal eine Eingewöhnung anbieten, weil sie Angst haben, das könne die Trennung von den Eltern noch schwerer machen.

Vielleicht sollte uns endlich bewusst werden, dass für ein Kind akute Kindeswohlgefährdung besteht, wenn es keine emotionale Sicherheit erfährt? Trost, Feinfühligkeit und emotionale Beziehungen sind die entscheidenden Pfeiler einer gelingenden Betreuung in den Einrichtungen. Nur auf dieser Basis kann sich das Kind gesund entwickeln und später auch offen für die Bildungsangebote sein.

Augen auf bei der Wahl von Krippen und Kindergärten

Ich habe vor einiger Zeit bereits einen ausführlichen Artikel zur bindungsorientierten Eingewöhnung in den Kindergarten3 geschrieben, möchte aber noch einmal darauf hinweisen, worauf bei der Wahl unbedingt zu achten ist:

  • Gibt es eine – an dem Kind orientierte – Eingewöhnungszeit?
  • Dürfen die Eltern im Vorhinein hospitieren und sich den Kita-Alltag anschauen?
  • Gehen die ErzieherInnen aktiv auf die Kinder zu? Gestalten sie Beziehungen? Regelmäßige Interaktionen?
  • Wird mit den Kindern gekuschelt? Werden sie getröstet, wenn sie weinen?
  • Gibt es Bestrafungen (Ausgrenzung des Kindes, grobes Anfassen, Anschreien?)
  • Werden die Kinder zu bestimmten Dingen gezwungen (aufessen, Mittagsschlaf, sitzen bleiben, Bild ausmalen…)

Solltet ihr die letzten beiden Fragen mit „Ja“ beantworten, kann ich nur dringend empfehlen, euch nach einer anderen Einrichtung umzuschauen.

Abschließend bin ich sehr dankbar dafür, dass wir offensichtlich einen Leuchtturm unter den Kindertagesstätten gefunden haben. Lasst euch nicht die Verantwortung abnehmen! Es ist gut, wenn ihr der Einrichtung Vertrauen entgegen bringt, aber ihr seid die Eltern. Nehmt die Signale eures Kindes wahr und ernst. Schaut genau hin, hört auf eure Bauchgefühl und handelt, wenn es nötig ist! Es gibt wirklich gute Einrichtungen in Deutschland, in denen die kindlichen Bedürfnisse gesehen und wahrgenommen werden. Manchmal dauert es ein bisschen, bis wir sie gefunden haben. Nehmt euch die Zeit! Und es ist natürlich klar, dass in gewissen Dingen auch Abstriche gemacht werden müssen. Es ist eben keine Betreuung zu Hause, sondern in einer Kindertageseinrichtung. Aber darum geht es nicht. Wenn die Qualität der Beziehung stimmt, dann können in anderen Bereichen Abstriche gemacht werden. Fehlt jedoch die Basis, dann ist auch kein Raum mehr vorhanden, für mögliche Gespräche und Veränderungen.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen sonnigen Mittwoch!

Eure Kira

P.S.: Hast du Stress mit der Eingewöhnung deines Kindes in Krippe oder Kita? Dann kontaktiere mich und wir vereinbaren ein kostenloses Erstgespräch!4.

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Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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Jenniffer
Gast
Liebe Kira, vielen Dank für die Einblicke in euer derzeitiges Leben. Ich befasse mich auf meinem Blog mit dem Thema frühe Fremdbetreuung und setze mich dafür ein, dass das Kind in den ersten Lebensjahren zu seiner Mutter gehört. Auch, weil mich schockiert, was ich höre und lese, aber vor allem, weil ich schaue, wie es meinem Kind geht. Eine Kindereinrichtung (Krippe, Kita, Kindergarten oder wie sie alle heißen) ist NIEMALS bedürfnisorientiert. Das ist meine Meinung. Frau Becker-Stoll empfehle ich, sich mal mit dem Neufeld-Ansatz zu beschäftigen. Da erfährt sie nämlich, was für unsere Kinder in den ersten Lebensjahren wichtig ist!… Weiterlesen...
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