HappyBabys in der BILD – Ist langes Stillen gesund?

Hallo ihr Lieben,

unverhofft kommt ja bekanntermaßen oft: Am Samstag war ein weiterer Artikel in der BILD (von dem ich nichts wusste!) mit Foto von mir. Dieses Mal geht es um das Langzeitstillen und die Frage: Ist langes Stillen gesund? Insgesamt war der Artikel nicht schlecht, lesen könnt ihr ihn weiter unten. Ich möchte nun aber natürlich gerne auf den Artikel eingehen und einige Absätze etwas genauer durchleuchten.

Langes Stillen, Bindung

Langes Stillen – Ein Thema, das kontrovers diskutiert wird

In der ersten Spalte ganz unten heißt es: „Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät, sechs Monate ausschließlich zu stillen und dann unter Gabe von Beikost bis zum zweiten Lebensjahr zu stillen.“

Die Empfehlung der WHO ist leider nur unzureichend bzw. sogar falsch wiedergegeben. Im Original heißt es: „Exclusive breastfeeding is recommended up to 6 months of age, with continued breastfeeding along with appropriate complementary foods up to two years of age or beyond.“ Nachzulesen hier: Breastfeeding1

Das bedeutet: Bis zu einem Alter von sechs Monaten wird empfohlen ausschließlich zu stillen, danach unter geeigneter Beikost weiterstillen bis zum Alter von zwei Jahren (2.ter Geburtstag!) und darüber hinaus (so lange Mutter und Kind es wollen!). Das zweite Lebensjahr beginnt bereits mit dem ersten Geburtstag, so dass die BILD die Stillempfehlung der WHO an dieser Stelle schlichtweg falsch wiedergegeben hat!

Weiter geht es dann mit der Aussage, dass Studien zeigen, dass ein Beikostbeginn mit dem vollendeten vierten Lebensmonat das Allergierisiko senke. In der Leitlinie „Allergieprävention2 heißt es auf Seite 9: „Stillen hat viele Vorteile für Mutter und Kind. Die aktuelle Datenlage unterstützt die Empfehlung, dass für den Zeitraum der ersten 4 Monate voll gestillt werden soll.“

Bei dieser Aussage wird zum einen offensichtlich vergessen, dass das Stillen nicht nur viele Vorteile für das Kind hat, sondern vielmehr die normale Säuglingsernährung ist. Des Weiteren empfehlen WHO, AAP (American Academy of Pediatrics), NSK (Nationale Stillkommission) uva. das ausschließliche Stillen (nur Muttermilch!) und nicht das volle Stillen (Muttermilch + Saft, Wasser, Tee!). Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. schreibt: „Insgesamt zeigen die vorliegenden Daten keinen Nachweis unterschiedlicher Effekte einer ersten Gabe der Beikost im fünften im Vergleich zum siebten Lebensmonat auf das spätere Allergierisiko.“

Wann ist der richtige Zeitpunkt zur Beikosteinführung?

Das hängt individuell vom Kind ab, denn viel wichtiger als die Allergieprävention ist doch die Frage, ob das Kind überhaupt schon reif für die Beikost ist. Das bedeutet, Eltern sollten viel mehr auf die Beikostreife ihres Kindes achten, die sehr individuell und auf verschiedenen Ebenen zu beobachten ist:

  • Oral: Hat das Kind noch den Zungenstoßreflex (schiebt es die Nahrung mit der Zunge wieder raus)
  • Motorisch: Kann das Kind mit leichter Stützung im unteren Rücken alleine sitzen?Kann es nach der Nahrung greifen und sie zum Mund führen?
  • Zeigt das Kind Interesse an der Nahrung?

Einige wenige Babys sind mit dem vollendeten fünften Monat Beikostreif, die meisten jedoch erst mit sechs Monaten. Die einzelnen Reifungsschritte laufen in der Regel mit etwa sechs Monaten zusammen.

Womit wird am besten begonnen?

Der Bedarf des Kindes sollte berücksichtigt werden (Kalorien, Proteine, Eisen und Zink). Es gibt keinen Schutz durch spätere Einführung bestimmter Produkte. Vielmehr sollte dem Baby direkt die breite Palette des Familientisches angeboten werden. Zunächst wird mit geringen Mengen begonnen. Beikost sollte immer unter dem Schutz des Stillens eingeführt werden, das bedeutet: Die Muttermilch bleibt weiterhin Hauptnahrungsquelle. Die Muttermilch verfügt über die optimale Zusammensetzung, hat eine hohe Energiedichte und macht im Alter von 12 Monaten immer noch 70% der Nahrung aus. Bis zum Alter von zwei Jahren benötigen die Kinder noch etwa 200 – 500 ml/Tag Milch! Dem Baby sollte das Essen immer nur angeboten werden und niemals dazu gezwungen werden!

Wirkt sich langes Stillen auf die kindliche Psyche aus?

Winterhoff sagt in dem Artikel, dass ein Kind, welches mit 3 oder 4 Jahren noch gestillt wird, in seiner Entwicklung gehemmt wird. Hinzu kommen Hänseleien durch Gleichaltrige. Der Kinderarzt Herbert Renz Polster schreibt in seinem Buch „Kinder verstehen„: Dies ist aus evolutionärer Sicht nicht plausibel: körperliche Nähe und langes Stillen gehörte zu 99% der menschlichen Geschichte zu den unverhandelbaren Schutz- und Lebensbedingungen kleiner Kinder, die erst mit der Geburt des Geschwisterkindes nach durchschnittlich 3 bis 4 Jahren vom mütterlichen Schoß (und ihrem tragenden Rücken) in die gemischtaltrige Kindergruppe und das weitere soziale Netz des Clans „katapultiert“ wurden. Es ist nicht anzunehmen, dass dieser arttypische Standard in irgendeiner Weise für die seelische Entwicklung schädigend wirkt. Dies sieht auch der weltweit größte Verband von Kinderärzten, die American Academy of Pediatrics, so. Nach einer eingehenden Auswertung der wissenschaftlichen Literatur kam sie zu folgender Stellungnahme: »Es gibt (…) keine Hinweise auf schädliche Effekte auf die Psyche oder die Entwicklung des Kindes, wenn ins dritte Lebensjahr hinein oder länger gestillt wird.«

Auch die Nationale Stillkommission Deutschlands betont, dass „Beikosteinführung nicht mit Abstillen gleichzusetzen ist. Der endgültige Zeitpunkt des Abstillens ist eine individuelle Entscheidung, die gemeinsam von Mutter und Kind getroffen wird.“ 20 Aus kinderärztlicher Sicht gibt es somit keine wissenschaftlich haltbare Kritik am Langzeitstillen, und auch die Meinung mancher Psychologen, das lange Stillen schaffe eine ungesunde Bindung zur Mutter, muss damit hinterfragt werden.“ Vielmehr ist es so, dass Studien mit langzeitgestillten Kindern aus traditionellen Gesellschaften eine höhere Selbständigkeit aufwiesen als Kinder aus westlichen Gesellschaften, die nur kurz oder gar nicht gestillt wurden.

Beikost = Abstillen?

Die Einführung von Beikost bedeutet nicht, dass innerhalb der nächsten zwei Monate abgestillt werden sollte. Mutter und Kind entscheiden gemeinsam, wann der Zeitpunkt gekommen ist. Ich habe übrigen in diesem Artikel (Langzeitstillen – wirklich so unnatürlich) bereits auf den Artikel von Utta Reich Schottky verwiesen, die sich ausführlich mit dem biologischen Abstillalter3 befasst hat. Dieses liegt beim menschlichen Kind zwischen 2,5 und 7 Jahren – auch wenn es in unserer westlichen Kultur scheinbar vergessen worden ist.

Die Nationale Stillkommission4 schreibt: „Muttermilch ist die beste Nahrung für nahezu alle Säuglinge. Ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten ist für die Mehrzahl der Säuglinge die ausreichende Ernährung.Ab wann ein Säugling zusätzlich Beikost benötigt, ergibt sich individuell in Abhängigkeit vom Gedeihen und der Essfähigkeit des Kindes. Beikost sollte in der Regel nicht später als zu Beginn des 7. Lebensmonats und keinesfalls vor dem Beginn des 5. Monats gegeben werden. Beikosteinführung bedeutet nicht Abstillen, sondern eine langsame Verminderung der Muttermilchmengen und Stillmahlzeiten. Mutter und Kind bestimmen gemeinsam, wann abgestillt wird. Diese Empfehlungen geben einen Rahmen vor. Sie sollten nicht schematisch angewendet werden.“

Fazit

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass das Stillen die normale und richtige Ernährung für jedes Baby und Kleinkind ist. Es gibt offensichtlich keinerlei Hinweise darauf, dass das lange Stillen in irgendeiner Weise schädlich für das Kind ist. Vielmehr scheint es sogar eher so zu sein, dass sich das längere Stillen positiv auf die kindliche Entwicklung auswirkt.

Hier könnt ihr nun den Artikel lesen:

Langzeitstillen

Artikel in der BILD – Ist langes Stillen gesund?

In diesem Sinne: Vertraut eurem Instinkt, stillt eure Kinder so lange ihr wollt und lasst euch nicht von eurem Umfeld verunsichern!

Herzlichste Grüße,

eure Kira

P.S.: Fühlst du dich in Bezug auf das Stillen unsicher? Möchtest du gerne länger als sechs Monate stillen erfährst dafür aber Unmut in deinem Umfeld?  Dann kontaktiere mich und wir vereinbaren ein kostenloses Erstgespräch!5.

Oder fühlst du dich häufiger überfordert und gestresst im Umgang mit deinem Kind? Dann lade dir den kostenlosen Ratgeber „Fünf einfache Schritte für weniger Stress und Überforderung mit deinem Kind6 runter.

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Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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