Intuitives Stillen – Babygeleitetes Anlegen?

Intuitives Stillen - Für einen schmerzfreien Stillbeginn

Intuitives Stillen – Für einen wundervollen Stillbeginn voller Nähe und Geborgenheit1

Intuitives Stillen – Im englischen ist es eher bekannt unter den Begriffen „Biological nurturing“ oder „Laid back breastfeeding“, im deutschen wird es auch häufig „reflexgesteuertes Anlegen“ genannt. Gemeint ist immer das gleiche: Das Baby wird nicht angelegt, sondern es dockt sich von selbst an. Dabei ist die Mutter entspannt, lehnt sich zurück (darum „Laid back breastfeeding“) und das Baby liegt auf ihrem Bauch. Im besten Fall sind beide (Oberkörper) nackt, so dass naher Körperkontakt möglich ist.

Beim Intuitiven Stillen wird darauf vertraut, dass das Baby selbst in der Lage ist, sich das zu holen was es braucht. Das Baby erwartet physiologisch, dass es gestillt wird. Wenn ein Baby direkt nach der Geburt (also noch im Kreißsaal) auf den Bauch seiner Mutter gelegt wird (und KEINE Trennung stattfindet), dann wird es sich innerhalb der ersten Stunde nach der Entbindung von alleine zur Brust bewegen und dort andocken. Dazu nutzt es seine Arme, mit denen es sich abstützen kann, mit Zunge und Lippen sucht es die Brustwarze, es öffnet den Mund und saugt die Brustwarze weit nach hinten ein. Babys, die sich selbst andocken dürfen, sind seltener falsch angelegt und haben häufiger eine bessere Mundöffnung. Mamas, deren Brustwarzen bereits wund sind, berichten nach dem babygeleiteten Anlegen häufig, dass das Kind die Brustwarze besser einsaugt, dadurch weniger mit dem Kiefer kneift und das Trinken im Allgemeinen weniger wehtut.

Eine schwedische Studie2 konnte im Jahr 2013 zeigen, dass auch bei Säuglingen, die bereits einige Wochen alt sind, durch intuitives Stillen bereits vorhandene Probleme schnell beseitigt werden können. Selbst hier funktionieren die Reflexe noch und wenn die Mutter ruhig und entspannt ist, beginnen auch ältere Säuglinge, sich von selbst auf den Weg zu machen und sich anzudocken.

Wie geht intuitives Stillen?

Intuitives Stillen - Für einen harmonischen Stillbeginn ohne Schwieirgkeiten

Intuitives Stillen – Das Baby dockt sich von selbst an, wir vertrauen in seine angeborenen Fähigkeiten3

In diesem kurzen Video4 wird intuitives Stillen sehr schön gezeigt. Die Mutter liegt bequem zurück gelehnt, gestützt durch Kissen und als das Baby wach wird, unterstützt sie es beim Finden der Brustwarze. Auf Griffe in den Nacken, ein randrücken an die Brust oder hektisches Anlegen wird dabei völlig verzichtet. Das Baby findet von selbst die Brustwarze, dockt an und sinkt sofort zurück in den Schlaf. Deutlich wird, wie wichtig das Vertrauen in das Kind ist – aber die kindlichen Reflexe funktionieren hervorragend und das Kind findet selbständig an die Brust.

Am besten funktioniert intuitives Stillen, wenn beide nackt sind, das heißt dass du deinen Oberkörper frei machen solltest und auch das Baby sollte lediglich eine Windel anhaben. Wichtig ist, dass die Beine und Füße des Babys nackig sind, denn dort werden die Suchreflexe ausgelöst. Wenn das Stillen nach einigen Wochen wirklich gut funktioniert, müsst ihr natürlich nicht immer nackt stillen. Aber wenn euch danach ist, genießt die Nähe so häufig ihr mögt. Dein Baby sollte bäuchlings auf deinem Bauch liegen, so dass es etwas unterhalb deiner Brüste liegt. Wenn es Hunger bekommt, beginnt es, die Brustwarzen zu suchen. Das Baby sollte sich dabei gut auf dir abstützen können – sowohl mit den Unterarmen als auch mit den Füßen. Lege einen Arm locker um das Baby rum, so dass es nicht wegrutschen kann. Wichtig ist, dass du dich entspannst und einfach abwartest, was dein Baby macht. Wenn du das Gefühl hast, dein Baby braucht Unterstützung, dann gib sie ihm. Wenn du es beispielsweise etwas nach oben schieben möchtest, dann mach das. Du brauchst es aber nicht anzulegen, das kann es in dieser Position auch alleine. Weitere Infos zum intuitiven Stillen erhält du auf der Homepage von Suzanne Colson5, sowie in diesem Artikel6.

Wenn dein Baby sich angedockt hat, wird es nach kurzer Zeit deutlich vernehmbar anfangen zu schmatzen. Nun kannst du deinen Arm so um dein Baby legen, dass es seinen Kopf daran lehnen kann. Sollte die Nase zu sehr an die Brust gedrückt sein ziehe seinen Po etwas näher an deinen Körper. Solltest du Schmerzen haben, dann löse das Vakuum mit deinem kleinen Finger und lass es dein Baby nochmal versuchen. Wenn es richtig angedockt ist, könnt ihr beide die Nähe genießen und entspannen. Insbesondere in der Zeit des Wochenbettes ist intuitives Stillen eine wunderbare Möglichkeit Stillprobleme von Anfang an zu verhindern und eine sichere Bindung zu deinem Baby aufzubauen. Durch die körperliche Nähe könnt ihr beide euch kennen lernen und das Stillen wird schnell zur Normalität.

Alles Liebe, eure Kira!

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Empfohlene Literatur

Quellen

  1. Foto von Kati Molin
  2.  Schwedische Studie: Effects of mother-infant skin-to-skin contact on severe latch-on problems in older infants: a randomized trial
  3. Foto von Alina R
  4. Youtube Video von Breastfeeding Guide for Mothers: Breastfeeding Correctly
  5.  Homepage von Suzanne Colson: Biological Nurturing
  6.  Artikel des „Europäisches Institut für Laktation und Stillen“: Vom Kind geführtes Anlegen
Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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