5 Gründe warum wir ein Kind immer trösten sollten

Dein Kind trösten

Dein Kind zu trösten verzärtelt es nicht, sondern stärkt es!1

Sollten wir unser Kind immer trösten, wenn es weint? Oder wird es dadurch verzärtelt? Lernt es auf diese Art und Weise, dass es „nur so tun muss, als ob“ und dann springt schon irgendwer? Manipuliert es uns damit? Oder schwächen wir unser Kind dadurch vielleicht, denn es „muss ja auch mal lernen, selbst mit Schmerzen zurecht zu kommen“?

Diese Fragen sind mir so oder ähnlich in den letzten Tagen und Wochen immer wieder gestellt worden. Ich frage mich, welche Ängste dahinter stecken – wobei es natürlich an den Fragen schon auch ein bisschen deutlich wird.

„Wird unser Kind verzärtelt, wenn wir es trösten?“

Diese Frage wird mir wirklich oft gestellt. Doch was steckt dahinter? Offensichtlich die Angst, dass das Kind durch promptes trösten nach einem Sturz oder bei kleineren Verletzungen verweichlicht wird.

Es gibt natürlich immer wieder Situationen, in denen das Kind hinfällt und wir erst einmal kurz abwarten, wie seine Reaktion sein wird. Wenn es nicht besonders schlimm aussah, halten wir kurz inne, manchmal entfährt uns auch ein „huch“ oder „oh!“ oder ein „Vorsichtig“. Wenn das Kind nun relativ schnell wieder aufsteht, kurz zu uns schaut und dann mit dem weiter macht, was er vor dem Sturz getan hat, entspannen wir uns und alles geht seinen Lauf.

Was aber nun, wenn das Kind anfängt zu weinen. Der Sturz sah nicht schlimm aus und oft sagen wir dann: „War doch gar nicht so schlimm, steh schnell wieder auf.“ Nun – Tatsache ist: Das Kind weint! Also, war es offensichtlich schlimm! Verzärtel ich es nun, wenn ich zu meinem Kind gehe, um es zu trösten? Ein klares: Nein!!!

Stell dir einfach vor, du stürzt und dein Partner sagt zur dir: „Ach, das war aber doch nicht schlimm. Komm steh wieder auf und stell dich nicht so an…!“ Welche Gefühle würden dich in einem solchen Moment durchströmen? Wut? Traurigkeit? Empörung? Enttäuschung? Irritation? Ich bin mir sicher, es wäre zumindest nicht angenehm…!

5 Gründe, warum du dein Kind immer trösten solltest…

Wenn unser Kind nach einem Sturz weint – und völlig egal, wie harmlos das aussah – sollten wir immer zu ihm hingehen und es trösten! Warum? Im Folgenden nenne ich dir fünf Gründe:

  1. Durch deinen Trost fühlt sich dein Kind ernst genommen und gesehen. Auch wenn der Sturz vollkommen harmlos aussah, kann er für das Kind schlimm gewesen sein. Das können wir nicht beurteilen, da wir nun mal nicht im Kind stecken.
  2. Du verzärtelst dein Kind nicht, sondern signalisierst ihm, dass es dir wichtig ist, wie es ihm geht. Du gehst davon aus, dass es einen guten Grund hat zu weinen.
  3. Trösten stärkt außerdem schlichtweg eure Beziehung! Lies dazu auch den Artikel „Von der Erziehung zur Beziehung.“2 Und ich finde, dass das der wichtigste Punkt überhaupt ist. Ein Kind, dass getröstet wird nach einem Sturz, fühlt sich geborgen. Es fühlt sich sicher und traut sich dann auch eher, Dinge nochmal auszuprobieren – auch dann wenn sie zu Beginn noch schwierig sind! Womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären…
  4. Dein Kind zu trösten stärkt es in seinem Selbstwert. Die Stärke eurer Beziehung/Bindung und das Selbstwertgefühl deines Kindes sind unmittelbar miteinander verknüpft. Wenn wir unserem Kind zeigen, dass es für uns einen Wert hat, dass wir es ernst nehmen in seinen Gefühlen und Bedürfnissen, dann geben wir ihm etwas sehr wichtiges mit – den Selbstwert!
  5. Du kannst die Gefühle deines Kindes spiegeln, indem du beispielsweise sagst: „Mensch, da hast du dich aber erschrocken, nicht wahr. Der Sturz kam so plötzlich und dann lagst du auch schon auf dem Boden. Hast du dir weh getan? Komm ich puste mal.“ Wenn du dein Kind auf diese Art und Weise begleitest, lernt es zwei Dinge: 1. Mama nimmt mich ernst und 2. es lernt, seine Gefühle zuzuordnen. Es war erschrocken über den Sturz. Mit deiner Hilfe kann es diesen Schreck nun zuordnen: Es weiß nun, wie es sich anfühlt, erschrocken zu sein.

„Aber manipuliert es uns nicht, wenn es immer sofort losplärrt? „

Trösten - Es ist wichtig für die Beziehung zu deinem Kind

Dein Kind versucht nicht dich zu manipulieren. Beim Trösten stärkst du eure Beziehung und das kindliche Selbstwertgefühl!3

Nein, ein Kleinkind ist nicht dazu in der Lage seine Eltern zu manipulieren. Wenn ein Kind weint, dann hat es ein Bedürfnis! Das ist im Falle eines Sturzes oder einer Verletzung vermutlich das Bedürfnis nach körperlicher Nähe, Sicherheit, Geborgenheit. Wenn wir unserem Kind unterstellen, es wolle uns manipulieren, tun wir ihm großes Unrecht. Ich habe hierzu vor einiger Zeit eine Frage in der „Kurz gefragt“-Rubrik beantwortet. Wenn du das lesen magst, dann klicke auf den Link: Kurz gefragt: Manipuliert mich mein Kind?4 Das menschliche Gehirn ist im Kleinkindalter noch in der Entwicklung und die Fähigkeit – gezielt und verdeckt Einfluss auf andere Menschen zu nehmen – schlichtweg noch nicht vorhanden. Wir können uns von diesem Gedanken also getrost verabschieden und unser Kind, wenn es nach einem Sturz weint, einfach trösten und kurz begleiten. Lies vielleicht an dieser Stelle auch einmal meinen Artikel zum Thema Verwöhnen: Das Geheimnis vom verwöhnten Kind.5

„Das Kind muss auch mal lernen, allein zurecht zu kommen“

Nun, so seltsam es klingen mag: Auch diesen Satz habe ich schon zu hören bekommen. Wohlgemerkt sprechen wir hier von Kleinkindern, nicht von fünfzehn Jährigen pubertierenden Jugendlichen! Mir bleibt, wenn ich sowas höre, vor Irritation tatsächlich schon fast der Mund offen stehen. Und ich frage mich, wie hoch die Erwartungen an die Kinder der heutigen Zeit eigentlich sind.

Mal davon abgesehen, dass ich von dem Wörtchen „muss“ ohnehin nicht besonders viel halte, aber in diesem Zusammenhang finde ich es tatsächlich abenteuerlich.

Wonach sehnen wir Erwachsenen uns eigentlich fast alle? Nach einem Partner, mit dem wir uns gut verstehen, der uns in den Arm nimmt, wenn es uns schlecht geht und der für uns da ist. Eben genau die Dinge, die sich auch unsere Kinder wünschen. Unsere Kinder haben nur uns. Und wenn unser Kind weint, dann braucht es uns!!! Und wenn es gerade hingefallen ist, dann braucht es uns ganz besonders. Lies dazu meinen Artikel zur Achtsamkeit im Umgang mit unseren Kindern.6

Kein Kind muss lernen, allein zurecht zu kommen!

Also bitte, vergesst solche Sätze ganz schnell. Kein Kind muss lernen, allein zurecht zu kommen. Und schon absolut gar nicht, wenn sie zwei, drei, fünf, sieben oder zehn Jahre alt sind. Menschen gehören zu den Säugetieren, deren Aufzucht recht lang dauert und den Eltern sicherlich auch einiges abverlangt – aber sie brauchen uns, wirklich! Bitte lasst euer Kind nicht weinen, egal in welchem Zusammenhang.

Ja, es ist manchmal anstrengend. Tage, an denen man dem Kind nichts recht machen kann gibt es immer wieder mal. Ja, das kann nervig sein und ja, am Abend sind wir froh, wenn sie schlafen. Aber bitte: Erfüllt euren Kindern das Bedürfnis nach Nähe, Geborgenheit und Sicherheit. Es ist so wichtig und ihr gebt euren Kindern auf diese Art und Weise das Fundament für das gesamte Leben mit. Wie heißt es so schön?

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht

An diesem Spruch ist viel Wahres dran, denn: Kinder durchlaufen natürliche Entwicklungsschritte. Die Loslösung kommt in einem gesunden Familiensystem ganz von selbst und immer zum richtigen Zeitpunkt. Wir können diese Dinge nicht beschleunigen (weder den Moment, zu dem das Kind beginnt zu Laufen, zu Sprechen oder Trocken zu werden. Ebenso ist es mit dem Weinen nach einem „harmlosen Sturz“). Das Zauberwort an dieser Stelle lautet: Vertrauen!

Vertrauen in dein Kind, dass es sich absolut wunderbar entwickelt – entsprechend seinen Anlagen, Fähigkeiten und Vorlieben. Ein Kind, welches mit drei Jahren noch sehr viel Mama-Nähe braucht, ist absolut normal und auch dieses Kind wird sich zu seinem Zeitpunkt Schritt für Schritt von seiner Mama loslösen. Wir brauchen nichts beschleunigen – einfach zurücklehnen und genießen. Die Zeit geht ohnehin viel zu schnell vorbei!

In diesem Sinne wünsche ich euch einen wunderbaren Tag!

Eure Kira!

P.S.: Fühlst du dich häufiger überfordert und gestresst im Umgang mit deinem Kind? Dann lade dir den kostenlosen Ratgeber „Fünf einfache Schritte für weniger Stress und Überforderung mit deinem Kind7 runter.

Oder hast du das Gefühl, du benötigst mehr Unterstützung? Dann wäre ein individuelles Elterncoaching vielleicht was für dich. Kontaktiere mich und wir vereinbaren ein kostenloses Erstgespräch!8

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Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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