Eltern-Kind-Bindung – Teil 2

Im ersten Artikel zur Eltern-Kind-Bindung „Die Sichere Bindung – Teil 11 wurde bereits ausführlich beleuchtet, wie wichtig Bindung für ein Kind ist und dass es ohne eine nahe Bindungsperson, die es liebt und es vor Gefahren beschützt, nicht überleben kann. In diesem zweiten Teil wird nun noch weiter auf die Eltern-Kind-Bindung eingegangen. Hierbei liegt der Augenmerk jedoch mehr auf der Bindung zu Kindern, die älter als ein Jahr sind.

Bindung als überlebenswichtiges System

Bindung ist ein überlebenswichtiges System, welches unabhängig ist vom Nahrungs- und Sexualtrieb ist. Ohne die natürlich angeborene Fähigkeit sich zu binden würden wir Menschen nicht existieren. Dies ist nicht nur bei den Menschen so, sondern bei den meisten Säugetieren.

Wie im ersten Teil zur Eltern-Kind-Bindung bereits beschrieben, tun wir Eltern besonders im ersten Lebensjahr unseres Kindes also eine ganze Menge, damit es sich gut entwickelt. Das ist uns natürlich wichtig. Doch spätestens mit dem ersten Geburtstag (und oft auch schon eher), denken wir, nun müsse sich unser Kind so langsam mal etwas von uns lösen und es müsse nun erzogen werden. Da kommen schnell Ängste hoch, dass das Kind ewig an uns kleben wird und es NIEMALS selbständig wird, wenn wir bei jeder Kleinigkeit reagieren. Es scheint, als sei der erste Geburtstag eine unsichtbare Grenze, an der wir nun beginnen sollen, unser Kind zu erziehen und es vorzubereiten auf das harte Leben. Schließlich ist die Welt kein Ponyhof!

Die Bindungsforschung zeigt jedoch, dass es immens wichtig ist (und zwar auch über den ersten Geburtstag hinaus) das die Kinder erfahren, dass sie beschützt, geliebt und wertgeschätzt werden.

Gute Eltern-Kind-Bindung zwischen Vater und Tochter vermittelt durch körperliche Nähe

Vater und Tochter – Körperliche Nähe fördert eine gute Eltern-Kind-Bindung2

Denn was brauchen Kinder wirklich in den ersten Lebensjahren?

Wie gesagt, sie benötigen sichere Bindungspersonen. Jemanden, der in der Lage ist, feinfühlig und akzeptierend zu begleiten. Jemanden, der das Kind so annimmt, wie es ist: Mit all seinen Charakterstärken und Eigenheiten. Die bringt jeder Mensch ganz natürlich mit. Eine sichere Eltern-Kind-Bindung kann nur dann entstehen, wenn sich das Kind geliebt, angenommen und wertgeschätzt fühlt. Wenn es so akzeptiert wird, wie es ist – ganz ohne Leistungsdruck und überfordernd hohe Erwartungshaltungen.

Wir vergessen oft, dass ein zweijähriges Kind schlichtweg noch nicht in der Lage ist eine halbe Stunde oder länger ruhig am Tisch zu sitzen. Oder dass es eben so lange dauert, wie es eben dauert, bis das Kind trocken ist. Wir neigen dazu unsere Kinder mit unseren Erwartungen zu überfordern. Und manchmal tun wir plötzlich genau das Gegenteil. Dann trauen wir ihnen nichts zu, versuchen jeden Sturz durch „Achtung-renn-nicht-so-schnell,- du-fällst-sonst-hin“ -Rufe zu verhindern (kurz drauf fällt das Kind dann meistens auch tatsächlich hin) oder nötigen sie punkt halb acht ins Bett, obwohl das Kind sehr wohl selbst weiß, ob es müde ist oder nicht.

Es geht mir nicht darum, solche Erziehungsmaßnahmen zu bewerten und jede Familie muss selbst schauen, wie sie den Umgang mit ihren Kindern gestaltet. Ich bin allerdings fest davon überzeugt, dass diese Verhaltensweisen wenig bindungs- und beziehungsfördernd sind. Im Gegenteil: Ich glaube, dass wir durch ständiges Einwirken, egal in welche Richtung, die Beziehung und dementsprechend auch die Bindung zu unserem Kind schwächen. Wir sollten uns immer klar machen, was wir uns wünschen: Selbstbewusste Kinder oder kleine Marionetten, denen schon früh jedes Gefühl für Eigenständigkeit abtrainiert worden ist?

Sichere Eltern-Kind-Bindung – Ein Fundament für das gesamte Leben

Eine sichere Eltern-Kind-Bindung: Das ist es, was unsere Kinder benötigen. Am besten lässt sich das erreichen, indem wir unseren Kindern Wertschätzung, Akzeptanz und Verständnis entgegen bringen. Es sind Kinder, keine kleinen Erwachsenen. Und sie brauchen Menschen um sich herum, die ihnen liebevoll zeigen, wie das Leben in unserer sehr engen Gesellschaft funktioniert.

Mit ständigen Phrasen wir „Tu dies nicht“, „Lass das sein“, „Nein, habe ich gesagt“ oder „Wenn ich das noch einmal sagen muss, dann….“ werden wir es niemals erreichen, dass unsere Kinder sich in ihrem Sein wirklich angenommen fühlen. Sie werden sich entweder anpassen oder rebellieren und genau das Gegenteil tun.

Eine glückliche Mutter mit ihrem Kind - So entwickelt sich eine gute Eltern-Kind-Bindung.

Eltern-Kind-Bindung: Glückliche Mutter mit Kind3

Wenn wir jedoch bindungsorientiert mit ihnen umgehen, dann tun sie zwar auch nicht immer das was wir wollen (und das sollen sie ja auch nicht!!) aber sie fühlen sich wertgeschätzt und geliebt – immer. Und sie sind bereit mit uns zu kooperieren…! Kinder wollen immer Harmonie, sie wollen uns gefallen und mit uns „zusammen arbeiten“.

Die sichere Bindung an die Bezugspersonen stellt ein Fundament für das gesamte Leben dar. Wenn dieses Fundament bereits bröckelig ist, dann haben die Kinder bestimmte Risikofaktoren für spätere Entwicklungsschwierigkeiten.

Letztendlich sollte uns Eltern immer bewusst sein, dass wir die Verantwortung dafür tragen, wie unsere Kinder sich entwickeln!

Alles Liebe, eure Kira!

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Empfohlene Literatur

Bindung stärkt: Emotionale Sicherheit für Ihr Kind – der beste Start ins Leben

Kinder brauchen Nähe: Sichere Bindung aufbauen und erhalten.

Quellen

  1. Kira Schlesinger: Sichere Bindung aufbauen
  2. Foto von Halfpoint
  3. Foto von Svetlana Fedoseeva
Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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