Kurz gefragt: Sollten Eltern immer an einem Strang ziehen?

Wir sollten doch an einem Strang ziehen, wenn es um Kindererziehung geht, oder? Sonst nehmen die Kinder uns ja überhaupt nicht mehr ernst. Im schlimmsten Fall spielen sie uns gegeneinander aus!

Wenn Eltern nicht an einem Strang ziehen...

Müssen Eltern immer an einem Strang ziehen? Konflikte im Familienalltag sind normal und gehören auch dazu.1

Diese Sorgen höre ich immer wieder, wenn ich mich mit Eltern unterhalte. Kinder benötigen demnach Eltern, die sich immer einig sind und Entscheidungen gemeinsam treffen. Und wenn sie sich nicht einig sind, dann zeigt man das bitte niemals vor den Kindern! Ansonsten lernen die Kinder sehr schnell, bei wem sie was dürfen und bei wem nicht.

Ein kleines persönliches Beispiel: Mein Sohn hasst das Fußnägel schneiden. Meinem Mann ist das extrem wichtig, er hat Angst vor eingewachsenen Zehennägeln und aus dieser Sorge heraus baut er Druck auf und versucht unseren Sohn von der Notwendigkeit zu überzeugen. Mir selbst ist es wichtiger, dass wir die körperliche Integrität unseres Kindes wahren, das heißt, er sagt klar: „Ich will das nicht“, also respektiere ich das und spreche es einfach immer mal wieder an. Weder mein Mann noch ich fühlen uns in einer solchen Situation mit unserem Bedürfnis gesehen und nicht selten führt es zu Diskussionen. Dennoch erlebt unser Kind in den allermeisten Fällen, wie wir eine Lösung für den Konflikt finden. In dieser speziellen Situation übernehme  letztendlich ich die Verantwortung für das Zehennägel schneiden und wir machen es in einer ruhigen Minute alleine. Erstaunlich: Ohne Druck funktioniert es dann meistens doch recht gut.

Fakt ist, wenn wir in Gemeinschaften leben, dann wird es immer wieder vorkommen, dass wir mit anderen Menschen nicht einig sind und nicht an einem Strang ziehen

Konflikte gehören zum Leben dazu und sind für unsere Weiterentwicklung äußerst wesentlich. Wir werden niemals mit unserem Partner in einer solchen Einheit leben, dass wir uns immer einig sind. Das wäre unnatürlich und entbehrt sicherlich jeder Realität. Und natürlich gibt es auch immer wieder Situationen, in denen der eine vielleicht „Ja“ zu etwas sagt und der andere „Nein“. Wir können – speziell in der Kindererziehung – nicht immer an einem Strang ziehen. Sicherlich ist es sehr gut, wenn Eltern sich in den wesentlichen Aspekten der Kindererziehung einig sind, aber es wird immer wieder Themenbereiche geben, in denen Eltern unterschiedlicher Auffassung sind. Dies ergibt sich allein aus unseren unterschiedlichen Biografien, denn natürlich übernehmen wir – sowohl unbewusst als auch bewusst – eigene gemachte Erziehungserfahrungen.

Ebenso kann es vorkommen, dass einer von beiden das Gefühl hat, in einer Situation sofort eingreifen zu müssen oder  dass er Dinge direkt ansprechen will. Auch das ist natürlich, denn manche Themen kann und will man nicht aufschieben bis die Kinder fünf Stunden später endlich schlafen.

An einem Strang ziehen – Was können wir Eltern tun?

Zunächst ist es wichtig, empathisch für unser Kind zu bleiben und daran zu denken, wie es sich anfühlt vor „einer Mauer von Eingkeit“ zu stehen. Viele kennen das Gefühl aus der eigenen Kindheit – es ist nicht schön! Aus diesem Grund ist es durchaus legitim auf der Seite des Kindes zu stehen, wenn man die Meinung des Partners nicht authentisch vertreten kann.

Außerdem sollten wir anerkennen, dass wir nicht immer einer Ansicht mit dem Partner oder anderen Menschen sein können und dass es vollkommen normal ist, dass wir unterschiedlicher Meinungen sind. Zu denken, man könne immer an einem Strang ziehen ist schlichtweg utopisch. Wir können unseren Kindern jedoch vorleben, wie solche Konflikte gelöset werden können. Es geht darum, authentisch zu bleiben und Konflikte konstruktiv zu lösen, das heißt die Integrität des anderen (nicht nur die des Kindes, sondern auch des Partners) zu respektieren und nicht verbal anzugreifen.

Das gelingt nicht immer direkt beim ersten Mal und manchmal braucht es zunächst ein wenig Abstand. Wichtig ist aber, dass die Kinder miterleben, wie Mama und Papa den Konflikt letztendlich lösen. Wir sind Vorbilder für unsere Kinder und an diesem Vorbild lernen sie, wie Konflikte konstruktiv gelöst werden können. Das bedeutet für uns Eltern, dass wir unser eigenes Verhalten immer wieder reflektieren dürfen und vor allen Dingen auch mit unserem Partner über unsere Ängste, Sorgen und Bedürfnisse sprechen. Nur wenn wir in Kontakt zueinander bleiben, können wir in Konfliktsituationen empathisch für die Bedürfnisse des Anderen bleiben.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen wundervollen Tag mit euren Kindern!

Eure Kira 🙂

Ach übrigens: Hier habe ich einen interessanten Artikel zum Verwöhnen von Kindern geschrieben und hier bekommt ihr einen spannenden Artikel zum Umgang mit Wutanfällen bei Kindern. Und hier erfahrt ihr, warum Kinder keine Erziehung brauchen – Von der Erziehung zur Beziehung. Viel Spaß beim Lesen! 🙂

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Quellen

  1. Foto von VGstockstudio
Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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