Die sichere Bindung – Teil 1

Die sichere Bindung – Wie entsteht sie und wozu braucht ein Baby sie? In diesem ersten Teil geht es darum, wie Eltern zu ihren Kinder eine sichere Bindung aufbauen können. Der Fokus liegt darauf, euch einen Überblick darüber zu geben, was ein Säugling benötigt und wie wir ihm seine Bedürfnisse erfüllen können. Die sichere Bindung ist für mich persönlich ein Phänomen zwischen Eltern und ihren Kindern, welches absolut faszinierend ist und aus diesem Grund möchte ich heute auch genau darüber schreiben.

Was erwartet uns, wenn wir Eltern werden?

Wenn ein Säugling zur Welt kommt, ist er völlig hilflos und darauf angewiesen, dass sich jemand um ihn kümmert. Was benötigt solch ein Säugling? Er braucht vor allem Nahrung, Fürsorge, Schutz. Wärme und Geborgenheit. Jemand, der ihn bei sich auf dem Arm trägt, der ihn liebt. Bedingungslos. Uns Eltern ist bewusst, dass unser Baby uns braucht und wir sind in den ersten Wochen auch in den meisten Fällen bereit, alles zu geben. Wir wissen zwar nicht wirklich, was da auf uns zukommt, aber wir haben eine Ahnung. Wir wissen zum Beispiel, dass wir an Schlafmangel leiden werden. Wir wissen auch, dass Babys schon mal schreien – besonders gegen Nachmittag und am Abend. Wir wissen, dass ein Baby getragen werden mag. Und wir wissen auch, dass sie uns brauchen um zu überleben. Also tun wir all diese Dinge gerne, denn wir wollen ja, dass es unserem Kind gut geht. Wir tragen es, wir verzichten auf Schlaf, wir stehen Nachts auf um es zu stillen und die Windel zu wechseln. Wir tun dies aus Überzeugung und Liebe.

Mama und Kind sind sich körperlich nah und bauen so eine sichere Bindung auf!

Die sichere Bindung: Durch körperliche Nähe baut die Mama hier eine sichere Bindung zu ihrem Kind auf!1

Können wir unsere Kinder verwöhnen, wenn wir ihnen das geben, was sie wirklich brauchen?

Doch meist lassen sie nicht lange auf sich warten – die „Ich-weiß-es-besser-als-du-ich-habe-schließlich-fünf-Kinder-großgezogen-Ratschlaggeber“. Meistens einer älteren Generation zugehörig lassen sie uns wissen, dass das was wir da mit unseren Kindern „veranstalten“ ja absolutes Verwöhnen ist, geradezu fahrlässig! Denn, so wird dann erklärend hinzugefügt „wenn du ihn bei dir schlafen lässt, bekommst du ihn nie mehr aus dem Bett“ oder „Lass ihn ruhig auch mal schreien, denn das stärkt die Lunge und hat noch keinem Kind geschadet“. Nun: Es stimmt NICHT! Nein, es ist geradezu falsch, was uns die älteren Menschen dort so wissend raten. Es gibt sicherlich Sachen, über die man einfach unterschiedlicher Meinung sein kann. Das ist Fakt, denn jeder sieht die Dinge durch eine andere Brille und das ist auch völlig okay so. ABER: Man kann ein Baby nicht verwöhnen!! Und ich möchte nun ausführen warum nicht!

Die sichere Bindung und ihre Entstehung im ersten Lebensjahr

Im Laufe des ersten Lebensjahres beginnen Kinder sich zu binden. Hauptbindungsperson wird die Person, die besonders feinfühlig mit dem Kind umgeht und in der Lage ist, die Bedürfnisse des Kindes zu erkennen und adäquat zu befriedigen. Meistens ist das die Mutter, muss jedoch nicht zwangsläufig so sein. An dieser Stelle spreche ich aber nun der Einfachheit halber von der Mutter. Der Mensch ist sein Leben lang in der Lage, immer wieder neue Bindungen einzugehen. Allerdings sind gerade für die ersten Lebensjahre zuverlässige Bindungspersonen absolut wesentlich. Diese stellen, wie weiter oben bereits geschrieben, das Überleben des Kindes sicher. Die ersten Lebensjahre sind prägend für die gesunde Entwicklung von Kindern. Ein Kind welches erfahren hat, dass Mama immer da ist und es tröstet, wenn es Angst oder Schmerzen hat, die sicherstellt dass es immer Nahrung gibt, wenn es hungrig ist und die es vor Gefahren beschützt, wird mit größter Wahrscheinlichkeit eine sichere Bindung zu seiner Mama aufgebaut haben.

Diese frühkindliche sichere Bindung stellt einen Schutzfaktor für das gesamte Leben dar. Kinder, die eine sichere Hauptbindungsperson hatten, einen „sicheren Hafen“ von dem aus sie die Umwelt erkunden durften, zudem sie aber gleichzeitig bei Angst und Schmerz auch immer zurückkehren dürfen, werden auch in der Pubertät in der Lage sein, sich Hilfe zu holen, wenn es Probleme gibt.

Ein Kind, welches im Familienbett schläft, lange gestillt wird und dessen Schreien sofort beantwortet wird, wird demnach niemals verwöhnt sein! Stattdessen baut es eine sichere Bindung zu seiner Hauptbindungsperson auf. Es hat die Erfahrung machen dürfen, dass es Menschen gibt, denen es wichtig ist. Schreien lassen stärkt nicht, sondern es bedeutet Stress! Stress führt nicht dazu, dass ein Kind sich geborgen und sicher fühlt. Stattdessen resigniert das Kind und erfährt, dass es nicht wert ist, dass man sich um es kümmert.

Aus diesem Grund finde ich es sehr wichtig, immer auf den eigenen Instinkt zu hören und sich von den gut gemeinten Ratschlägen in unserer Umgebung abzugrenzen. Ich wünsche jeder Mama die Kraft, auf ihr inneres Gefühl zu hören und für sich und ihr Kind einzutreten.

Weitere Infos zum Thema findet ihr beispielsweise auf:

SAFE-Programm Dr. Brisch2

Im nächsten Blogartikel geht es um die Bindung zwischen Eltern und den älteren Kindern.

Alles Liebe, eure Kira!

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Empfohlene Literatur

Quellen

  1. Foto von Alexandr Vasilyev
  2. Brisch, Karl Heinz: SAFE-Programm
Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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