Drei Tipps die eigenen Bedürfnisse zu erspüren

Die eigenen Bedürfnisse zu erspüren, fällt vielen von uns nicht leicht. Allerdings erleichtert es unser Zusammenleben mit unseren Kindern um einiges, wenn es uns gelingt Zugang zu unseren eigenen, tiefen Bedürfnissen zu bekommen. Wir können nur dann wirklich authentisch sein, wenn wir wissen, was  uns bewegt und was wir selbst brauchen. Haben wir dazu keinen Zugang, kann es passieren, dass wir unsere eigene Bedürftigkeit auf unsere Mitmenschen (auch auf unsere Kinder) projizieren. Im Folgenden erhaltet ihr drei Tipps, wie ihr mehr Zugang zu euren Bedürfnissen bekommt – für einen bessere Beziehung zu euren Kindern. Schaut euch hierzu auch mein erstes Youtube-Video an!

 

Die eigenen Bedürfnisse erspüren

Vielen von uns wurde der Zugang zu unseren Bedürfnissen in der Kindheit abtrainiert. Es war wenig Raum dafür da, die eigenen Bedürfnisse zu erspüren und die meisten von uns mussten sich ohnehin an die Bedürfnisse der Eltern anpassen. Wir wollen es heute anders mit unseren Kindern machen, das setzt jedoch voraus, dass wir Zugang zu uns selbst bekommen. Denn ohne das Wissen, was wir eigentlich wollen, ist es schwierig, authentisch im Umgang mit unseren Kindern zu sein. Die folgenden drei Tipps können euch dabei helfen, eure Bedürfnisse wieder mehr zu spüren:

  • Entschleunigung – In der doch sehr hektischen heutigen Zeit stehen wir ständig unter Druck. Wir hetzen von einem Termin zum nächsten, treiben unsere Kinder zur Schnelligkeit an und unserer To-Do-Listen sind lang und länger. Die Folgen: Wir fühlen uns gestresst, werden ungeduldig und verlieren völlig den Kontakt zu uns. Wie können wir im hektischen Alltag entschleunigen?
    Ruhe, Pause, Bedürfnisse

    Eine kurze Ruhepause kann bereits viel Entspannung in den Alltag bringen

    Indem wir uns ganz bewusst entschleunigen – wir legen uns ganz bewusste (kurze) Auszeiten in den vollen Alltag. Das bedeutet: Immer wenn du merkst, dass dein Stresspegel steigt, nimmst du dich bewusst einen Augenblick (fünf bis zehn Minuten) zurück und trinkst beispielsweise eine Tasse Tee oder Kaffee, isst ein Stück Trockenobst oder etwas anderes, was dir in der Situation gut tut. Es kostet manchmal ein bisschen Zeit herauszufinden, was uns wirklich gut tut und uns nährt. Gönne dir diese Zeit und probiere aus, was es sein könnte. Diese kleinen Oasen im täglichen Stress sind nur für dich!

  • Atmen – Durch unseren Atem können wir bewusst Einfluss auf unseren Stress nehmen. Wichtig ist die Erkenntnis, dass wir uns den Stress in den allermeisten Fällen tatsächlich selbst machen. Ich verdeutliche das an einem aktuellen Beispiel aus meinem Leben:

Ein Beispiel aus unserem Leben: Am letzten Donnerstag hatten wir den Termin zur U7a. Wir waren bestimmt schon zehn Minuten gefahren, da fiel mir auf, dass ich das U-Heft zu Hause hatte liegen lassen. Fluchend bin ich umgedreht und nach Hause gefahren, um es zu holen. Ich war plötzlich völlig gestresst, denn so konnten wir keinesfalls pünktlich beim Kinderarzt sein. Nachdem ich das U-Heft geholt hatte, rief ich also beim Kinderarzt an und gab Bescheid, dass wir voraussichtlich eine viertel Stunde zu spät sein würden.

Durch diese Maßnahme habe ich den Stress für mich völlig runtergefahren. Ich hätte genau so gut rasen, fluchen und mich über die langsamen Autofahrer aufregen können. Stattdessen habe ich mich in dieser Situation bewusst zurück genommen, Musik angemacht, die mir und meinem Sohn gefällt und tief geatmet. Ich habe für eine Pause in der stressigen Situation gesorgt.

Bedürfnisse

Der Zugang zu unseren eigenen Bedürfnissen macht uns authentisch im Umgang mit unseren Mitmenschen

Das Problem mit unserer Atmung liegt darin, dass wir viel zu oft nur sehr flach und unbewusst atmen. Befinden wir uns dann plötzlich in einer stressigen Situation, dann beginnen wir hektisch zu atmen. Wir atmen schnell ein, aber nicht lange genug aus. Dies führt dazu, dass wir im Körper einen Überschuss an Sauerstoff haben, der wiederum zu einem Anstieg des Ph-Wertes führt. Steigt unser Ph-Wert, sinkt automatisch (und rapide) der Kalziumspiegel. Kalzium ist jedoch wichtig, um uns mit Stress gut umgehen zu lassen. Haben wir nur einen niedrigen Kalziumspiegel, dann werden wir immer anfälliger für Stress. Ein Teufelskreislauf.

Die Lösung? Regelmäßig, bewusst und tief atmen. Die meisten Menschen von uns atmen innerhalb von einer Minute etwa 16-20 Mal. Das ist viel zu häufig. Wenn wir einige Male täglich bewusst fünf Minuten atmen, werden wir schnell sehr viel entspannter werden. Ein Atemrhythmus besteht aus drei Phasen, dem Ein- und Ausatmen und der Atempause. Ziel ist es, in einer Minute maximal fünf Mal ein und auszuatmen. Wie atme ich richtig?

Setze dich bequem hin, lege eine Hand auf deinen Bauch und lasse deinen Atem kommen und gehen. Atme durch die Nase tief ein, so dass die Atmung bis in den Bauch geht. Ebenso atmest du durch die Nase aus. Danach machst du so lange Pause, bis der Atem von selbst wieder kommen will. Achte dabei bewusst darauf, deine Schultern zu entspannen und runter zu nehmen. In stressigen Situationen ziehen wir die Schultern automatisch hoch, was für den gesamten Körper sehr anstrengend ist.

  • Eigenen Bedürfnisse erspüren – Wie weiter oben bereits geschrieben, wurde vielen von uns das Erspüren der eigenen Bedürfnisse frühzeitig abtrainiert. Oft wissen wir nicht, was wir wollen und wir fühlen uns zerrissen zwischen mehreren Möglichkeiten.Unterschieden werden eine Reihe an Bedürfnis-Kategorien (nach Maslow). Die Erfüllung der Grundbedürfnisse (nach essen, trinken, atmen, wärme) stehen dabei natürlich an oberster Stelle und erst, wenn diese erfüllt sind, können wir uns mit unseren anderen Bedürfnissen, Träumen und Sehnsüchten, beschäftigen. Es gibt neben den Grundbedürfnissen auch noch verschiedene emotionale Bedürfnisse, wie beispielsweise nach Liebe, Wertschätzung, Anerkennung, Sicherheit und so weiter.In unserer Kindheit ist es die Aufgabe der Eltern, diese Bedürfnisse zu nähren. Werden wir damit jedoch unterversorgt, kann es leicht passieren, dass wir auch im Erwachsenenalter sehr bedürftig bleiben und die Erfüllung unserer Bedürfnisse auf unsere Mitmenschen projizieren. Dann soll das Baby plötzlich unser Bedürfnis nach körperlicher Nähe erfüllen oder der Partner uns vor der inneren Einsamkeit retten. Fakt ist, das wird niemals gelingen! Erst wenn uns wirklich bewusst wird, dass uns ganz alleine die Verantwortung obliegt, unsere eigenen Bedürfnisse zu nähren, können wir uns auch bewusst um deren Erfüllung kümmern.Viele von uns spüren eine tiefe, innere Leere, die wir versuchen zu stopfen, indem wir entweder materielle Dinge anhäufen, einen Partner versuchen an uns zu binden oder indem wir Süchten (Alkohol, Drogen, Internet, Sex) verfallen. Wir versuchen, diese innere Leere durch Äußerlichkeiten zu füllen. Das wird jedoch niemals gelingen, denn die Leere wird zwangsläufig immer wieder kommen. Entweder, wenn das neue Kleid nach einigen Tagen nicht mehr besonders ist, der Partner sich eingeengt fühlt oder nachdem der letzte Rausch vorbei ist. Wir können diese Leere nicht mit Äußerlichkeiten füllen.Diese Leere zu füllen kann nur dann funktionieren, wenn wir uns unserem tiefen, inneren Schmerz darüber stellen, dass diese Bedürfnisse zu einem anderen Zeitpunkt nicht in dem Maße genährt wurden, wie es angemessen gewesen wäre. Wir haben Strategien entwickelt, wie wir mit unserer Bedürftigkeit umgehen. Entweder kümmern wir uns aufopferungsvoll um andere Menschen oder wir bringen sehr viel Leistung im Beruf. Auf diese Art und Weise holen wir uns die Anerkennung im Außen.
    Bedürfnisse, Achtsam, Kinder

    Unsere Bedürfnisse können wir nur selbst nähren!

    Die Erkenntnis, dass wir uns diese Bedürfnisse letztendlich nur selbst erfüllen können, ist ein grundlegender Schritt in die innere Freiheit. Wenn wir mit unseren Kindern umgehen, dann sollten wir anerkennen, dass sie nicht hier sind, um uns unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Vielmehr ist es unsere Aufgabe, die kindlichen Bedürfnisse zu nähren, damit sie im Erwachsenenleben nicht erst einmal mühselig erarbeiten müssen, was sie im Leben eigentlich wollen.

    Die unter den ersten beiden Punkten genannten Schritte sind ein guter Einstieg, um sich den eigenen Bedürfnisse anzunähren. Die folgende Übung unterstützt euch dabei:

    Nimm dir vorher einen Stift und ein Blatt Papier. Setze dich für einen Augenblick hin und schließe die Augen. Atme ruhig und tief ein und aus. Lasse die Gedanken kommen und gehen. Versuche ganz ruhig zu werden und in dich zu spüren. Wenn du nun die Augen aufmachst, schreibe spontan nieder

  1. welche eigenen Bedürfnisse du hast
  2. wie du sie selbst nähren kannst und/oder
  3. wen du in deinem engen Familienkreis um Erfüllung bitten kannst.

Mit dieser Übung kannst du dir einen Überblick über deine eigenen Bedürfnisse verschaffen und vor allen Dingen auch überprüfen, wie du sie befriedigen kannst.

Entspannung mit Kind?

Der Wald als Erholungsort

Der Wald als Erholungsort

Du wirst nun vermutlich sagen, „alles gut und schön, aber mit Kleinkind nicht so einfach umzusetzen!“ Diese Aussage kann ich sehr gut nachvollziehen, allerdings tragen wir schon die Verantwortung dafür, dass es uns gut geht. Denn: Nur wenn es der Mama und dem Papa gut geht, geht es auch dem Kind gut!

  • Gemeinsame Ausflüge in der Natur
  • Gemeinsam baden gehen
  • Zusammen lachen und Spaß haben
  • Im Bett kuscheln

Und in Konflikt-Situationen? Nimm dich zurück, atme tief ein und aus und betrachte dein Kind in Liebe. Es will dich nicht ärgern, es kann einfach gerade nicht anders!

Brauchst du Unterstützung dabei, Entspannung in euren Alltag zu integrieren? Dann kontaktiere mich und wir vereinbaren ein kostenloses Erstgespräch!1.

Ich wünsche euch einen wundervollen Start in die kommende Woche!

Eure Kira

P.S.: Fühlst du dich häufiger überfordert und gestresst im Umgang mit deinem Kind? Dann lade dir auch den kostenlosen Ratgeber „Fünf einfache Schritte für weniger Stress und Überforderung mit deinem Kind2 runter.

Nimm jetzt an der FEBuB - der ersten Familienkonferenz für Elternschaft, Bindung und Beziehung - teil und sichere dir dein Ticket!

...achso, noch etwas: Wenn Dir der Beitrag gut gefallen hat, freue ich mich natürlich immer darüber, wenn Du ihn auf Facebook, Twitter oder Pinterest teilst ;-):

Um stets über neue Beiträge, Angebote, Aktionen, kostenlose Downloads, uvm. informiert zu bleiben, kannst Du HappyBabys-Bindung auch ganz einfach auf Facebook und Youtube folgen:

Beitrag im druckerfreundlichen Format anzeigen

Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Verfasse einen Kommentar

Schreibe den ersten Kommentar!

Benachrichtigung von
avatar
wpDiscuz