Der weiche Blick auf unsere Kinder

Der ein oder andere Leser wird sich fragen, was ich damit meine: Der weiche Blick auf unsere Kinder? Einige werden vielleicht denken, dass sie ihre Kinder weich anschauen, andere können damit überhaupt nichts anfangen. Wer meine Blogartikel liest, weiß bereits, dass ich immer wieder von einer Haltungsänderung unseren Kindern gegenüber schreibe. In diesem Artikel möchte ich darauf nochmal speziell eingehen, weil ich denke, dass es vielen Eltern eine Hilfe sein kann.

Der weiche Blick – Was ist das?

Betrachte Dein Kind mit einem weichen Blick, besonders in schwierigen Zeiten!

Betrachte Dein Kind mit einem weichen Blick, besonders in schwierigen Zeiten!1

Damit ist in erster Linie gemeint, dass wir unsere Kinder mit dem Herzen ansehen. Wie oft fühlen wir uns gestresst, versinken im Alltag und verlieren den Kontakt – zu uns und zu unserem Kind. Wir können Konflikte nicht mehr konstruktiv lösen, wir werden unflexibel im Denken und irgendwie eng in unserem Handeln. Wir können nicht mehr empathisch sein und uns nicht in unser Gegenüber einfühlen. Für unsere Kinder bedeutet dies vor allen Dingen eines: Mama oder Papa (oder eine andere wichtige Bezugsperson) ist emotional nicht mehr verfügbar, manchmal macht sie/er vielleicht sogar Angst, weil sie/er plötzlich laut losschreit oder wild gestikuliert.

Der weiche Blick meint, unsere Kinder auch in solch schwierigen Zeiten mit Liebe anzuschauen. Wir sind manchmal genervt, ja! Ich auch! Und das ist absolut menschlich, gehört dazu und ist nicht weiter tragisch. Dennoch geht es um eine generelle Haltung unseren Kindern gegenüber. Wenn wir sehen können, dass unser Kind in Not ist – dann können wir es auch dann noch weich anschauen, wenn es gerade den Einkaufsladen im Dorf zusammen brüllt.

Was sollte ich wissen?

Zunächst sollten wir verstehen, dass unsere Babys und kleinen Kinder nichts tun, um uns zu ärgern, zu tyrannisieren oder zu provozieren! Unsere Kinder können ihre Emotionen noch nicht in dem Maße regulieren (selbst uns Erwachsenen fällt das häufig schwer!). Bedürfnisse müssen bei Säuglingen und Kleinkindern immer sofort befriedigt werden. Je älter ein Kind wird, desto eher kann es auch einmal einen Moment warten. Wenn wir bedürfnisorientiert mit unseren Kindern umgehen bedeutet das aber nicht gleichzeitig, dass sie immer auf uns hören. Sie sind eigenständige, kleine Menschen, die ihren eigenen Willen haben und diesen auch durchsetzen sollen. Nur wenn sie sich im sicheren Umfeld erproben können, wissen sie später wer sie wirklich sind und was sie vom Leben wollen.

Der zweite wesentliche Punkt ist dann die eigene Bewusstwerdung. Sobald ich merke, dass eine Situation eskaliert, kann ich mir bewusst ein „Stop“ setzen. Wir Eltern tragen die Verantwortung für unsere Gefühle. Wenn unser Kind unsere tiefe innere Wut berührt, dann ist es zwar der Auslöser dafür, aber nicht die Ursache! Wir können jeden Moment aufs Neue entscheiden wie wir uns fühlen wollen.

Wenn wir diese beiden Aspekte (Das Kind will uns nicht ärgern – es ist in Not und Ich trage die Verantwortung für meine Gefühle) wirklich für uns verstanden haben, dann gelingt es sehr viel leichter, sich empathisch in das Kind einzufühlen.

Wie kann es mir dauerhaft gelingen, mein Kind mit weichem Blick anzuschauen?

Mutter- und Vater-sein fordert uns viel ab. Gerade die erste Zeit mit Kind ist für viele sehr anstrengend und belastend. Aber auch die Autonomiephase ist für manche Eltern sehr überfordernd. Zunächst ist es absolut wesentlich, dass wir als Mutter oder Vater die Selbstverantwortung für uns übernehmen. Das Kind ist nicht verantwortlich dafür, dass wir uns überfordert, belastet oder ausgelaugt fühlen! Wir sind die Eltern und sind dafür verantwortlich, unseren Kindern ein Umfeld zu schaffen, in dem sie geborgen aufwachsen können!

Das bedeutet in erster Linie: Kümmere dich um dich und deine Bedürfnisse! 

  • Suche die Unterstützung – Wir sind nicht dafür gemacht, unsere Kinder den ganzen Tag allein zu betreuen!
  • Schaue dir (im besten Falle bereits vor der Geburt) deine eigenen Themen an und bearbeite sie.
  • Besuche Still- und Babygruppen. Hier kannst du andere Mamas kennenlernen und dich über deine Freuden und Sorgen austauschen.

In der Säuglingszeit ist es manchmal nicht so einfach, sich diesen Freiraum zu verschaffen – viele Mütter wollen es auch überhaupt nicht! So lange es dir damit gut geht, ist das auch vollkommen in Ordnung. Geht es dir jedoch nicht gut – ändere etwas!

Wenn wir hinter das kindliche Verhalten schauen gelingt uns der weiche Blick leichter (Lies dazu auch: Hinter jedem kindlichen Verhalten steckt ein Bedürfnis).2 Welches Bedürfnis versteckt sich hinter dem lauten Schreien nach Schokolade? Was verbirgt sich hinter dem ständigen Runterschmeißen des Schlüssels? Warum will das Kind immer und immer wieder irgendwo hochklettern, wo ich es nicht möchte? Warum haut es mich oder andere Kinder? (Lies dazu auch: Fünf Gründe warum Kinder hauen)3

Konflikte entstehen, wenn wir kämpfen!

Lachen, der weiche Blick, Beziehung

Der weiche Blick auf dein Kind – Gemeinsam lachen stärkt die Beziehung4

Konflikte mit unseren Kindern entstehen meistens dann, wenn wir Eltern beginnen „komisch und niggelig“ zu werden. Wir beharren auf etwas, sind nicht mehr flexibel und neugierig auf das, was uns das Kind mit seinem Verhalten sagen möchte. Wir gehen in einen Machtkampf – und der Verlierer ist immer das Kind! Sie können die Konflikte mit uns nicht „gewinnen“, sie sind uns absolut ausgeliefert, denn wir sind über-mächtig. Der weiche Blick auf unser Kind gelingt uns sehr viel leichter, wenn uns das bewusst wird.

Konflikte gehören zum Leben dazu und sobald wir in Kontakt zu anderen Menschen treten, werden wir zwangsläufig immer wieder nach Lösungen suchen müssen. Im Umgang mit unseren Kindern ist es jedoch besonders wichtig, während eines Konfliktes emotional verfügbar zu bleiben. Das ist vielleicht nicht immer möglich und sicherlich ein lebenslanger Prozess, aber trotzdem können wir unser Handeln immer wieder reflektieren und hinterfragen. Wenn die Konflikte sich häufen und wir spüren, dass wir keinen Zugang zu unserem Kind mehr haben, dann ist es an der Zeit etwas zu verändern.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine wunderbare Zeit mit euren Kindern und einen weichen Blick auf ihre Bedürfnisse und Eigenheiten!

Eure Kira

P.S.: Fällt es dir schwer, empathisch mit deinem Kind zu sein? Seid ihr häufig im Konflikt und bist du unzufrieden mit der Situation? Dann kontaktiere mich und wir vereinbaren ein kostenloses Erstgespräch!5.

Oder fühlst du dich häufiger überfordert und gestresst im Umgang mit deinem Kind? Dann lade dir den kostenlosen Ratgeber „Fünf einfache Schritte für weniger Stress und Überforderung mit deinem Kind6 runter.

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Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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2 Kommentare Ein "Der weiche Blick auf unsere Kinder"

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katharina baier
Gast

oh danke! das sind auch meine themen und dein artikel spricht mir aus der seele!
kennst du willi maurer, „der erste augenblick des lebens “ ?
unsere themen heilen und wirklich auch innerlich für unsere kinder da sein und sie artgerecht aufwachsen und gedeihen lassen erfüllt diese welt mit frieden.

danke!

liebe grüße, katharina

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