Was hat es mit der bedürfnisorientierten Elternschaft auf sich???

Gestern lief bei Punkt 12 eine Reportage zu Sara Kulkas Erziehungsstil1 – der bedürfnisorientierten Elternschaft. Ich möchte an dieser Stelle dazu gerne Stellung nehmen, da mich manche Kommentare auf der Facebookseite wirklich schockiert haben.

Zunächst einige Zitate:

Als Erwachsener hat man sich an Regeln zu halten… wie soll man das umsetzten wenn man es nicht gelehrt bekommt? Das Leben ist kein Wunschkonzert…. Ich halte von „dieser erziehung“ nicht viel!!

Normal ist das nicht die armen Kinder wenn sie in die Schule kommen oder in den Kindergarten ( wenn sie das bei dürfen )
Sie tut sich und dem Kindern keinen gefallen damit . Wir brauchten Regeln bei unsern Eltern und unsere Kinder bei uns ….. Haben die Eltern noch ein PRIVAT Leben? Familienbett ??

Na dann wünsch ich Frau Kulka später einmal viel Spass! Keine Grenzen setzen heisst egoistische Monster großziehen, die später einmal tausendmal mit dem Kopf an die Wand rennen weil ihnen spätestens in der Berufswelt Grenzen gesetzt werden.

Der bedürfnisorientierten Elternschaft

Viele Eltern glauben, in der bedürfnisorientierten Elternschaft werden Kinder vollkommen grenzenlos allein gelassen – dem ist nicht so! Vielmehr bedeutet es, dem Kind auch bei Kummer und Wut liebevoll zu begegnen – und auf Strafen zu verzichten.2

Dies sind nur wenige Kommentare – allerdings möchte ich ihnen auch nicht besonders viel Aufmerksamkeit schenken und aus diesem Grund beschränke ich mich auf diese drei. Sara Kulka sagt in dem Interview, dass sie ihre Kinder in ihren natürlichen Bedürfnissen nicht einschränkt – nicht mehr und nicht weniger. Sie bezieht dies auf die Themen Schlafen, Nahrungsaufnahme und Toilettengang. Was von vielen draus gemacht wird: Die Kinder werden kleine, egoistische Monster, die allen auf der Nase herumtanzen und im späteren Leben nicht zurecht kommen. BITTE???

Bedürfnisorientierte Elternschaft meint, dass den Kindern die Möglichkeit gegeben wird, ihre eigenen Bedürfnisse zu spüren und diese dann auch zu verdeutlichen. Zu Beginn durch Schreien, später durch Sprache. Es bedeutet NICHT vollkommene Grenzenlosigkeit oder die Erfüllung ALLER Wünsche.

Der Unterschied – Bedürfnis und Wunsch

Bedürfnisse sind grundlegend, existenziell. Zu Beginn sind Kinder absolut davon abhängig, dass ihre Eltern die Bedürfnisse erfüllen. Ein Kind würde ansonsten versterben. Allerdings gehört zu den GRUNDBedürfnissen (neben denen nach Nahrung, Wasser, Wärme, Kleidung…) auch das Bedürfnis nach BINDUNG3. Dieses Bedürfnis ist den anderen nicht untergeordnet, sondern es ist gleichwertig. Und: Dieses Bedürfnis endet auch nicht mit Beendigung des ersten Lebensjahres! Auch mit zwei, drei und vier Jahren ist ein wesentliches Grundbedürfnis das nach Bindung (und by the way: zeitlebens wollen wir neue, tiefe Bindungen eingehen – wir Menschen sind darauf angelegt!) Dazu auch zu lesen: Hinter jedem kindlichen Verhalten steckt ein Bedürfnis4

Wünsche hingegen hat man nach materiellen Dingen. Wenn unser Wunsch nach etwas sehr, sehr groß ist, kann und sollten wir immer wieder hinterfragen, was HINTER dem Wunsch für ein Bedürfnis versteckt ist. Meistens liegt dahinter das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Wertschätzung, gemeinsamer Zeit oder anderen.

Die Basis für ein zufriedenes Leben: LIEBE

Mir tut es wirklich weh zu lesen, wie schlecht viele Eltern über (ihre) Kinder denken. Sie fühlen sich von ihnen tyrannisiert und sind davon überzeugt, dass Regeln notwendig sind, um im späteren Leben zurecht zu kommen. Dabei sind wir immer ein Produkt unserer Erziehung. Auch wenn es etwas platt klingt – es ist dennoch stimmig und auf unsere Kinder übertragbar: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“

Denn: Die Basis für ein zufriedenes Leben ist LIEBE. Nur wenn unsere Kinder sich geliebt fühlen, können sie sich gesund entwickeln. Sie müssen Fehler machen dürfen, sich ausprobieren, auch mal ihre Eltern anschreien und dabei etwas Wertvolles erfahren: Meine Eltern lieben mich, sie bleiben in Beziehung! Auch dann (bzw. GERADE dann) wenn ich mich nicht über-angepasst verhalte und nur das glückliche Sonnenscheinkind bin. Ja, es ist anstrengend – aber es lohnt sich. Denn: Das Resultat ist, dass die Kinder im späteren Erwachsenenleben nicht erst lernen müssen, die „negativen Gefühle“ wieder in ihrem Sein zu integrieren.

Der Titel der Reportage ist von RTL (sicherlich bewusst!) unglücklich gewählt, denn bei der bedürfnisorientierten Elternschaft geht es mitnichten darum, Kinder machen zu lassen, was sie wollen. Es geht darum, sie zu begleiten, bei ihnen zu sein und ihnen ihre ganz persönliche Entfaltung zu ermöglichen. Johann von Goethe hat es bereits erkannt:

Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.

Die Kommentare machen eins sehr deutlich: Die Angst vieler Eltern, in der Erziehung ihrer Kinder zu versagen. Das ist schade und überhaupt nicht nötig. Wenn wir beginnen uns wieder zurück zu besinnen auf die wesentlichen Dinge im Leben, dann wird schnell klar, dass es die BEZIEHUNGEN zu unseren nahen Menschen sind, die uns durch das Leben tragen. Es gibt niemanden, der uns so nah ist, wie unsere Kinder. Warum haben wir so viel Angst vor ihnen? Wieso denken wir, dass wir sie verwöhnen, wenn wir ihnen LIEBE geben? Warum haben wir Angst, dass sie nicht selbständig werden, wenn sie bei uns im Bett SCHLAFEN? Wieso denken wir, sie brauchen REGELN, wenn es doch in Wahrheit BINDUNG (und BEZIEHUNG) ist?

Unsere größte Angst ist die vor ungezogenen Kindern – aber diese bekommen wir nicht, weil wir ihnen Liebe und Geborgenheit schenken, sondern dann, wenn wir ihnen diese verwehren. Wenn wir permanent Druck ausüben, ihnen die Liebe entziehen und sie bestrafen – dann haben wir irgendwann die rebellierenden Teenager. Ist ja auch verständlich – verstanden und angenommen haben sie sich nie gefühlt!

Kinder sind höchst soziale Wesen…

Bedürfnisorientierten Elternschaft

Zu einer bedürfnisorientierten Elternschaft gehört neben Trost auch gemeinsame Zeit – das Kind wird nicht allein gelassen, sondern in seiner Entwicklung begleitet!5

Kinder kommen als höchst soziale Wesen zur Welt. Das ist von der Natur ganz klug so eingerichtet, denn unsere Kinder BRAUCHEN uns. Sie sind von uns abhängig. Das bedeutet: Sie müssen sich ins Familiensystem einfügen, sonst würden sie nicht überleben. Wenn uns das bewusst wird, dann können wir doch eigentlich nur eines tun: Unsere HALTUNG unseren Kindern gegenüber verändern und endlich beginnen, ihnen das zu geben, was sie wirklich brauchen: Eltern, die ihre EIGENEN Grenzen kennen und ihnen VORLEBEN, wie wir uns in einer Gesellschaft, wie der unseren, zu verhalten haben. Und alles andere kommt ganz von alleine!

VERTRAUEN ist die Basis einer jeden Beziehung – auch die zu unseren Kindern!

In diesem Sinne – vergesst eure Annahmen darüber, was Kinder angeblich alles müssen. Heute möchte ich an dieser Stelle mit einem afrikanischen Sprichwort enden, welches mich in meiner Arbeit immer wieder begleitet und welches ich für absolut stimmig halte:

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Genießt die Zeit mit euren Kindern. Schenkt ihnen all eure Liebe und Wärme, versucht in Konflikten Lösungen zu finden und geht immer wieder in Beziehung – das ist das ganze Geheimnis einer bedürfnisorientierten Elternschaft und einer gesunden kindlichen Entwicklung!

Eure Kira

P.S.: Würdest du gerne bedürfnisorientiert mit deinen Kindern umgehen, weißt aber nicht wie? Hindern dich alte Glaubenssätze daran, eine neue Haltung deinem Kind gegenüber zu etablieren? Dann kontaktiere mich jetzt für ein kostenloses Erstgespräch!6.

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Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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