Pampers: Warum Kinder KEINE Auszeiten brauchen!

Auszeiten, Isolation, Beziehung, Vertrauen

Auszeiten sind Isolation! Das Kind lernt, dass es in seinem Sein falsch und nicht gewollt ist!1

Pampers hat einen Artikel veröffentlicht „Kinder richtig bestrafen – Auszeiten“ zu dem ich gerne kurz Stellung nehmen möchte.

Ich habe den Artikel gelesen und bin wirklich entsetzt darüber, dass das Unternehmen solch veraltete Erziehungsmaßnahmen als „richtige Bestrafung“ anpreist. Wie grotesk allein schon die Überschrift – kann ein Kind „richtig bestraft“ werden? Schließt sich das nicht schon von selbst aus? Als gäbe es an dieser Stelle ein richtig oder falsch. Es ist lediglich eine Machtdemonstration der Eltern gegenüber ihren Kindern!

Auszeiten sind Isolation

Die Auszeit wird erklärt „als eine abgeschwächte Form von Isolation“. Dem möchte ich ausdrücklich widersprechen! Auszeiten sind Isolation! Es kommt zu einem Beziehungsabbruch. „Wenn du das tust, gehörst du nicht dazu.“ Dieser Satz zeigt es in aller Deutlichkeit! Das Kind wird ausgeschlossen, es darf nicht mehr am normalen Familienleben teilnehmen.

Das Ziel dieser Maßnahme: Es soll darüber nachdenken, was es gerade falsch gemacht hat und zur Ruhe kommen. Diese Erziehungsmethode soll wirksam sein bei Kindern zwischen 1,5 und 5 Jahren. Wer mit Kleinkindern zu tun hat weiß aber, dass diese sicherlich nicht darüber nachdenken, was sie gerade falsch gemacht haben. Es lernt dabei sicher nicht, was an seinem Verhalten falsch war, da es noch nicht in der Lage ist, sein Verhalten und die darauf folgende Auszeit miteinander in Verbindung zu bringen. Stattdessen bezieht das Kind die Bestrafung auf sich. Es ist falsch in seinem Sein, mit seinem Handeln nicht erwünscht!

Die Eltern machen sich an dieser Stelle nicht die Mühe, nach dem Bedürfnis hinter dem kindlichen Verhalten zu schauen! Stattdessen wird es weggeschickt und ihm wird suggeriert: „So wollen wir dich nicht.“ Das dies für ein Kind massiv beängstigend und beschämend ist, liegt doch auf der Hand. Das Kind fühlt sich der Liebe seiner Eltern nicht wert.

Solche Erziehungsmaßnahmen scheinen vielleicht kurzfristig zu wirken. Das Kind passt sich übermäßig an, denn es braucht seine Eltern zum Überleben. Spätestens in der Pubertät wird aber deutlich, dass die Beziehung massiv gelitten hat. Anstatt dem Kind mit wirklichem Interesse zu begegnen, wird durch diese Maßnahmen die Beziehung untergraben. Es ist für ein Kind schlichtweg nicht zu verstehen, warum ihm die wichtigsten Menschen in seinem Leben, gleichzeitig so viel Leid zufügen.

Recht auf gewaltfreie Erziehung

Der §1631 BGB regelt das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Das umfasst, wie der ein oder andere vielleicht denken mag, nicht nur die körperliche Züchtigung, sondern auch seelische und andere entwürdigende erzieherische Maßnahmen. Ein Kind zu isolieren, es immer wieder auf den Stuhl zu setzen, bis es dort die vorgegebene Zeit sitzen bleibt, es zum Nachdenken zu nötigen ist entwürdigend. Es ist beschämend und gemein. Es hat nichts mit einer gewaltfreien Erziehung zu tun. Auch wenn der ein oder andere vielleicht denkt, diese Form der Bestrafung sein harmloser als andere Varianten – der irrt. Das Kind wird sich einsam, hilflos, ohnmächtig und ausgeliefert fühlen. Ist es das wirklich, was wir wollen?

Wir Eltern tragen Verantwortung dafür, dass unsere Kinder gewaltfrei aufwachsen dürfen. Dazu gehört eben auch, die Gefühle unserer Kinder zu begleiten. Unsere Kinder haben ebenso ein Recht auf ihre Wut, Angst, Trauer wie wir Erwachsenen auch. Sie können ihre Gefühle noch nicht in dem Maße regulieren, wie wir Erwachsenen (und selbst uns gelingt das ja bei Weitem nicht immer!) und benötigen dabei dringend unsere Unterstützung.

Die Folgen für das Kind

Ich habe im Verlauf des Textes schon auf einige Folgen hingewiesen, möchte sie hier zum Abschluss aber nochmal zusammenfassen.

  • Das Kind bringt sein Verhalten mit der folgenden Bestrafung nicht in Zusammenhang – es fühlt sich falsch in seinem Sein!
  • Es passt sich übermäßig an die Erwartungen der Eltern an
  • Das Kind befindet sich in emotionaler Not, wenn es einen Wutanfall hat. Wenn die Eltern es dafür in wegschicken, lernt es nur, seine Wut zu unterdrücken!
  • Es fühlt sich in der Situation ängstlich, wütend, unverstanden, ohnmächtig und beschämt
  • Das Vertrauen in die Eltern leidet
  • Die Beziehungsqualität wird massiv belastet durch solche Maßnahmen
  • Das dahinterliegende Bedürfnis des Kindes wird nicht gesehen und gestillt – das Kind wird immer häufiger auffälliges Verhalten zeigen, um auf sein Bedürfnis aufmerksam zu machen.
  • Das Kind verliert das Vertrauen – in seine Eltern und in sich selbst. Es beginnt, seinen Gefühlen und Bedürfnissen nicht mehr zu trauen, denn sie scheinen falsch zu sein.

Auch wenn Pampers Auszeiten als gute Erziehungsmaßnahme propagiert – sie sind es nicht! Häufig fehlt uns das Bewusstsein dafür, was solche Maßnahmen anrichten. Um so fataler, wenn ein Weltkonzern wir Pampers solche als „richtige Bestrafung“ propagiert. Unsere Kinder brauchen keine Bestrafungen, sie brauchen Eltern, die die emotionale Not des Kindes sehen können. Kinder wollen uns nicht bewusst ärgern oder tyrannisieren. Sie können es schlichtweg noch nicht besser. Sie brauchen unsere Unterstützung und Begleitung – keine Maßregelungen und Verurteilungen. Begegnet euren Kindern auf Augenhöhe, hört ihnen zu und respektiert sie, so wie sie sind.

In diesem Sinne traurige Grüße,

eure Kira

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Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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