Baby stillen – Soll ich mein Baby stillen?

Pro und Contra

Baby stillen - Körperliche Nähe zwischen Mama und Kind

Baby stillen – Diese innigen Momente sind etwas sehr besonderes zwischen Mama und KInd

In der Schwangerschaft stellen sich viele werdende Mütter die Frage, ob sie ihr Baby stillen sollen, wenn es geboren worden ist. Manche Frauen haben Angst, dass sie durch das Stillen zu sehr an das Kind gebunden sein könnten und nicht mehr ohne ihr Baby weg können. Auch die enge körperliche Nähe stellt für manche Frauen ein Problem dar, ebenso wie die Tatsache, dass es durchaus passieren kann, dass das Baby auch mal außerhalb der vier Wände gestillt werden möchte. Dies sind sehr individuelle, persönliche Gründe auf die jede Frau für sich alleine ihre Antworten finden muss. Sie sind verständlich und es sollte nicht darüber geurteilt werden, warum eine Frau sich gegen das Stillen entscheidet. Keiner geht in den Schuhen eines anderen und so sollten die unterschiedlichen Meinungen und Auffassungen auch respektiert werden. Besonders in Bezug auf das Stillen kommt es häufig zu unschönen Auseinandersetzungen zwischen Müttern: die einen absolute Verfechterinnen des Stillens, die anderen eher negativ dazu eingestellt. Das ist schade, denn gegenseitige Toleranz würde an dieser Stelle sicher weiter führen, als Streit, Missgunst und Intoleranz. Ein paar Nachteile habe ich bereits kurz beschrieben, einige weitere sollen nun folgen:

Die Sorge, das Baby bekommt nicht genug Milch

Viele Frauen sind verunsichert, ob ihr Baby genügend Milch bekommt. Während man beim Fläschchen geben genau nachvollziehen kann, wie viel das das Kind zu sich genommen hat, ist dies beim Stillen nicht gegeben. Es ist natürlich verständlich, dass wir in den ersten Monaten besorgt darüber sind und uns fragen, ob auch alles in Ordnung mit unserem Baby ist und ob es normal wächst. Letztendlich geht es aber immer wieder auch um das Vertrauen in uns selbst, in unseren Körper und natürlich auch in unser Kind. Wenn wir bereits vor der Entbindung zweifeln, „ob das mit dem Baby stillen wohl klappen wird“, dann sind die Vorzeichen bereits dafür gelegt, dass es nicht klappen wird. Die Frage, ob dein Baby nun genügend Milch bekommt, ist an dieser Stelle natürlich nicht zu beantworten, aber es gibt einige wichtige Punkte, die du für dich beantwortet kannst:

  • Nimmt es ab Tag 4 nach der Geburt 20 – 35 g pro Tag zu? Später sollten es zwischen 170g – 320g pro Woche sein!
  • Hat es mindestens 6 nasse Windeln in 24 Std (ab Tag 5 nach der Geburt)
  • Hat dein Baby sein Geburtsgewicht wieder erreicht (meistens nach 7 – 14 Tagen nach Geburt)?
  • Legst du dein Baby korrekt und häufig (nach Bedarf) an?

Warnsignale können sein:

  • Gewichtsabnahme nach dem dritten Lebenstag
  • Nach der Geburt eine Gewichtsabnahme von mehr als 10%
  • Weniger nasse Windeln als 6 pro 24 Stunden
  • Große Geschäfte <als 3 Mal am Tag

Damit das Kind genügend Milch erhält, sollte die Mutter ihren Säugling mindestens 8 – 12 Mal in 24 Stunden anlegen. Am besten ist das Stillen nach Bedarf:

Was heißt Stillen nach Bedarf?

Stillen nach Bedarf bedeutet, dass die Stillzeichen des Kindes beachtet werden und das Kind immer sofort angelegt wird. Zu Beginn werden Baby und Mutter sehr häufig stillen, da der Magen des Kindes noch sehr klein ist. Außerdem ist die Muttermilch leicht verdaulich und somit auf häufiges Stillen ausgerichtet. Das sogenannte Clusterfeeding kommt in den ersten Wochen und Monaten bei den Babys besonders in den späten Nachmittags- und frühen Abendstunden häufig vor. Die Mutter hat oft das Gefühl, sich überhaupt nicht mehr von der Couch wegbewegen zu können. Das ist vollkommen normal und nach einigen Wochen pendelt sich das ein und die Stillabstände werden größer.  Beim Stillen nach Bedarf wird die Dauer des Stillens nicht beschränkt, das heißt der Stillvorgang dauert so lange, bis das Baby die Brust von sich aus loslässt (entweder weil es eingeschlafen ist oder weil es munter ist und spielen möchte). Entweder wird die zweite Brust dann direkt angeboten, oder beim nächsten Mal, ganz nach Bedarf des Kindes. Beim Stillen nach Bedarf wird auch Nachts gestillt und zwar immer, wenn das Kind aufwacht und danach verlangt.

Ob dein Baby genügend Milch bekommt, ist dementsprechend immer sehr individuell zu bewerten. Du solltest in jedem Fall darauf achten, dass du:

  • regelmäßig anlegst (mindestens alle 1 bis 3 Stunden, auch Nachts!)
  • dein Kind korrekt anlegst (lass eine Stillberaterin drauf schauen)
  • Stress vermeidest (Haushalt, Besuch ect. zweitrangig!!)
  • nach Möglichkeit nicht rauchst und
  • auf Medikamente wie die Pille verzichtest
  • dein Kind nicht schreien lässt, dies führt zum Energieverlust!
  • deinem Kind keine anderen Sauger gibst (Schnuller, Fläschchen), dies kann das Kind irritieren und zu einer Saugverwirrung führen
  • dich mit deinem Kind ins Bett legst (am besten beide Oberkörper frei) und eng kuschelt, dabei immer wieder anlegen
  • die Stillpositionen immer wieder veränderst

Solltest du tatsächlich zu wenig Milch haben, dein Kind nicht genügend zunehmen oder nur wenige nasse Windeln haben, dann solltest du unbedingt eine gute Stillberaterin oder einen Arzt kontaktieren. Die Gesundheit deines Kindes geht natürlich immer vor!!

Weitere mögliche Nachteile

Wie in der Einleitung bereits kurz angeschnitten, gibt es Frauen, die zum Stillen gerne Privatsphäre haben möchten. Sie haben Sorge, man könne beim Stillen in der Öffentlichkeit zu viel von ihrem Busen sehen und sie fühlen sich unwohl. Damit das Stillen problemlos gelingt, ist das Wohlbefinden der Mama oberste Priorität. Wenn sie mit dem Stillen in der Öffentlichkeit ein Problem hat, dann müssen Lösungen gefunden werden. Das kann entweder ein Schal oder Tuch sein, welches so über das Kind gelegt wird, dass alles gut verdeckt ist oder natürlich das Aufsuchen ruhigerer Orte, an denen sie ungestört stillen kann. Letztendlich muss jede Frau für sich rausfinden, wie und wo sie ihr Baby stillen möchte. Sie sollte auf ihre Bedürfnisse achten, diese wahrnehmen und dazu stehen. Eine Mama, die unglücklich ist, kann nicht gut für ihr Kind sorgen. Es ist immer sinnvoll zu schauen, wie die Bedürfnisse aller beteiligten Personen befriedigt werden können.

Hin und wieder kann es – gerade zu Beginn der Stillzeit – zu wunden Brustwarzen kommen. Dies kann sehr schmerzhaft sein, besonders dann, wenn das Baby sehr häufig andockt und trinken möchte. Wunde Brustwarzen sind am Anfang „normal“, allerdings sind sie häufig die Folge von falschem Anlegen. Um herauszufinden, was die Ursache ist, sollte auch hier eine Stillberaterin draufschauen. Die Lage der wunden Stelle kann Aufschluss über die Ursache geben.

Auch Milchstau und Brustentzündungen können beim Stillen vorkommen. Auch hier sollte geschaut werden, was die Ursache ist. Hierzu wird demnächst ein eigener Blogartikel erscheinen!

Welche Vorteile hat es, wenn ich mein Baby stille?

Im Folgenden möchte ich mich nun den Vorteilen des Stillens zuwenden. Letztendlich sollte zunächst einmal betont werden, dass das Stillen natürlich die Norm ist. Wenn ein Baby zur Welt kommt, dann erwartet es, gestillt zu werden und nicht, ein Fläschchen zu bekommen. Die Gesellschaft steht dem Stillen teilweise immer noch sehr kritisch gegenüber: Da werden stillende Mütter aus dem Bus geworfen1 oder man wird im Restaurant gebeten, doch bitte etwas über das stillende Baby zu legen, weil andere Gäste sich gestört fühlen könnten. Hierzu sei gesagt: Stillen ist Nahrung für unsere Babys. Hätten unsere Vorfahren ihre Babys nicht gestillt, dann würde es die Menschheit nicht geben. Dass der weibliche Busen in der heutigen Zeit so sexualisiert wird, ist ein gesellschaftliches „Problem“ und sollte nicht das unserer Kinder sein. Wenn ein Baby Hunger hat, sollte es gestillt werden – egal, wo wir gerade sind!

Das Kolostrum – Die erste „natürliche Impfung“ für das Kind

Baby stillen - Durch körperliche Nähe beim Stillen kann die Bindung zwischen Mutter und Kind gestärkt werden

Baby stillen – Direktes Anlegen nach der Geburt erleichtert den Stillbeginn

Das Kolostrum – auch Neugeborenenmilch genannt – ist die erste Milch, die ein Neugeborenes bekommen sollte, bevor der Milcheinschuss (meistens nach 3 Tagen nach der Geburt, bei Kaiserschnitten kann es schon mal 4 bis 5 Tage dauern) erfolgt. Das Kolostrum ist eine dicke, gelbliche Milch, in der mindesten 700 Bakterienarten enthalten sind. Das Kolostrum enthält genau das, was das Baby benötigt, in all seiner Vielfalt! Diese Bakterien dienen der Darmbesiedlung des Babys und zur Immunmodulation. Das IgA (Immunglobulin A), welches im Kolostrum enthalten ist, und weitere wichtige Stoffe dienen als direkter Infektionsschutz. Außerdem enthält die Neugeborenenmilch immunologisch wirksame Substanzen. Auch Mütter, die direkt nach der Entbindung abstillen wollen, sollten ihrem Kind das Kolostrum zukommen lassen, da es wie eine „erste natürliche Impfung“ wirkt und das Kind besonders gut vor Infektionen schützt und gleichzeitig den Aufbau einer körpereigenen Abwehr unterstützt. Außerdem fördert das Kolostrum die Ausscheidung des Mekoniums, wodurch auch eine Neugeborenengelbsucht vorgebeugt werden kann. Es ist leicht verdaulich und stabilisiert den Blutzuckerspiegel (es beugt Hypoglykämie vor).

Bei Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes sollte der Säugling eine Frühfütterung mit Spritze erhalten. Durch das Kolostrum kann verhindert werden, dass das Baby eine Glukoselösung benötigt. Der Blutzuckerspiegel sollte dann frühestens nach 2 Stunden gemessen werden. Sollte der Spiegel dann noch sehr niedrig sein, kann immer noch Glukose gegeben werden.

Ein guter Stillstart – Wie?

Viele Mütter machen sich zu Beginn Gedanken und Sorgen, ob das mit dem Baby stillen so funktionieren wird, wie sie sich das vorstellen und wünschen. Das ist verständlich, jedoch ist für ein erfolgreiches Stillen die Einstellung zunächst einmal die halbe Miete. Wenn eine Mama positiv an den Stillstart ran geht und keine Zweifel daran hat, dann ist die Wahrscheinlichkeit schon einmal groß, dass es auch gut klappen wird. Dennoch ist das Stillen zwar ein angeborenes Verhalten (und der Säugling erwartet physiologisch, dass er gestillt wird) aber es muss dennoch erst einmal von Beiden erlernt werden.

Am leichtesten geht das, wenn die Mutter ihrem Kind vertraut und ihm beim ersten Anlegen lediglich unterstützend zur Seite steht, aber es nicht selbst andockt. Stattdessen sollte sich das Baby innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt selbst andocken. Dies gelingt am besten, wenn Mutter und Kind unter der Geburt möglichst keine Medikamente bekommen haben und der Säugling direkt nach der Entbindung bei der Mutter auf dem Bauch liegen darf. Innerhalb von einer Stunde wird ein gesundes Baby dann beginnen, sich selbst anzudocken. Das heißt, es robbt auf dem Bauch nach oben, sucht die Brustwarze und greift sie mit seinem Mund. In diesem englischen Video auf Youtube2 wird das anschaulich gezeigt. Das intuitive Stillen benötigt vor allem Ruhe, Geduld und Vertrauen in das Baby. Wie in dieser schwedische Studie3 gezeigt werden konnte, ist das auch bei bereits älteren Säuglingen noch möglich. Selbst wenn sie bis dahin Fläschchen bekommen haben oder mit Stillhütchen gestillt worden sind. Die Instinkte des Säuglings verkümmern nicht direkt nach der Geburt, wenn es nicht sofort angelegt wird. Das wichtigste hierbei ist der Hautkontakt (beide nackt!) und eine zurücklehnende Haltung. So können auch bei größeren Säuglingen bereits ausgeprägte Stillprobleme schneller beseitigt werden und das Baby lernt schnell sich von selbst richtig anzudocken.

Für einen gelingenden Stillstart sind die wichtigsten Komponenten:

  • Baby stillen - Körperkontakt unterstützt den Bindungsaufbau

    Baby stillen – Mama und Baby nah beinander: Das fördert die Bindung

    Hautkontakt (dieser unterstützt den Aufbau mütterlicher Gefühle)

  • regelmäßiges Anlegen
  • Richtiges Anlegen
  • Ruhe, Entspannung

Das WochenBETT heißt nicht umsonst so. Es sind 30 Tage, davon sollte die Mutter wenigstens die ersten 10 Tage mit ihrem Baby mehr oder weniger im Bett verbringen. Das ist nicht immer leicht umsetzbar, besonders wenn bereits größere Kinder da sind. Für einen guten Stillbeginn und den Bindungsaufbau ist der Körperkontakt aber die wesentlichste Komponente. Besonders, wenn es bereits Schwierigkeiten beim Baby stillen gibt, sollten die beiden viel kuscheln und Ruhe haben.

Weitere Vorteile wenn du dein Baby stillen willst

Im Folgenden werden nun einige weitere Vorteile genannt. Allerdings werden diese auch in eigenen Blogartikeln noch näher beschrieben.

Für die Kiefer- und Gaumenentwicklung ist das Stillen hervorragend. Gestillte Kinder benötigen später deutlich seltener Zahnspangen und Logopädie. Beim Fläschchen trinken wird der Mundbereich kaum gefördert, weil die Zunge nicht in dem Maße „arbeiten“ muss, wie das beim Stillen der Fall ist.

Gestillte Kinder werden seltener übergewichtig als nicht gestillte Kinder. Je länger ein Baby (Kleinkind) gestillt wird, desto geringer die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht im Erwachsenenalter.

Sein Baby zu stillen ist deutlich kostengünstiger (man benötigt lediglich Stilleinlagen und Still-BH) als die Formular-Milch. Muttermilch ist immer wohltemperiert und die Mutter hat die Milch immer bei sich. Sie kann ihr Kind direkt anlegen, sobald es Hungerzeichen zeigt.

Der Bindungsaufbau ist deutlich erleichtert. Durch den engen Kontakt zu ihrem Baby und die Hormone (Oxytocin und Progesteron) sinkt das Risiko für Wochenbettdepressionen. Der Hautkontakt fördert die Beziehung zwischen Mutter und Kind und die Mutter wird im Umgang mit ihrem Säugling deutlich feinfühliger. Gleichzeitig fühlt sich das Baby durch die Nähe zur Mutter sicherer, es kann ihren Herzschlag und ihre Atmung hören, fühlt sich geborgen und sicher.

Die Dauer der Stillzeit

Ich habe hier4 bereits einen ausführlichen Blogartikel zu dieser Thematik verfasst. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, zunächst sechs Monate ausschließlich zu stillen (keine Zugabe von Wasser, Tee oder anderen Substanzen außer Medikamente) und dann unter Einführung geeigneter Beikost bis zum zweiten Geburtstag und darüber hinaus, so lange Mutter und Kind sich damit wohlfühlen. Das natürliche Abstillalter liegt zwischen 2,5 und 7 Jahren. Letztendlich muss jede Mama selbst entscheiden, wie lange sie ihr Kind stillen mag. Aber auch hier sollte ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden: Langzeitstillen ist völlig normal und gut für Mutter und Kind! Das wichtige ist, dass beide zufrieden damit sind!

Fazit

Muttermilch unterstützt die Entwicklung des Kindes, den Aufbau des Immunsystems, ist Nahrung und körperliche Nähe. Es gibt sicherlich individuelle Gründe, sich gegen das Baby stillen zu entscheiden, aber jede Mutter, die sich unsicher fühlt braucht gute Unterstützung. Wenn eine Mama ihr Baby stillen möchte und sich unsicher fühlt, dann sollte sie sich eine Stillberaterin suchen. Am besten bereits vor der Entbindung, damit der Stillstart von Anfang an gelingt und nicht durch wunde Brustwarzen oder Ängste gehemmt und behindert wird.

Zum Stillbegleitungsangebot von HappyBabys

Empfohlene Literatur

Quellen

Kommentare sind geschlossen