Ammenmärchen – Schreien lassen stärkt die Lunge

Schreien lassen, Bindung stärken, Eltern-Kind-Beziehung

Schreien lassen stärkt nicht – Nicht die Lunge, nicht die Eltern-Kind-Bindung und nicht das Selbstwertgefühl des Kindes

Wird die Lunge meines Kindes gestärkt wenn ich es schreien lasse? Diese Annahme ist immer noch sehr verbreitet und wird auch von einigen Ärzten immer noch so weitergegeben. Dennoch gibt es dafür aus medizinischer Sicht keinerlei Grundlage – im Gegenteil, es bedeutet sowohl für das Baby als auch für die Eltern massiven Stress, wenn der Säugling schreien gelassen wird. Dieses Ammenmärchen hängt eng zusammen mit der Angst vor dem Verwöhnen1. Aber: Ein Baby kann nicht mit Liebe und Fürsorge verwöhnt werden!

Im Hinblick auf den nächtlichen Schlaf werden viele Säuglinge abends schreien gelassen. „Das Baby muss nun endlich lernen, allein einzuschlafen“ oder „Das muss sie nun wirklich lernen, dass wir nicht immer da sind“ über „Ich brauche meinen Schlaf nachts, dann muss er eben mal schreien“ sind Sätze, die das Schreien lassen des Babys argumentieren sollen.

Mein Baby schreien lassen? – Besser nicht!

Dazu ist gerade letzte Woche eine australische Studie (ich sehe absichtlich von einer Verlinkung ab, bei Interesse bitte selbst in der Suchmaschine eingeben)2 veröffentlicht worden, in der propagiert wird, dass es einem Baby nicht schadet, wenn die Eltern es am Abend kontrolliert schreien lassen. Die Studie zeigt, dass die Säuglinge am folgenden Morgen keine erhöhten Cortisol-Werte (Cortisol = Stresshormon) hatten. Abends schliefen sie schneller ein und besser durch. Die Ergebnisse dieser Studie werden seit einigen Tagen nun sehr kontrovers hierzulande diskutiert. Denn das kontrollierte Schreien lassen – die sogenannte „Ferber“ Methode – ist in Deutschland sehr umstritten. Hierbei lassen die Eltern das Kind immer wieder  für eine bestimmte Zeit, die immer länger wird, alleine im Bett schreien. Erst nach Ablauf von 3,4,5…10 Minuten kommen die Eltern wieder ins Zimmer, um das Kind zu trösten. Dabei wird es jedoch auf keinen Fall auf den Arm genommen. Viele andere Studien zeigen aber, dass eben das Gegenteil der Fall ist, denn: In der Situation selbst erfährt das Baby massiven Stress und sowohl Cortisol als auch die Herzfrequenz sind erhöht. Des Weiteren beruhigen sich Babys und Kleinkinder (…und Erwachsene) am besten durch Körpernähe und -wärme.

Was aber, neben den erhöhten Cortisol-Werten und der hohen Herzfrequenz noch hinzukommt ist, dass sich das Schreien lassen eines Babys massiv auf die Bindungsqualität zwischen Eltern und Kind auswirken kann. Das gilt besonders dann, wenn auch tagsüber die Hauptbindungsperson nicht in der Lage ist, die Bedürfnisse des Babys adäquat zu befriedigen.

Zwar schlafen Babys, die kontrolliert schreien gelassen werden tiefer, allerdings erhöht sich durch den tieferen Schlaf auch das Risiko für den plötzlichen Kindstod!3

Wir sollten uns immer Gedanken machen, was wir mit unserem Verhalten erreichen wollen. Letztendlich können wir  Eltern entscheiden: Möchten wir für unser Kind ein „sicherer Hafen“ sein und ihm Urvertrauen sowie Geborgenheit und Schutz mitgeben? Wollen wir es in seinem tiefen Sein stärken oder wollen wir unserem Baby (auf das wir uns ja so sehr gefreut haben!!!) suggerieren, dass es ohnehin nicht Wert genug ist, dass wir uns um es kümmern?

Alleine schreien lassen stärkt nichts – Nicht die Lunge, nicht die Bindung und schon überhaupt nicht das Selbstwertgefühl unseres Kindes! Studien, wie die oben genannte, versuchen Eltern zu verunsichern. Kinder, die einen eigenen Willen entwickeln sind in unserer Gesellschaft unerwünscht. Noch immer sind es die angepassten und stillen Kinder, die unser System bevorzugt – zum Glück wird immer mehr Eltern bewusst, was sie damit anrichten, wenn sie ihre Kinder nach diesem Schema erziehen und gefügig machen. Lasst eure Kinder nicht schreien – Sie sind abhängig von euch und brauchen eure ganze Liebe, Wärme und Fürsorge. Vertraut auf euer Inneres und wenn es sich nicht gut anfühlt, euer Baby schreien zu lassen, dann reagiert darauf und nehmt es aus seinem Bett oder Kinderwagen raus. Sie lernen euch dadurch als verlässliche und sichere Bezugsperson kennen!

In diesem Sinne alles Liebe,

eure Kira

P.S.: Fühlst du dich verunsichert, wenn du solche Studien und Artikel liest? Möchtest du gerne bindungs- und beziehungsorientiert mit deinem Kind umgehen? Dann kontaktiere mich und wir vereinbaren ein kostenloses Erstgespräch!4.

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Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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1 Kommetar Ein "Ammenmärchen – Schreien lassen stärkt die Lunge"

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Ilaina
Gast

„Kinder, die einen eigenen Willen entwickeln sind in unserer Gesellschaft unerwünscht.“
DAS trifft absolut den Kern und ist eine Erfahrung, die ich als Erwachsener leider bestätigen kann. Menschen, die selbstständig denken, die einen Willen und Neugier haben, sind nicht erwünscht. Also ja alles im Keim ersticken, frühzeitig das Kind formen, damit es ja nicht auf solche Ideen kommt.

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