Abstillen – 7 Schritte zum erfolgreichen Abstillen

Abstillen - Beikosteinführung ist kein Grund

Einführung der Beikost bedeutet nicht, dass der Zeitpunkt zum Abstillen gekommen ist[Foto von Maria Sbytova]

Viele Mamas fragen sich, wann der optimale Zeitpunkt zum Abstillen ihres Kindes gekommen ist. In Deutschland ist es gängige Vorgehensweise, dass irgendwann zwischen dem vierten bis sechsten Lebensmonat zugefüttert und dann eine Still-Mahlzeit nach der nächsten – über einen Zeitraum von etwa zwei Monaten – ersetzt wird. Durch die Werbung der einschlägigen Beikost-Hersteller wird uns suggeriert, dass dies der einzige richtige und gesunde Weg für das Baby ist. Spätestens ab dem sechsten Lebensmonat (besser schon ab dem vierten) benötigen die Babys demnach nun dringend Eisen, welches in der Muttermilch nicht mehr in ausreichender Menge vorhanden ist. Dabei werden jedoch zwei Dinge miteinander vermischt, die so überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Die aktuelle Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lautet:

Das Baby sollte bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat ausschließlich gestillt werden, dann unter Einführung geeigneter Beikost bis zum zweiten Geburtstag und darüber hinaus, solange Mutter und Kind sich damit wohlfühlen.

Es geht demnach nicht darum, dem Kind Nährstoffe (wie beispielsweise Eisen) zu verweigern – weil es gestillt wird – sondern vielmehr darum, die Beikost unter dem Schutze des Stillens einzuführen. Es ist nicht nötig, dass mit dem Beikost-Beginn das Abstillen des Kindes eingeläutet wird. Stattdessen hat das Stillen über die ersten sechs Monate hinaus hat eine Vielzahl an Vorteilen für das Baby:

  • Durch die Inhaltsstoffe in der Muttermilch kann das Baby die neuen Nahrungsstoffe besser vertragen.
  • Das Stillen gibt dem Kind zudem viel mehr als nur Nahrung, nämlich auch Geborgenheit, Sicherheit und Nähe und Wärme.
  • Das Kind ist durch das Stillen auch weiterhin viel besser vor Infektionen geschützt.
  • Im zweiten Lebensjahr benötigen Kleinkinder noch zwischen 200 – 500 ml pro Tag. Wird das Kleinkind noch einige Male am Tag gestillt, bekommt es diese erforderliche Milchmenge, ohne dass es Flaschennahrung oder Kuhmilch erhalten muss, welche für Babys einen recht hohen Eiweißgehalt hat.
  • Auch für die Mütter ist eine längere Stilldauer von Vorteil: Zum einen hilft es beim Verlieren der restlichen Schwangerschaftspfunde und zum anderen reduziert eine längere Stillzeit das Brustkrebsrisiko.

Eine längere Stilldauer macht demnach aus einer Vielzahl an Gründen durchaus Sinn. Unter natürlichem Abstillen versteht man, dass das Kind selbst entscheidet, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Es benötigt die mütterliche Brust immer weniger und regt die Milchproduktion immer weniger an. Das normale Abstillalter von menschlichen Kindern liegt zwischen 2,5  und 7 Jahren.

Dennoch kommt vielleicht irgendwann der Moment, an dem du das Stillen langsam ausschleichen möchtest. Vielleicht stillst du einfach nicht mehr gerne oder es kündigt sich ein Geschwisterchen an und du möchtest nicht Tandem-Stillen. Die Gründe dafür sind vielfältig und jeder einzelne ist auch legitim. Besonders wenn du lange und gerne gestillt hast, kommt irgendwann vielleicht einfach der Zeitpunkt, an dem du eure Stillbeziehung nicht mehr fortführen möchtest. Wichtig ist, dass du weißt, dass das Abstillen nach dem ersten oder zweiten (oder dritten…) Lebensjahr nur dann funktioniert, wenn du es auch wirklich selbst möchtest. Hier1 kannst du die Stillempfehlung der  Organisation Babyfreundlich lesen.

Allgemeines zum Abstillen

Ich möchte zunächst betonen, dass es immer sinnvoll ist, das Kind auf natürliche Art und Weise abzustillen. Je länger das Kind gestillt wird, desto besser. Unterschieden werden das primäre und das sekundäre Abstillen. Ersteres meint das Abstillen innerhalb von 36 Stunden nach der Geburt. Unter sekundäres Abstillen fällt jedes Abstillen nach 36 Stunden.

Auch wenn plötzlich abgestillt werden muss (innerhalb der ersten 36 Stunden), sollte das bevorzugt konservativ erfolgen. Das bedeutet ohne die Einnahme von Medikamenten, sondern mit Salbeitee (3-4 Tassen am Tag); eng sitzendem BH und – wenn die Brüste zu prall werden – geringem Entleeren der Brust per Hand, bis es wieder angenehm ist. Durch zu schnelles Abstillen (besonders durch Medikamente) kommt es zu einem plötzlichen Hormonabfall, welcher sich auf die Stimmung auswirken kann (Depressionen!).

Im weiteren Verlauf geht es aber um das sanfte Abstillen schon älterer Kinder. Viele Mütter fragen sich, wie sie dies liebevoll begleiten können, auch wenn das Kind gerne noch an der Brust trinken möchte.

Ich möchte mein Kind abstillen – Wie kann ich liebevoll vorgehen?

Wie weiter oben bereits erwähnt, ist deine Einstellung maßgeblich daran beteiligt, ob das Abstillen funktioniert oder nicht.

  1. Zunächst kannst du die einzelnen Stillmahlzeiten deutlich verkürzen, indem du dein Kind zum abdocken aufforderst (wenn du nicht mehr möchtest oder meinst, dass das Kind ohnehin nur noch nuckelt und nicht mehr trinkt) und nicht mehr darauf wartest, dass es dies von selbst tut.
  2. Außerdem bietest du die Brust generell nicht mehr an. Verlangt dein Kind danach, verweigerst du sie ihm jedoch nicht.
  3. Trage stillunfreundliche Kleidung, die dein Kind nicht einfach nur runter ziehen muss, um sich selbst anzudocken.
  4. Vermeide Situationen, in denen das Kind bisher oft an die Brust wollte. Biete Alternativen, wie etwas leckeres zu Essen oder zu trinken oder eine spannende Beschäftigung.
  5. Wenn dein Kind bereits älter ist, kannst du mit ihm vereinbaren, dass ihr nicht mehr überall stillt, sondern nur noch an vereinbarten Orten und in bestimmten Situationen. Dazu gehört beispielsweise das Stillen nur noch Zuhause und nicht mehr in der Öffentlichkeit und nicht mehr im Beisein von Dritten.
  6. Passe die Tagesroutine an das Stillverhalten deines Kindes an. Möchte es in der gewohnten, häuslichen Umgebung häufig gestillt werden, verbringt viel Zeit außerhalb. Stillt dein Kind eher in fremden Situationen vermehrt, dann gib ihm Sicherheit dadurch, dass ihr mehr Zuhause bleibt.
  7. Begleite die Wut und Trauer deines Kindes, wenn du es nicht an die Brust lassen möchtest. Es ist verständlich, dass es frustriert ist und es benötigt nun dein Verständnis.
Dass ein Kind laufen kann ist kein Grund zum Abstillen

Abstillen – Beim sanften Abstillen begleitest du die Gefühle deines Kindes und spiegelst sie2

Der letzte Aspekt ist sehr wesentlich, aus diesem Grund gehe ich hier noch einmal vertieft darauf ein. Dein Kind wird frustriert sein, es wird schreien und versuchen, sich anzudocken und es wird toben und schimpfen. Wenn du für dich ganz klar den Entschluss gefasst hast, dass du nicht stillen möchtest, dann solltest du dein Kind begleiten in seinen Gefühlen und es trösten und spiegeln. „Es macht dich sehr wütend, dass du gerade nicht an Mamas Brust darfst. Sie gibt dir soviel Sicherheit und Wärme und du verstehst gar nicht, warum du das jetzt nicht mehr darfst. Du bist so frustriert und traurig darüber.“ Und dann: „Ich kann dich so gut verstehen, das ist wirklich ärgerlich, wenn Mama das einfach so über deinen Kopf hinweg entscheidet. Du hast ein Recht auf deine Wut, ich bin bei dir und begleite dich.“ So oder ähnlich, kannst du die Wut und Trauer deines Kindes begleiten und spiegeln. Es wird dadurch erfahren, dass du zwar klar bei deinem „Nein“ bleibst und somit zu dir stehst – aber gleichzeitig auch, dass du dein Kind in seiner Wut und Trauer verstehst und es dennoch liebst. Die Wut deines Kindes darf sein und das ist eine wirklich wesentliche Erfahrung für dein Kind.

Hier3 kannst du einen interessanten Artikel zum Langzeitstillen lesen. Des Weiteren bekommst du hier4 einen tollen Einblick in das intuitive Stillen und hier erhältst du einen Überblick über mein Angebot rund um das Stillen5.

Wie lange der Abstill-Prozess letztendlich tatsächlich dauert, ist sehr unterschiedlich. Manche Kinder sind innerhalb kürzester Zeit abgestillt, andere benötigen einige Monate, um sich gänzlich von der Brust zu lösen. Eine wesentliche Sache möchte ich zusätzlich noch anmerken: Es gibt verschiedene „Methoden“ die dazu führen, dass dein Kind nicht mehr an die Brust geht und durch die sie ihm regelrecht verleidet wird. Ich halte diese jedoch für sehr unfair deinem Kind gegenüber und auch schädlich für eure Beziehung. Das Kind wird sich, wenn es liebevoll begleitet wird, auch auf die oben genannten Schritte hin von selbst abstillen. Aber es macht dabei gänzlich andere Erfahrungen, als wenn die Brust „plötzlich bitter schmeckt“. Eine bis dahin schöne Stillbeziehung sollte nicht auf diese Art und Weise enden.

Alles Liebe, eure Kira!

Nimm jetzt an der FEBuB - der ersten Familienkonferenz für Elternschaft, Bindung und Beziehung - teil und sichere dir dein Ticket!

...achso, noch etwas: Wenn Dir der Beitrag gut gefallen hat, freue ich mich natürlich immer darüber, wenn Du ihn auf Facebook, Twitter oder Pinterest teilst ;-):

Um stets über neue Beiträge, Angebote, Aktionen, kostenlose Downloads, uvm. informiert zu bleiben, kannst Du HappyBabys-Bindung auch ganz einfach auf Facebook und Youtube folgen:

Beitrag im druckerfreundlichen Format anzeigen

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Verfasse einen Kommentar

Schreibe den ersten Kommentar!

Benachrichtigung von
avatar
wpDiscuz