Abstillen nach Gordon

Abstillen nach Gordon – Der neue Artikel aus der Rubrik „Kurz gefragt“. Ich danke euch für die zahlreichen Zusendungen eurer Themenwünsche und bitte euch daher um etwas Geduld, ich bemühe mich so viele Fragen wie möglich zu beantworten! Hast du auch eine Frage, die ich in der Rubrik „Kurz gefragt“ in einem ausführlichen Artikel beantworten soll? Dann reiche hier deinen Wunsch ein!

Ich interessiere mich für deine Ansicht zum Thema Bedürfnisorientierung vs. Abstillen. Mein Sohn ist 14 Monate alt und hat sich bis auf das Einschlafstillen selbst abgestillt. Wir schlafen im Familienbett. Mein Sohn sucht unabhängig vom Zahnen o.Ä. nachts stündlich und teilweise auch öfter meine Nähe und lässt sich nur durch kurzes Stillen wieder in den Schlaf begleiten. Durch die Häufigkeit des Aufwachens bin ich mittlerweile von den Kräften her recht ausgezehrt und sehne mich danach, dass mein Sohn auch bei meinem Mann zur Ruhe kommen kann. Kuscheln, singen, getragen werden genügt ihm nicht. Das Bedürfnis gestillt zu werden ist bei meinem Sohn so ausgeprägt, dass er nur weint und sich wegen des Stresses übergibt. Einen Nuckel, Stofftier, Schmusetuch akzeptiert er nicht. Was würdest du mir raten?

Bedürfnisorientierung vs. Abstillen

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Abstillen nach Gordon – Bedürfnisorientierung steht hierbei im Vordergrund1

Wenn die Nächte unruhig sind, führen wir das nicht selten auf das nächtliche Stillen zurück. Letztendlich holt sich das Baby/Kleinkind damit die Nähe, die es braucht. Es tritt damit in Kontakt zu uns und holt sich Geborgenheit, Wärme und auch Nahrung. Dennoch ist es natürlich wesentlich, dass wir als Mutter nicht an die Grenzen der Belastbarkeit gehen. Wenn wir Nachts nicht mehr Stillen möchten, dann ist das legitim. Wichtig ist natürlich, dass das Baby nicht schreien gelassen wird, wenn es dann Nachts aufwacht und die Nähe zur Mama sucht, sondern den Trost findet, den es braucht, um wieder einschlafen zu können.

Das nächtliche Abstillen ist häufig nicht einfach, weil das Kind die Befriedigung seines Bedürfnisses in den meisten Fällen lautstark einfordert. Die Frage, wie Bedürfnisorientierung vs. Abstillen an dieser Stelle funktionieren kann, ist daher nicht ganz einfach zu beantworten.

Wenn wir bedürfnisorientiert sein wollen, dann können wir uns natürlich fragen, ob es Lösungen gibt, den nächtlichen Schlaf zunächst einmal entspannter zu gestalten. Ich selbst schlafe meistens mit Unterhemd (zum Schutz der Nieren) bekleidet und habe mein Schlafanzugoberteil hoch gerollt, so dass mein Sohn sich nach Bedarf andocken kann. Ich wache dabei nicht auf. Für uns ist das nächtliche Stillen daher sehr entspannt.

Wenn wir jedoch stündlich oder öfter aufwachen und das Kind sich nicht gut beruhigen lässt, dann sollten wir natürlich nach Lösungen suchen. Eine kann tatsächlich das nächtliche Abstillen sein. Auch wenn das kindliche Verhalten völlig normal ist, ist es verständlich, dass es belastend ist. Dr. Jay Gordon hat ein „10-Nächte-Programm“ entwickelt. Hierbei wird das Kind in seinem Schmerz und Frust begleitet und nicht schreien gelassen. Dennoch ist es für alle Beteiligten oft keine leichte Zeit.

Wichtig ist, dass die Mutter sich vorher wirklich im Klaren darüber ist, ob sie diesen Weg auch wirklich gehen möchte. Denn wenn das Baby/Kleinkind massiv weint, dann ist es nicht leicht, ihm das zu verweigern, was es gerade so sehr braucht und will. Für die folgenden Ausführungen habe ich das Buch von Dr. Jay Gordon und Maria Goodavage2 gelesen und die wesentlichen Absätze frei übersetzt!

Abstillen nach Gordon

Das Abstillen nach Gordon ist kein leichter Weg, das sollte jeder Mutter bewusst sein, wenn sie sich dafür entscheidet, ihn zu gehen. Es gibt schlichtweg kaum einen leichten Weg, um sein Baby nachts abzustillen. Es gibt jedoch einen Plan, nach dem du als Mutter handeln kannst. Dabei wird dein Baby nicht schreien gelassen, sondern begleitet.

Zunächst sollte das Abstillen nach Gordon nur dann erfolgen, wenn das Baby mindestens zwölf Monate alt und absolut gesund ist. Bevor du mit dem nächtlichen Abstillen startest, entscheide, ob du das wirklich selbst möchtest. Verändere deine Schlafgewohnheiten nicht, weil ein Freund, Verwandter oder Arzt meint, es sei nun die rechte Zeit dafür. Du entscheidest, wann die Zeit gekommen ist!

Wenn du nun immer noch das nächtliche Aufwachen verändern möchtest, dann lies weiter!

Als erstes solltest du entscheiden, welche sieben Schlafstunden für dich am wertvollsten sind. Das kann beispielsweise von 23 Uhr abends bis morgens um 6 Uhr sein. Aber es kann genau so gut sein, dass du diesbezüglich eine andere Idee hast.

Die Regeln im Familienbett werden nun langsam verändert. Dem Baby wird nun langsam beigebracht, dass es nicht mehr immer das haben kann, was es will, sondern nur noch fast immer. Allerdings können wir als Eltern beruhigt sein, denn unser Baby hat in seinem bisherigen Leben alle Bedürfnisse im Familienbett befriedigt bekommen und seine Seele wird es gut überstehen, wenn sich die Regeln nun ein wenig verändern.

Diese Veränderungen werden in Intervallen von drei bis vier Nächten versucht zu erreichen. Beide Eltern sollten sich darüber weitestgehend einig sein, dass dies nun der beste Weg für alle ist. Das Allerwichtigste ist jedoch, dass du bereit bist, ihn nun bis zu deinem Ziel von sieben Stunden Schlaf durchzuhalten. Das Letztere ist deshalb wichtig, weil du dich selbst einige Schritte zurückwirfst, wenn dein Baby merkt, dass Schreien, Quengeln oder Jammern letztendlich doch dazu führen, dass du es stillst. Diese Methode ist sehr viel freundlicher, als andere, bei denen das Baby schreien gelassen wird. Aber es ist nicht leicht, diesen Weg zu gehen.

Gewöhnlich dauert es mit dieser Methode zehn Nächte, um signifikante und und anhaltende Veränderungen zu erreichen, aber es kann durchaus auch länger dauern. Abstillen nach Gordon ist keine Zauberei – in manchen Fällen dauert es eine weitere Woche oder sogar noch länger bis das Baby diese sieben Stunden durchschläft. Das „10-Nächte-Programm“ ist eine Anleitung, mit der es typischerweise innerhalb von zehn Nächten funktioniert.

Abstillen nach Gordon – Die Nächte eins bis drei

Abstillen nach Gordon funktioniert sowohl im Familienbett, als auch mit Kinderbett. Dieses sollte dann im elterlichen Schlafzimmer stehen. Hier kann das Baby dann bei Bedarf rausgenommen und wieder reingelegt werden, wenn es weint und Nähe braucht. Die ungünstigste Lösung ist ein eigener Schlafraum, allerdings kann dies für deine Familie auch die richtige Lösung sein, wenn es sich für euch gut anfühlt.

Zu jedem Zeitpunkt vor 23 Uhr (auch 22:58) stillst du dein Kind in den Schlaf. Kuschel und stille es zurück in den Schlaf, wenn es aufwacht. Aber sobald es 23 Uhr ist „verschließt du die Tür“ und du stillst, kuschelst oder trägst es nicht mehr herum, damit es wieder einschläft.
Stattdessen: wenn dein Baby um Mitternacht oder zu irgendeinem Zeitpunkt nach 23 Uhr aufwacht, drückst du es, stillst es kurz, aber achtest darauf, dass es nicht an der Brust einschläft! Lege es wach hin, streichel es, klopf oder drück es ein wenig bis es einschläft, aber leg es nicht wieder an die Brust (oder gib ihm die Flasche, wenn du das bisher so gemacht hast). Es soll in deiner Nähe alleine wieder einschlafen.

Nun wird es dir wahrscheinlich mitteilen, dass es ärgerlich ist und diese neue Routine ihm überhaupt nicht gefällt. Es wird auch versuchen, dir mitzuteilen, dass es verängstigt ist. Es ist sicherlich ärgerlich. Aber ein Baby, das Hunderte von Nächten hintereinander gekuschelt hat, ist nicht verängstigt, wenn es mit deiner Hand auf seinem Rücken und deiner Stimme in seinem Ohr einschlafen soll. Wütend, ärgerlich, ja. Verängstigt, nein, nicht wirklich!

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Abstillen nach Gordon – Statt stillen wird gekuschelt3

Während dieser ersten drei Nächte, wiederholst du dieses Muster nur, wenn es geschlafen hat. Vielleicht schläft es nur eine Viertelstunde oder vielleicht vier Stunden, aber es muss geschlafen haben und wieder aufwachen, um wieder gestillt und bekuschelt zu werden.
Das werden harte Nächte sein.

Vielleicht hast du dir überlegt, dass du doch noch nicht wirklich soweit bist, diesen Schritt zu machen. Das ist OK. Hör auf und beginne in ein paar Monaten erneut, wenn du es möchtest. Oder lass es ganz. Den richtigen Moment zu wählen, ist entscheidend!

Noch einmal: Während dieser ersten drei Nächte, zwischen 23 Uhr und 6 Uhr, stillst du nur kurz, kuschelst kurz, legst es wach wieder hin, klopfst, streichelst, sprichst mit ihm, bis es einschläft und wiederholst diesen Vorgang nur, wenn es geschlafen hat und wieder aufgewacht ist. Ab 6:01 Uhr machst du es so, wie auch immer deine Morgenroutine bisher ausgesehen hat und kümmerst dich nicht mehr um das neue Muster der vorhergegangenen sieben Stunden. Einige Babys werden sich umdrehen, stillen und sich wieder in den Schlaf kuscheln und dir noch eine oder mehrere Stunden Extra-Schlaf gönnen. Manche tun es nicht.

Ein beruhigender Teil dieses „Schlafplans“ ist es, zu erleben, dass die Babys morgens gut gelaunt und glücklich aufwachen, ohne sich weiter über die Veränderung der Regeln zu beklagen.

Abstillen nach Gordon – Die Nächte vier bis sechs

In der vierten Nacht schließt sich die „Restaurant-Tür“ wieder um 23 Uhr. Wenn dein Baby aufwacht, drückst und liebkost du es für ein paar Minuten, aber gibst ihm nicht die Brust! Lege es wach wieder hin. Das Hinlegen im wachen Zustand ist ein entscheidender Teil dieses ganzen Unternehmens, weil es dem Baby wirklich beibringt mit etwas weniger Kontakt einzuschlafen, und dann mit noch etwas weniger. Nicht mehr zu stillen ist die große Veränderung während dieser drei Nächte. Ältere Babys können ohne Probleme sieben Stunden (oder länger) ohne Kalorien auskommen. Natürlich mögen sie es, während der Nacht kleine Mengen Nahrung zu sich zu nehmen. Rein körperlich gesehen aber, ist das keine lange Zeit, um es ohne Nahrung auszuhalten.

Es ist nicht schön, ein Baby weinen zu hören. Im Unterschied zu unseren Babys jedoch, können wir Erwachsenen eindeutig verstehen, welche Auswirkungen Schlafmangel auf eine Familie aus drei, vier oder mehr Personen hat. Manchmal ist es nötig, liebgewonnene Schlafmuster zu verändern, aber die große Sicherheit und Geborgenheit, die das Familienbett bisher vermittelt hat und auch weiterhin vermittelt, bietet die besten Rahmenbedingungen und Platz, um diese Veränderungen durchzuführen.

Während dieser zweiten drei Nächte werden manche Babys weinen und für zehn Minuten protestieren. Manche auch noch länger. Dies ist sehr schwer, aber es wird vorbeigehen. Ein gut gebundenes und geliebtes Baby nach einem Jahr oder länger im Familienbett, ist der größte Gewinner, wenn seine Eltern mehr Schlaf bekommen. Kein Zufall, auch die Eltern selbst profitieren davon.

Am Ende der sechsten Nacht schläft dein Baby wieder ein, ohne gestillt oder gefüttert zu werden. Es schläft wieder ein, nachdem es liebevoll gedrückt und liebkost wurde, mit deiner Hand auf seinem Rücken und deiner Stimme im Ohr.

Abstillen nach Gordon – Die Nächte sieben bis zehn

In den Nächten sieben, acht, neun und zehn: Nimm es nicht hoch, drück es nicht mehr. Wenn es nach 23 Uhr aufwacht, sprich mit ihm, streichel es, sprich noch etwas mit ihm, aber nimm es nicht mehr hoch. Reibe und klopf es nur noch. Stille oder füttere es auch nicht mehr. Es wird wieder einschlafen. Wiederhole das Reiben und Sprechen, wenn es wieder aufwacht. Gegen Ende der neunten Nacht wird es wieder einschlafen, wenn du es ein wenig reibst und ruhig mit ihm sprichst, wenngleich manche Babys dies nur widerstrebend tun.

Abstillen nach Gordon – Danach

Nach diesen ersten zehn Nächten, fährst du fort am Abend zu kuscheln und in den Schlaf zu stillen, wenn du es möchtest und dein Baby es auch möchte.  Mach aber nichts weiter, wenn es aufwacht, außer es kurz zu berühren und ein bisschen zu ihm zu sprechen. Dies kann noch für weitere drei oder vier Nächte, manchmal auch für eine weitere Woche oder länger, so weitergehen. Dann hört es auf. Dein Baby hat gelernt, dass es noch genauso geliebt wird und während des Tages nahezu alles bekommt, was es braucht und möchte. Und dennoch brauchen seine Eltern und seine Familie sieben Stunden Schlaf pro Nacht.

Was passiert, wenn ihr verreist, das Baby krank ist oder irgendwelche anderen Umstände dazu führen, dass wieder mehr nächtliche Aktivität notwendig ist? Nichts. Du machst das, was du machen musst (kuscheln, stillen, herumtragen, mitten in der Nacht, so oft wie es nötig ist) und dann verbringst du eine Nacht oder vielleicht auch zwei oder drei damit, wieder zurück zu dem Muster zu kommen, das ihr für eure Familie eingeführt habt.

Ich hoffe sehr, dass dieser Artikel für die ein oder andere Mutter hilfreich ist, wenn es um das bedürfnisorientierte (nächtliche) Abstillen geht. Das Abstillen nach Gordon ist eine Methode, bei der das Baby nicht einfach sich selbst überlassen und schreien gelassen wird. Stattdessen wird es liebevoll begleitet und kann auf diese Art und Weise in seinem Tempo lernen, dass es die Nächte auch ohne nächtliches Stillen übersteht und Mama und Papa auch anders trösten und begleiten können.

Weitere interessante Artikel rund um das Stillen:

Langszeitstillen wirklich so unnatürlich?4

Abstillen – Sieben Schritte zum erfolgreichen Abstillen5

Ich wünsche euch ein sonniges Wochenende und alles Liebe

eure Kira!

P.S.: Brauchst du Unterstützung beim Stillen? Hast du Fragen rund um die Beikost oder möchtest du gerne Abstillen und weißt nicht wie? Dann kontaktiere mich und wir vereinbaren ein kostenloses Erstgespräch!6.

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Empfohlene Literatur

Quellen

Kira.Schlesinger

Über den Autor

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

Kira.Schlesinger

Über uns Kira.Schlesinger

Kira Schlesinger ist Sozialpädagogin und Mutter. Sie interessiert sich insbesondere für bedürfnisorientierte Erziehung und hat sich intensiv in diesem Bereich weitergebildet. Eines ihrer Kernanliegen ist es (werdende) Eltern im sicheren Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Ausbildungen zur Trage- und Stillberaterin, zahlreiche Fortbildungen im Coaching Bereich und ihr Erfahrungsschatz bilden die Grundlage für realitätsnahe und alltags orientierte Beratung...mehr

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